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Foto: Stahlwerk – Melting Shop / Böhler Edelstahl GmbH & Co KG
Ob bei der Schwerarbeit im Stahlwerk oder im Gesundheitswesen – Arbeitgeber sollten sich darum kümmern, dass Mitarbeiter gesundheitlich fähig bleiben, auch in höherem Alter beruflich tätig zu sein.
 
Gesundheitspolitik 1. September 2009

In Schwung bleiben für den Job

„Fit für die Zukunft“ ist ein Projekt von AUVA und PVA und soll werktätige Menschen möglichst lange arbeitsfähig erhalten.

Im Fokus stehen Gesundheit und Sicherheit vor allem älterer Arbeitnehmer. Besonderes Augenmerk wird bei der Initiative „Fit für die Zukunft“ auf Unfallprävention gelegt, weil der Erhalt der Arbeitsfähigkeit häufig auch mit der Sicherheitskomponente verbunden ist: Physische oder psychische Beeinträchtigungen sind besonders bei Sturzunfällen oft eine kausale Komponente.

 

Wenn es um Vorzeige-Projekte in der Gesundheitsförderung und Prävention geht, kommen immer wieder die skandinavischen Länder als Vorbilder ins Spiel: In diesem Fall ist es Finnland, das mit „Finnage – Respect for the Ageing“-Programm bereits seit den 1990er-Jahren verschiedenste Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer in Betrieben umsetzt. Ausgangspunkt dafür war die Erkenntnis, dass „Arbeit allein zwar nicht die Arbeitsfähigkeit erhält, aber die meisten Menschen bis ins höhere Alter produktiv sein können, wenn die Arbeitsbedingungen entsprechend den Bedürfnissen und Stärken in den einzelnen Lebensphasen gestaltet werden“, wie Prof. Dr. Juhani Ilmarinen, EU-Berater und Experte für Generationen-Management, feststellte.

Wechselwirkung Alter – Arbeit

Mit anderen Worten: Wenn die Arbeitsinhalte den Fähigkeiten angepasst werden, die sich natürlich im Lauf der Jahre altersbedingt verändern, kann die Arbeitsfähigkeit bis ins höhere Berufsalter erhalten bleiben. Einer altersbedingten Abnahme körperlicher Fähigkeiten steht (nicht selten) eine Zunahme mentaler und sozialer Fähigkeiten wie Urteilsvermögen und Voraussicht gegenüber, die im betrieblichen Umfeld gezielt genutzt werden kann. Ein Beispiel veranschaulicht dies: Die körperliche Leistungsfähigkeit eines Bauarbeiters nimmt mit dem Alter ab. Durch spezielle Schulung kann er jedoch verstärkt für Koordination und Planung auf einer Baustelle oder für Team-Einteilung eingesetzt werden, wodurch seine Arbeitsfähigkeit lange erhalten bleibt. Die Förderungsmaßnahmen haben auch einen wirtschaftlichen Grund: Die Zahl der Frühpensionierungen lässt sich dadurch verringern. Aktuell setzen in Österreich 21 Pilotbetriebe aus acht verschiedenen Branchen (siehe Kasten) das „Fit für die Zukunft“-Programm um.

Standardisierte Befragungen

Zunächst wird mittels standardisierter Analyse der Status zur Arbeitsfähigkeit erhoben. Durch den Fragebogen mit dem Titel „Arbeitsbewältigungsindex Plus TM“ (ABI Plus) werden die Bereiche Gesundheit, Einstellungen und Kompetenzen und Fertigkeiten untersucht. Der ABI Plus kommt in den teilnehmenden Betrieben dreimal zum Einsatz, pro Durchlauf werden bis zu 12.000 Mitarbeitern Fragen zu folgenden Bereichen gestellt: Unterstützt die Arbeitsorganisation Ihre Arbeitsfähigkeit? Haben Sie gesundheitliche Probleme? Wo liegen Ihre persönlichen Stärken? Werden Sie ausreichend für Ihre Tätigkeiten qualifiziert und unterstützt? Können Sie Ihre Werte in der Arbeit leben? Wie ist Ihr Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten? Die Befragung ist anonym und erfolgte in den meisten Pilotbetrieben bis Juni 2009.

Auf die Erstanalyse folgt die etwa ein Jahr in Anspruch nehmende Umsetzung, wo Arbeitsexperten in Kooperation mit der Projektsteuerungsgruppe im jeweiligen Unternehmen Maßnahmen zu Wiederherstellung, dem Erhalt oder der Förderung von produktiver Arbeit entwickeln. Maßnahmen wie z. B. Arbeitsbewältigungscoaching oder Ergonomietrainings sollen die Mitarbeiter unterstützen, leistungsfähiger in ihrem Arbeitsumfeld sein zu können sowie psychische und physische Gesundheit so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Maßnahmen-Implementierung wird bis Juni 2010 erfolgen, als nächster Schritt ist eine Evaluierung bis Ende 2010 vorgesehen.

Kein „Schonprogramm“

Projektleiterin Dr. Irene Kloimüller zu Anspruch und Ziel von „Fit für die Zukunft“: „Aktives und ganzheitliches Gesundheits- und Arbeitsfähigkeitsmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Führungskräfte in den Betrieben sind gefordert, dass es ihren Beschäftigten gut geht. Das Projekt ist aber alles andere als ein ‚Schongang’ für Mitarbeiter höheren Alters, sondern zeigt auf, wie es durch altersgerechten Einsatz der Potenziale möglich ist, optimale Arbeitsfähigkeit über eine lange Erwerbsdauer zu erhalten.“

Die teilnehmenden Unternehmen haben sich freiwillig zu einer Programmdauer von vier Jahren verpflichtet. Nach der Evaluierung wird voraussichtlich bis Mitte 2012 ein ausführlicher Abschlussbericht vorgelegt werden.

Kasten:
Teilnehmende Branchen und Betriebe
1. Baubranche: Strabag, Habau inkl. Held und Francke, Hentschläger-Stross, Staudinger
2. Handel: H & M
3. Eisen- und Metall: Schinnerl, Liebherr, ABO, Julius Blum GmbH, Böhler Edelstahl GmbH & Co KG
4. Beherbergungs- und Gaststättenwesen: Sana GmbH.
5. Reinigung/Entsorgung: Saubermacher
6. Verkehr: Blaguss Reise GmbH.
7. Gesundheit: Humanomed Gruppe, Haus der Barmherzigkeit Gruppe, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern (Vinzenz Gruppe), UKH Salzburg, Rehabzentrum Großgmain, Caritas Socialis, KAGES Stmk.
8. Logistik: Österreichische Post AG / Paketlogistik Österreich (PLÖ) Region Ost

Von Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 36 /2009

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