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Foto: wikipedia / Ärzte-Woche-Montage
Teures wird in geringeren Mengen gegessen. Aber funktioniert Prävention über Steuern auf Ungesundes?
 
Gesundheitspolitik 16. September 2009

Steuern über Steuern?

Spezielle Abgaben auf ungesunde Lebensmittel sind nur ein Weg für die Politik, lenkend einzugreifen.

In den USA wird eine Abgabe auf „süße Produkte“ überlegt. Dahinter steht die Überlegung, Ungesundes zu verteuern und Gesundes preiswerter zu machen und breite Bevölkerungsschichten via Geldbörsel zu gesundem Essen zu animieren. Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa möchte lieber die Werbebranche zügeln.

 

100 Gramm Zucker nehmen deutsche Staatsbürger pro Tag und Kopf zu sich, prangert Die Zeit die Lust auf Süßes an. Zucker ist in Getränken, Fertigprodukten, Soßen, Wurst und auch in gemeinhin als „gesund“ geltenden Nahrungsmitteln wie Joghurt, Müsli und Cornflakes enthalten.

Zu viel Zucker ist ungesund. Deshalb wird in einigen US-Bundesstaaten derzeit überlegt, vor allem Softdrinks und Süßigkeiten mit einer eigenen Steuer zu belegen.

Auch der Österreicher nascht gern. Wäre so eine Zuckersteuer nicht auch in heimischen Gefilden eine sinnvolle, nämlich gesundheitsfördernde Maßnahme – vor allem angesichts der hohen Folgekosten von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Erkrankungen des Bewegungsapparats?

Für den falschen Weg hält eine solche Steuer Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung: „Damit würden wir deutlich über das Ziel hinausschießen, denn auch natürlich vorkommender Zucker kann grundsätzlich bei übermäßigem Konsum ein Problem darstellen.“ Zudem sei ein zu hoher Zuckerkonsum in Österreich nicht wirklich das gravierende Problem.

In einem anderen Licht sieht der Ernährungsexperte hingegen den Fleischkonsum. Die Österreicher konsumieren durchschnittlich doppelt so viel, wie es gut abgesicherte Ernährungsrichtlinien empfehlen. Junge Männer übertreffen diesen Wert sogar noch deutlich. Dennoch ziehe niemand ernsthaft eine „Fleischsteuer“ in Betracht, meint Elmadfa.

„Viel wichtiger und dringlicher wären strengere Richtlinien und vorausgehende Kontrollen der Werbung von Lebensmitteln“, betont Elmadfa, der mit wachsender Besorgnis den Trend zur Werbung für den Fleischkonsum beobachtet. Auf europäischer Ebene wird mit „Ein Stück Lebenskraft“ geworben, in Österreich wird der Fleischgenuss mit dem Slogan „Fleisch bringt’s“ propagiert. In den Werbespots wird auf die bewährten klassischen Klischeebilder zurückgegriffen: Fleisch macht unheimlich stark, ohne die Figur in Mitleidenschaft zu ziehen.

Sinnvoll seien auch legistische Maßnahmen, wie sie etwa Gesundheitsminister Alois Stöger kürzlich für Transfette erlassen hat. Mit der Regelung werden die erlaubten Obergrenzen des Gehalts an Transfettsäuren in Lebensmitteln gesetzlich begrenzt. So können gesundheitliche Beeinträchtigungen durch einen zu hohen Konsum der für die Lebensmittelindustrie preiswerten und leicht zu verarbeitenden künstlichen Fettsäuren von vornherein verhindert werden.

Selbstkontrolle nicht zielführend

Eine Selbstkontrolle durch die Lebensmittelindustrie hält Elmadfa für nicht zielführend. Freilich wäre bei der Erarbeitung von Richtlinien durchaus auch die Kooperation mit den Erzeugern zu suchen, „ohne dabei jedoch das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren“, wie Elmadfa betont. Dies gelte genauso für die stärkere Regelung der Frage, wie für welche Produkte Werbung gemacht wird.

Unmittelbar nach der Präsentation des aktuellen österreichischen Ernährungsberichtes hatte Stöger im Ministerrat einen „Aktionsplan Ernährung und Gesundheit“ eingebracht. Einmal mehr, wie Elmadfa sagt. Denn schon zu Zeiten von Molterer und Rauch-Kallat habe es die „Plattform Ernährung“ gegeben, in der alle wichtigen Vertreter von Lebensmittelerzeugung, Handel und Wissenschaft vertreten waren. „Aber alle Schritte zur Konkretisierung“, erinnert sich Elmadfa, „sind schließlich im Sand verlaufen.“

Dennoch ist der Ernährungswissenschaftler wieder hoffnungsvoll, dass Gesundheitsminister Stöger mit seinem Aktionsplan erfolgreicher ist als seine Vorgänger: „Es braucht einfach regelmäßige, großflächige Informationskampagnen und Aktionen zum Thema gesunde Ernährung.“

Eine der Aufgaben des gerade gewählten Europaparlaments wird es sein, sich über die Weiterentwicklung der Lebensmittelkennzeichnung den Kopf zu zerbrechen. Es werden zwar Fett- und Kaloriengehalt sowie Tagesbedarfsmengen bestimmter Inhaltsstoffe angegeben, damit wird aber wenig über den gesundheitlichen Wert eines Lebensmittels ausgesagt. Heftig diskutiert wird auch die Einführung eines Ampelsystems, mit dessen Hilfe sich Konsumenten leichter und rascher über den gesundheitlichen Wert von Produkten orientieren könnten.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 38 /2009

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