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Gesundheitspolitik 9. September 2009

„Hässlichkeit“ heilen?

Der Schönheitswahn treibt seltsame Blüten – und Ärzte helfen willig mit Spritze und Skalpell.

Bei einer im Vorjahr durchgeführten Umfrage gaben fünf Prozent der befragten Frauen an, dass sie sich bereits einer plastischen Operation unterzogen hätten. Besonders häufig wurden Faltenbehandlungen und Gesichtsstraffungen genannt. Weitere 25 Prozent der Befragten gaben an, sich vorstellen zu können, sich einem solchen Eingriff zu unterziehen.

Zur tatsächlichen Zahl in Österreich durchgeführter „Schönheitsoperationen“ gibt es nur Schätzungen: Sie bewegen sich zwischen 25.000 und 50.000 Eingriffen pro Jahr. Ein Trend dabei ist, dass die Zielgruppe für diese Operationen immer jünger wird. Laut Deutscher Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie werden zehn Prozent der Eingriffe bereits an unter 20-Jährigen vorgenommen. Jede vierte Schönheitsoperation wird an unter 25-Jährigen durchgeführt.

Es gibt kaum einen Fernsehsender – auch im öffentlich-rechtlichen Bereich – der keine Serien ausgestrahlt werden, in denen es um „Schönheit“ und die meist weiblichen Akteure geht. Dabei wird der Begriff „Schönheit“ in Bezug auf Haut, Größe der Brüste, Form von Augen und Lippen, Körpergewicht oder die Form der Hüften akribisch definiert. Nur wer den Kriterien ‚perfekt‘ gerecht wird – so wird suggeriert – dem sei Erfolg und Glück auf der ganzen Linie sicher.

So wird die Werbung für Schönheitsoperationen verstärkt. Rund um das brisante gesellschaftspolitische Thema stellen sich viele Fragen: Wären nicht Kriterien nötig, wer Schönheits-OPs unter welchen Bedingungen anbieten darf? Bräuchte es nicht strengere Auflagen? Müsste „Schönheit“ nicht Inhalt von Informationskampagnen rund um das weite Thema Gesundheit sein?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

 

Von Dr. Hildegunde Piza , Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie sowie emeritierte Leiterin der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie in Innsbruck: Geld als treibende Kraft für den plastischen Operateur lässt die Aufklärung oft zu kurz ausfallen.

Von Dr. Felice Gallé , Frauengesundheitszentrum Graz: Ausführliche Aufklärung und Verbot von Eingriffen an unter 18-Jährigen.

Von Prof. Dr. Maria Deutinger, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie: Zusätzliche Reglungen für die Durchführung von plastischen Operationen sind nicht nötig.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37 /2009

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