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In der Pädiatrie besteht nach wie vor ein Mangel in der Versorgung. Foto: PhotoDisc
 
Gesundheitspolitik 24. September 2009

Versorgungsdefizite

Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten sind von Mängeln besonders stark betroffen.

Viele Punkte des vor vier Jahren beschlossenen österreichischen Kinder- und Jugendgesundheitsplans sind noch immer nicht umgesetzt.

Bereits 2004 wurde ein nationaler Kinder- und Jugendgesundheitsplan beschlossen. Dass es überhaupt soweit kam, dazu hat die Gruppe „Politische Kindermedizin“ maßgeblich beigetragen. „Positiv ist, dass die Einführung der Additivfächer in der Pädiatrie umgesetzt wurde“, erzählt Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Leoben und für die Gesamtkonzeption der dritten Jahrestagung verantwortlich. „Wie in der medizinischen Betreuung von Erwachsenen braucht es eben auch bei Kindern die Spezialisierung.“

Weitere erfreuliche Entwicklungen in den vergangenen Jahren: Deutliche Verbesserungen für die Möglichkeit von Eltern, ihre Kinder im Krankenhaus zu begleiten. Zudem werden nun auch Rehabilitationsplätze aufgebaut, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten sind.

„Noch immer ist das Schnittstellenmanagement zwischen intra- und extramuralen Bereich problematisch“, beklagt Kerbl. Die Spitalsambulanzen verzeichneten bis zu zehn Prozent Zuwachs bei den Patienten, „aber der Personalstand ist in den vielen Abteilungen unverändert. Zudem wird bei der Refundierung durch die öffentliche Hand mit Daten aus dem Jahr 1994 gearbeitet, die Kostendeckung liegt oft nur bei 25 Prozent.“ Das führt nach Kerbls Erfahrung zu langen Wartezeiten, die Qualität von Diagnose und Behandlung leidet. Die Versuche, Bereitschaftsdienste von Kinderärzten zu organisieren, wie in Wien oder in Vorarlberg, seien allesamt gescheitert. Kerbl meint, es wäre wichtig, weiterhin nach Lösungen zu suchen.

Defizite ortet Kerbl aktuell in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie pädiatrischen Psychosomatik. In der Obersteiermark wurde zwar kürzlich ein Zentrum eröffnet und auch Einrichtungen wie an der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz werden ausgebaut. „Das sind wichtige Schritte, aber sowohl im intra- als auch im extramuralen Bereich gibt es in vielen Regionen Versorgungsengpässe, etwa wenn es um Kinder geht, bei denen Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht oder die Probleme mit Alkohol- und Drogenkonsum haben“, so Kerbl weiter. Er wünscht sich auch stärkere Akzente im Forschungsbereich – so sei viel vom Problem Übergewicht die Rede, aber es fehlten in vielen Regionen verlässliche Daten. „So gibt es zwar einzelne Untersuchungen an Schulen, die Daten werden aber weder gesammelt noch konsequent ausgewertet.“

Recht auf optimale Versorgung

Einer der Schwerpunkte der 3.  Jahrestagung „Politische Kindermedizin“ ist das Recht auf optimale medizinische Versorgung. „Nach wie vor gibt es gerade bei Kindern mit chronischen Krankheiten und solchen mit Behinderung Probleme beim Zugang zu Ergo-, Physiotherapie und Logopädie.“ Denn, so kritisiert Kerbl, hohe Selbstbehalte könnten sich viele Eltern nicht leisten und die Wartezeiten auf Kassenstellen seien sehr lang oder aber mit untragbar weiten Anfahrtswegen verbunden.

Verbindliche Rechtsauskünfte

Offen ist auch die Einführung einer Anlaufstelle, die zur Entwicklung von verbindlichen Rechtsauskünften beitragen könnte. „Das Problem ist, dass oft erst nach zehn bis 15 Jahren von Gerichten festgestellt wird, ob eine medizinische Entscheidung oder Handlung rechtens war“, erzählt Kerbl. Wie ist vorzugehen, wenn bei einem Kind, wie es tatsächlich der Fall war, ein operabler Herzfehler vorliegt, die Eltern aber meinen, es sei besser, das Kind sterben zu lassen? Viel, was momentan unter „Absicherungsmedizin“ läuft, hätte mit juristischen Unsicherheiten zu tun und der Angst, für eine Handlung später verklagt zu werden, obwohl, wie im genannten Beispiel, sich die Eltern ihrer Ansicht zunächst ganz sicher waren.

 

 www.polkm.org

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 39 /2009

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