zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 4. September 2009

Innovation bringt "Hoffnung, nicht Bedrohung"

Die Medizin des Jahres 2009 kann wesentlich mehr als sie noch vor wenigen Jahren vermochte. Hier stellt sich die Frage "Medizinischer Fortschritt: Chance oder Belastung?". Dieses Thema wird am 4. September bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen (bis 5. September) beleuchtet.

Der Wiener Klinik-Forscher Heinrich Klech dazu gegenüber der APA: "Innovation ist keine Bedrohung, sondern eine Hoffnung. Nicht Rationierung, sondern Rationalisierung sollte im Vordergrund stehen." Klech, geschäftsführender Vizepräsident der Vienna School of Clinical Research, ehemals lange Jahre bei dem US-Pharmakonzern Eli Lilly in führender Position beschäftigt, sieht als Hauptredner zu dem Thema vor allem die Fortschritte in der Medizin: "In den vergangenen 50 Jahren hat der medizinische Fortschritt zu enormen Verbesserungen geführt. Dazu zählen die Chirurgie, die bildgebenden Verfahren und die Kardiologie. Die Lebenserwartung bei Krebs ist deutlich gestiegen. Die Früherkennung erfolgt wirklich viel früher."

Der Experte nannte dazu ein Beispiel: "Eine Frau mit metastasiertem Brustkrebs starb früher binnen zwölf bis 18 Monaten, weil wir nichts dagegen tun konnten. Heute können wir diese Lebenserwartung mit Chemotherapie und den sogenannten Biologicals auf das Doppelte verlängern."

Neue Herausforderungen
Freilich, das würde auch zu Herausforderungen führen. Klech: "Das hat seinen Preis. Die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts hat seinen Preis. Die Biotechnologie-Medikamente auf der Basis der Erkenntnisse haben ihren Preis. Das ist heute teuer. Aber alles in der Medizin wird durch die mit der Zeit stärkere Anwendung auch wieder günstiger. Ein TV-Flat Screen hat vor acht Jahren das Zehnfache des heutigen Preises gekostet. Entscheidend ist, dass wir die neuen Therapien möglichst nur bei jenen Patienten anwenden, die auch darauf ansprechen. Doch auch die Tests dafür sind nicht billig."

Entscheiden über die Gesundheitsausgaben in einem Staat könnte nur die Politik. Der Fachmann: "Jedes Land muss sagen, wie hoch die Aufwendungen sein dürfen. Da wird es Unterschiede zwischen Pakistan und Österreich geben. Österreich ist ein reiches Land."

In Sachen Gesundheit gäbe es allerdings auch im Wohlfahrtsstaat Österreich noch ungehobene Potenziale. Klech: "Wir können alle Therapien um 30 Prozent effektiver machen, wenn sie die Patienten auch wirklich richtig anwenden. Und wenn wir von Gesundheitsreform reden, sollten wir in Wirklichkeit von Krankenreform reden. Weil für die Prävention nur weniger als fünf Prozent aufgewendet werden."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben