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Foto: Privat
Dr. Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Heim, Freizeit und Sport im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
 
Gesundheitspolitik 21. September 2009

„Schuldhaftes Verhalten“ ist eine nicht greifbare Größe.

Die Diskussion, ob eine Sportart risikoreicher ist als eine andere, halte ich für nicht zielführend. Denn auch auf den Treppen zu den Duschen nach dem Sport kann es zu einem Unfall kommen. Zudem ist auf die Relationen zu achten: Auf Österreichs Pisten werden in einer Saison etwa 55 Millionen Skifahrertage gezählt, und es kommt zu etwa 50.000 Unfällen, nach denen eine Spitalsbehandlung nötig ist.

Zu sagen, wer eine „riskante“ Sportart betreibt, soll Behandlungskosten oder einen Teil davon selbst übernehmen, steht im Gegensatz zu den Grundprinzipien unseres solidarischen Gesundheitssystems. Genauso gut könnte gefordert werden, dass jemand, der sich fettreich ernährt, zu wenig bewegt, regelmäßig Alkohol und Nikotin konsumiert, mehr in das Versicherungssystem einzahlen muss, weil die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes höher ist. Forderungen nach einer Versicherung, etwa für Paragleiter, finden Zustimmung in der Bevölkerung, weil dieser Sport nur von einer sehr kleinen Gruppe ausgeübt wird. Aber die große Anzahl der Unfälle passieren im Breitensport. Soll da eine Eigenfinanzierung für alle Radfahrer gefordert werden? Für jemanden, der viel Sport betreibt, ist es sicher sinnvoll, eine Unfall- oder Haftpflichtversicherung abzuschließen. Über die Mitgliedschaft in Vereinen kann z. B. der Abtransport bei einem Alpinunfall versichert sein.

Der KfV hält eine Helmpflicht beim Schifahren für sinnvoll. Schon allein die Diskussion um die gesetzliche Regelung schafft Bewusstsein – und wer bis 15 einen Helm trägt, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass der dies auch später tut. Dazu kommt der Aspekt, dass die Kinder die Eltern fragen, warum eigentlich sie keinen Helm tragen …

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Wer stürzt, ist selber schuld?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Peter Schober, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin: Anstelle von neuen Gesetzen sollte Sicherheit beim Sport positiv besetzt werden.

Von Mag. Erwin Gisch, Geschäftsführer des Fachverbands der Versicherungsmakler: Versicherungsschutz für Risikosport könnte sich ändern.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 39 /2009

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