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Foto: Privat
Prof. Dr. Peter Schober, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin
 
Gesundheitspolitik 21. September 2009

Anstelle von neuen Gesetzen sollte Sicherheit beim Sport positiv besetzt werden.

In der Steiermark gibt es im Rahmen des Pistengütesiegels ein System, bei dem alle Schiunfälle nicht nur in Bezug auf die Begleitumstände, sondern auch die Folgeverletzungen erhoben werden. Dabei zeigt sich ganz klar: Über 70 Prozent der Kinder tragen einen Helm, und die Hauptrisikogruppe liegt zwischen 16 und 28 Jahren – diese Zahlen sind sicher auf ganz Österreich übertragbar. Ganz deutlich zu sagen ist: Das Tragen eines Helms würde viele Schädel-Hirn-Traumata verhindern. Aber eine gesetzliche Pflicht für unter 15-Jährige ist nicht die adäquate Antwort auf das Problem.

Noch mehr schwere Kopfverletzungen gibt es beim Radfahren oder auch beim Inline-Skaten. Hier wäre das Tragen eines Helms besonders wichtig. Trotzdem halte ich wenig von gesetzlichen Verpflichtungen. Es gilt, das Thema positiv zu besetzen und umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten.

Es gab vor einigen Jahren Berechnungen, die nach wie vor aktuell sind und zeigen, dass Unfälle bei sportlicher Betätigung zwar Kosten verursachen, diese aber in keiner Relation zu den positiven Auswirkungen des Sports auch in ökonomischer Hinsicht stehen. Sport ist ein ganz wesentlicher Faktor der Gesundheitsförderung. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass es ja auch nicht darum gehen darf, jemanden etwa mit höheren Versicherungsbeiträgen zu „bestrafen“, weil er oder sie sich zu wenig bewegt und/oder falsch ernährt und sich so Folgekosten durch verschiedenste Krankheiten ergeben.

Sportliche Tätigkeit muss in jeder Hinsicht gefördert werden. Klar abzulehnen wären etwa Verbote bestimmter Sportarten, nur weil sie als „besonders riskant“ gelten. Gleichzeitig ist generell an die Selbstverantwortung zu appellieren.

Eine Mitgliedschaft beispielsweise beim Schiverband inkludiert auch eine Versicherung für den Abtransport nach einem schweren Unfall, Ähnliches gibt es im Alpinbereich. So etwas stärker zu propagieren, macht sicher Sinn.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Wer stürzt, ist selber schuld?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Heim, Freizeit und Sport im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV): „Schuldhaftes Verhalten“ ist eine nicht greifbare Größe.

Von Mag. Erwin Gisch, Geschäftsführer des Fachverbands der Versicherungsmakler: Versicherungsschutz für Risikosport könnte sich ändern.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 39 /2009

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