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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel und ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 9. September 2009

News aus Brüssel - Alkohol in Europa: Was unternehmen die Mitgliedstaaten?

Um einen Überblick über Maßnahmen gegen Alkoholkonsum in den EU-Mitgliedstaaten (plus Schweiz und Norwegen) zu erhalten, fand am 27. August 2009 in Luxemburg das 5. Treffen des „Committee on National Alcohol Policy and Action“ auf Einladung der EU-Gesundheitskommission statt. Im Zentrum der Arbeit dieses Komitees stehen unter anderem der Schutz von Kindern vor Alkohol, die Verminderung von Verletzungen und Todesfällen wegen alkoholbezogener Verkehrsunfälle, die Verminderung des negativen Einflusses von Alkohol am Arbeitsplatz und die Entwicklung einer gemeinsamen Evidenzbasis auf EU-Niveau.

Einige der in Luxemburg vorgestellten Maßnahmen:

  • In Belgien hat der Gesundheitsrat die Empfehlung abgegeben, in der Schwangerschaft generell auf Alkohol zu verzichten. Die Regierung erwägt ein Gesetz, das den Verkauf von Alkohol in Restaurants, Cafés oder Bars an Jugendliche unter 16 Jahren verbietet.
  • In Frankreich wurde das Mindestalter für den Verkauf von Alkohol auf 18 Jahre erhöht (bis jetzt durften Wein und Bier bereits an 16-Jährige verkauft werden). Der Vertrieb von Alkohol an Tankstellen wurde verboten.
  • In Baden-Württemberg (Deutschland) wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Verkauf von Alkohol in Tankstellen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr verbietet. Über die nächsten fünf Jahre werden in Deutschland zehn Millionen Euro für Präventionsarbeit zur Verfügung gestellt.
  • In den Niederlanden trat am 1. Jänner 2009 ein Gesetz in Kraft, das die Werbung für Alkohol im Fernsehen zwischen 6 Uhr und 21 Uhr untersagt; zusätzlich wurde eine Steuererhöhung eingeführt. In Kürze wird dem Parlament ein neues Gesetz vorgelegt, das folgende Elemente beinhaltet: Kontrolle von Werbung, ein Verbot für unter 16-Jährige, in der Öffentlichkeit im Besitz von Alkohol angetroffen zu werden, und die Möglichkeit für lokale Kommunen, eine Altersbeschränkung für den Verkauf von Alkohol einzuführen (derzeit 16 Jahre für Bier und Wein, 18 Jahre für Spirituosen).
  • In Norwegen wird von der Regierung überlegt, die Öffnungszeiten von Bars und Restaurants generell zu beschränken.
  • In der Schweiz wird die derzeitige alkoholbezogene Gesetzeslage neu untersucht, mit einem besonderen Fokus auf billigen Alkohol und generelle Verfügbarkeit.
  • In Estland wurde die Steuer erhöht, und der Konsum hat in der Folge bereits abgenommen. Es ist außerdem eine bewusstseinsbildende Kampagne in Bezug auf den persönlichen Verbrauch von Alkohol geplant.
  • Malta hat ein zunehmendes Problem mit Binge-Trinken von Jugendlichen. Als Antwort darauf wurde das Mindestalter für den Verkauf von Alkohol auf 17 Jahre erhöht (bis jetzt 16).

Die Konferenz wies außerdem auf die Wichtigkeit hin, wissenschaftlichen Daten zur Beziehung zwischen Alkohol und Krebserkrankungen und Alkohol und kardiovaskulären Erkrankungen vermehrt Beachtung zu schenken. Und es wurde gefordert, Indikatoren für passives Trinken zu erstellen – mit passivem Trinken ist der Schaden gemeint, den Nicht-Trinker durch Alkohol erleiden, also etwa häusliche Gewalt oder Verkehrsunfälle.

Mehr Informationen (Englisch) unter:

http://ec.europa.eu/health/ph_ determinants/life_style/alcohol/ev_20090624_en.htm

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