zur Navigation zum Inhalt
Durch die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern, wie z. B. Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung, könnten diese bis ins Erwachsenenalter stark profitieren.
© Buenos Dias / photos.com

Abb. 2: Eine isolierte Betrachtung der Gesundheitsausgaben ohne Miteinbeziehung des Gesundheitszustandes erscheint wenig aussagekräftig, da in Betracht gezogen werden muss, dass hohe Ausgaben nicht automatisch auch einen guten Gesundheitszustand der Bevölkerung implizieren müssen.

 

 

 
Gesundheitspolitik 21. September 2009

Ausgaben bei Kindern im internationalen Vergleich

Eine Analyse der Studien von OECD und UNICEF

Die Altersausgabenprofile in der OECD-Studie „Projecting OECD Health and Long-term care expenditures: What are the main drivers?“erwecken den Eindruck, dass Österreich im internationalen Vergleich wenig für die Gesundheitsversorgung von Kindern ausgibt. Wir haben diese Annahme überprüft: Für einen Vergleich der Ausgabenhöhe mit anderen Ländern sind die Altersausgabenprofile in ihrer Globalbetrachtung allerdings schlecht geeignet.

Länder schwer zu vergleichen

Erstens weisen die einzelnen Länder unterschiedliche Abdeckungsgrade der Profile auf, d.h. zum Teil werden einzelne Ausgabenkomponenten in Ländern nicht abgedeckt oder sind nicht nachvollziehbar. Zweitens existieren in den betrachteten Ländern unterschiedliche Gesundheitssysteme, Organisationsformen und Berechnungsmethoden, welche die Vergleichbarkeit erschweren. Drittens müsste beispielsweise für Österreich eine Adjustierung des Profils vorgenommen werden, um eine Konformität mit der offiziell publizierten Ausgabenquote nach dem System of Health Accounts (SHA) zu erhalten.

Daten für länderspezifische Ausgabenbasis

Vielmehr dienen die Altersausgabenprofile als Ausgangsbasis für länderspezifische Vorausschätzungen der öffentlichen Gesundheitsausgaben. Weiters sei darauf hingewiesen, dass eine isolierte Betrachtung der Gesundheitssausgabenseite ohne Miteinbeziehung des Gesundheitszustandes wenig aussagekräftig erscheint, da in Betracht gezogen werden muss, dass hohe Ausgaben nicht automatisch auch einen guten Gesundheitszustand der Bevölkerung implizieren müssen (siehe bspw. die USA).

Prävention bei Kindern

Mehr Geld für das Gesundheitswesen ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für bessere Gesundheit. Geld kann nur in eine gerechte, effiziente und effektive Gesundheitsversorgung übergeführt werden, wenn geeignete Finanzierungsmethoden verwendet werden und institutionelle Kapazität und Arbeitskräfte vorhanden sind. Ohne diese Bedingungen können zusätzliche finanzielle Mittel für Gesundheit sogar Schaden anrichten.

Durch die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern (Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung – Kampf dem Übergewicht bei Kindern, Kampf dem Rauchen/Alkohol, Haltungsschäden etc.) könnten diese bis ins Erwachsenenalter stark profitieren.

Nachhaltiger Gedanke 

Solche Investitionen würden zweifelsohne mehr finanzielle Mittel erfordern – könnten aber dazu führen, dass im Sinne einer nachhaltigen Finanzierung Kosten in späteren Alterstufen vermieden werden.

Die Ergebnisse der UNICEF-Studie „Child poverty in perspective: An overview of child well-being in rich countries“ müssen in einer differenzierten Art und Weise betrachtet werden: Entscheidend bei derartigen Studien ist die Auswahl der verwendeten Indikatoren. Diese Kennzahlenauswahl ist insbesondere vom Vorhandensein international vergleichbarer Daten abhängig. Leider musste in dieser Studie in einigen Fällen auf veraltete Daten bzw. auf Daten aus unterschiedlichen Zeitperioden zurückgegriffen werden. Auch im Falle der Befragungsdaten ist deren Qualität zu hinterfragen: Die Mehrheit der verwendeten Daten stammt aus der WHO-Studie „Health Behaviour in School-age Children“ (HBSC) bzw. der PISA-Studie, sodass eine Konzentration auf Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren stattfindet (Ausnahme: Dimension Gesundheit – diese fokussiert auf die Geburt): Klein- bzw. Volksschulkinder kommen im Zuge der Indexberechung zu kurz.

Um für die nationale Interpretation konkretere Problemfelder eingrenzen zu können, müsste überdies eine Differenzierung nach Alter, Geschlecht und auch Regionen ergänzt werden.

Die Konstruktion derartiger Indizes kann darüber hinaus nur eine Momentaufnahme für einen Ländervergleich darstellen – eine zeitliche Entwicklung in den Ländern kann nicht abgelesen werden.

1 Institut für Höhere Studien, Wien

OECD Studie als PDF: Projecting OECD Health and Long-term care expenditures: What are the main drivers?, Economic Department Workingpapers No. 477, ECO/WKP (2006)5;

UNICEF Studie als PDF: Child poverty in perspective: An Overview of child well-being in rich countries, Innocenti Report Card 7, 2007;

 

Korrespondenz: Dr. med. univ. Thomas Czypionka

Institut für Höhere Studien (IHS) Stumpergasse 56 1060 Wien

Fazit für die Praxis
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studie der UNICEF nicht pauschal aussagt, dass die Gesundheitsversorgung bzw. das Wohlbefinden von Kindern in Österreich schlecht ist. Die Studie bietet dennoch die Chance, ein Bild von der Situation der Kinder in Österreich zu gewinnen. Sie gibt Aufschluss über Herausforderungen, Problem- und Handlungsfelder in bezug auf kindermedizinische Fragestellungen in Österreich.
Insbesondere dokumentiert die Studie jedoch den gravierenden Datenmangel bezüglich der Kindermedizin. Diesbezüglich sei ausdrücklich auf den Forschungsbedarf in diesem Bereich hingewiesen. Aus ökonomischer Sicht wäre auch eine Thematisierung der Rolle der Kindermedizin für die Erwachsenenmedizin wünschenswert. Eine Aufwertung der Kindermedizin in Österreich sowie ein gezieltes „Vorantreiben“ von Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogrammen für Kinder könnte helfen, Krankheiten und somit auch Kosten im Erwachsenenalter zu vermeiden.

T. Czypionka, M. Riedel, G. Röhrling 1, Pädiatrie & Pädologie 4/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben