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Foto: flickr / Charlie Brewer
Gefährliche Outdoor-Sportarten geben den Kick. Die Streitfrage: Soll die Solidargemeinschaft für die Behandlung von Verletzungen aufkommen?
 
Gesundheitspolitik 21. September 2009

Wer stürzt, ist selber schuld?

Die Diskussion, ob die Allgemeinheit für die Kosten von Verletzungen durch besonders gefährliche Sportarten aufkommen soll, flammt angesichts leerer Kassen wieder auf.

Hobbysportler und Alpinisten könnten in Zukunft für Freizeitverhalten mit erhöhtem Gesundheitsrisiko Zusatzbeiträge zahlen oder spezielle Versicherungsverträge abschließen müssen.

Jedes Jahr landen 130.000 Hobbysportler nach Unfällen im Spital. Mit ein Grund, warum darüber debattiert wird, ob sie höhere Beiträge zur Krankenversicherung leisten sollen, da sie ja auch ein höheres Risiko eingehen. Zudem wird über die Finanzierung von Bergung und Transport aus exponiertem Gelände gestritten. Dabei wird auf sogenannte Risikosportarten verwiesen, wie Basejumping von Felswänden, Rafting, Canyoning, Drachenfliegen und Fallschirmspringen.

Fakt ist: In den vergangenen drei Jahren verletzten sich 15 Fallschirmspringer, davon 2006 einer tödlich. Eine andere Zahl wirkt hier schon schwerwiegender: Etwa 300 Menschen kommen im Jahr bei Alpinunfällen ums Leben, der Bergrettungsdienst barg im Vorjahr 5.200 Verletzte.

Belebt hat sich so auch die öffentliche Diskussion um die Helmpflicht beim Schifahren. Reicht es, sie für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre vorzuschreiben? Und wie steht es um Sportarten wie Radfahren, Inline-Skaten oder Waveboarding?

Das Ansinnen, Personen mit eigenverschuldeten Gesundheitsschäden in Zukunft tiefer in die Börse greifen zu lassen, wirft jedenfalls viel mehr Fragen auf, als Antworten gegeben werden: Wer soll definieren, ab wann eine Sportart zu „riskant“ ist? Und wie steht es mit anderen „riskanten“ Verhaltensweisen – zu viel Alkoholkonsum oder krankmachende Ernährung? Sollen also auch Raucher, Trinker und Dicke vermehrt zur Kasse gebeten werden?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Peter Schober, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin: Anstelle von neuen Gesetzen sollte Sicherheit beim Sport positiv besetzt werden.

Von Dr. Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Heim, Freizeit und Sport im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV): „Schuldhaftes Verhalten“ ist eine nicht greifbare Größe.

Von Mag. Erwin Gisch, Geschäftsführer des Fachverbands der Versicherungsmakler: Versicherungsschutz für Risikosport könnte sich ändern.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 39 /2009

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