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Gesundheitspolitik 16. September 2009

Psychiatrische Rehabilitation statt Frühpension

Ziel: Verbleib im oder baldige Rückkehr ins Berufsleben.

Psychiatrische Krankheiten sind die häufigste Ursache für Frühpensionierungen. Gefragt ist ein Ausbau bei Prävention und Rehabilitation.

„Eine psychiatrische Rehabilitation kann schon dann ansetzen, wenn sich bei einer Person übermäßige Belastungssituationen und die Zahl der Krankenstände häufen sowie die begründete Vermutung besteht, dass dies mit psychischen Problemen zusammenhängt“, so Prim. Dr. Werner Schöny, Obmann von pro mente Oberösterreich und Ärztlicher Leiter der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. Eine wichtige Rolle bei der Früherkennung spielt aus seiner Sicht der Hausarzt oder der niedergelassene Facharzt. „Bislang wurde selten an die Option einer psychiatrischen Rehabilitation gedacht, weil die Wartezeiten auf einen Platz auch in anderen Bundesländern zuletzt bei bis zu einem Jahr lagen“, berichtet Schöny.

Pro mente Oberösterreich konnte durch den Neubau von „Sonnenpark – Zentrum für psychosoziale Gesundheit“ die Kapazität in diesem Feld von 80 auf 120 Betten erhöhen. „Es gibt nun auch die Möglichkeit, rasch bei besonders dringenden Fällen zu reagieren“, freut sich Schöny. Für ganz Österreich formuliert er das Ziel, „dass eine psychiatrische Rehabilitation innerhalb von sechs bis acht Wochen möglich sein muss.“ Auch in Tirol und im Burgenland wird am Ausbau des Angebots gearbeitet, erste Pläne gibt es ebenso in Niederösterreich. Unterstützung bekommt Schöny von der Pensionsversicherung. Dazu Mag. Franz Röhrenbacher von der Landesstelle Oberösterreich: „Psychiatrische Krankheiten sind bei den Angestellten mit 42,4 Prozent nun Berufsunfähigkeitsursache Nummer eins, bei den Arbeitern sind sie für etwa ein Drittel der Frühpensionierungen verantwortlich – jeweils gefolgt von Krankheiten des Bewegungsapparates.“ Noch vor einigen Jahren waren diese Zahlen um über die Hälfte kleiner, rasche Maßnahmen wären also unumgänglich.

„Rehab für die Seele“

Schon seit 2002 werden sowohl die Arbeit im Sonnenpark als auch jene des Rehabilitationszentrums für seelische Gesundheit in Klagenfurt vom Institut für Soziologie der Universität Linz evaluiert. Die positiven Studienergebnisse des Sonnenparks 2003 waren die Grundlage dafür, dass von der Pensionsversicherung die medizinisch-psychiatrische Rehabilitation in die Regelversorgung aufgenommen wurde. Die häufigsten ICD-10-Diagnosen waren affektive Störungen mit rund 60 Prozent, neurotische Störungen mit 25 Prozent und schizophrene Störungen mit zehn Prozent. Die Belastungen durch psychische und körperliche Symptome verringerten sich von der Aufnahme zur Entlassung statistisch signifikant. „In den Monaten nach der Entlassung kam es zu einer messbaren Verschlechterung. Die Werte blieben aber weiterhin deutlich über dem Niveau bei der Aufnahme. Einen ähnlichen Verlauf zeigten die Daten zur Lebensqualität“, berichtet Schöny.

Die Dauer der Krankenstände ging von durchschnittlich etwa 15 Wochen im Jahr vor der Rehabilitation auf sechs Wochen zurück. Auch die Häufigkeit und Dauer der Krankenhausaufenthalte zeigte eine deutlich rückläufige Tendenz. 2006 waren 85 Prozent der bei Antritt der Rehabilitation berufstätigen Patienten auch nach einem Jahr beruflich integriert. Schöny betont, dass der Ausbau der psychiatrischen Rehabilitation unbedingt weitergehen müsse: „Gleichzeitig braucht es deutlich mehr Anstrengungen zur Prävention, etwa im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sowie durch den Ausbau niederschwelliger Beratungsangebote.“ Generell müsse das Thema psychische Gesundheit noch stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung kommen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 38 /2009

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