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Dr. Hubert Dreßler, Präsident des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs, Pharmig
 
Gesundheitspolitik 16. September 2009

Das Konzept der Gesundheitsregionen endlich aus der Schublade holen

Wir reden seit Jahren über das gleiche Thema, es hat sich nur die Intensität verlagert. Früher ging es um reine Finanzierung von Medikamenten, jetzt wird mehr und mehr die Systemfrage gestellt. Wir sollten uns einmal überlegen, was wollen wir, und was sind wir bereit, dafür zu tun? Wenn ich das weiß, kann ich dementsprechende Strukturen aufbauen und mich um die Finanzierung kümmern.

Prinzipiell sind sich alle einig, was die Strukturreform betrifft. Aber der letzte Schritt fehlt, weil sich die Macht der schwindenden Gelder bei den Ländern noch nicht bemerkbar macht. Aber diese Macht kommt gerade auf. Im gesamten Gesundheitssystem gibt es eine massive Kumulierung von extrem starken Partikularinteressen: Selbstverständlich gehört auch die Pharmaindustrie dazu, aber auch die Ärzte, die Apotheker, die Bürgermeister, die Länder. Und der Erste, der sich bewegt, hat verloren. In dem Moment, in dem sich in der Gesundheitspolitik etwas ändert, sind 50 Prozent der Bevölkerung betroffen – als Arbeitende, Patienten oder Zulieferer.

Letztendlich ist die Politik schuld: Es mangelt an Zivilcourage, um auch unpopuläre Maßnahmen umzusetzen. Die Politiker müssten den ersten Schritt tun. Und sie werden ihn tun: Die Kabeg zum Beispiel erhält trotz einer Garantie vom Land Kärnten keine Kredite mehr. Die Länder beginnen, Pleite zu machen. Wenn es in Niederösterreich gelingt, durch die Zusammenlegung der Spitäler Mehrkosten von 800 auf 600 Millionen Euro zu reduzieren, drängt sich die Frage auf: Welche Kosten kann ich senken, wenn ich gleich das ganze Bundesgebiet zusammenlege? Es gibt bereits heute vier Gesundheitsregionen. Wir sollten die Kassen auf diese vier Regionen reduzieren, Kassen für Unselbstständige einrichten und eine zentrale Kasse für Selbstständige. Verwaltungskosten wird man dadurch nicht massiv einsparen können, aber es würden weniger Menschen mitreden.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Tun statt Wollen

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer: Zögerlichkeit und mangelndes Vertrauen bringen Reformprozess zum Stocken.

Von Dr. Hans Jörg Schelling, Verwaltungspräsident des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger: Gesundheitsziel fehlt.

Von Bettina Benesch und Martin Rümmele, Ärzte Woche 38 /2009

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