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Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Vizerektor für Studium und Lehre an der Medizinischen Universität Wien
 
Gesundheitspolitik 1. September 2009

Bologna-Studienarchitektur würde mehr Möglichkeiten für die Medizin-Studierenden eröffnen.

Es gibt einen unterschätzt großen Anteil an Medizinstudentinnen und Medizinstudenten, die nie den Beruf einer Ärztin oder eines Arztes ausüben werden. Wenn ich heute in einer Vorlesung des letzten Studienjahres frage, schließen nicht wenige Medizinstudenten offen und dezidiert aus, jemals ärztlich tätig werden zu wollen.

Ein wichtiger Vorteil der Umsetzung der Bologna-Struktur im medizinischen Bereich wäre, dass nach einem Bachelor-Teil an den Universitäten eine viel größere Vielfalt an Möglichkeiten geboten werden könnte, medizinisch-wissenschaftliches Grundwissen weiterzuentwickeln. Optionen wären zum Beispiel Bereiche wie Public Health oder die biomedizinische Wissenschaft.

Ich glaube nicht, dass durch die Zweiphasigkeit des Studiums, wie die Ärztekammer befürchtet, „Ärzte zweiter Klasse“ entstehen würden. Ein Angebot von gesundheitswissenschaftlichen Studien, die neben dem Berufsbild des (Zahn-)arztes auch auf andere Optionen abstellen, eröffnen viel eher völlig neue Chancen in Bezug auf sinnvolle akademische Spezialisierungen.

Wobei schon auch deutlich zu sagen ist: Diese gesamte Diskussion wird sich sicher noch einige Zeit hinziehen. In Wien überlegen wir momentan, wie in Graz und Innsbruck schon geschehen, die Implementierung eines Praxisjahres – das ist unser aktueller Fokus. Denn die Universitäten müssen ihren Beitrag dazu leisten, dass die Studierenden entsprechend gut auf eine Approbation unmittelbar nach Studienabschluss vorbereitet sind.

Die Umsetzung der Bologna-Architektur wird zudem ganz stark von den finanziellen Mitteln abhängen, die den Universitäten zur Verfügung gestellt werden. Denn eine breitere Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten für den Gesundheitsbereich wird sich sicher nicht kostenneutral realisieren lassen.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Stufenschema beim Studium.

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Mag. Friedrich Faulhammer, Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium: Wer Arzt sein will, muss weiterhin sechs Jahre lang studieren.

Von Dr. Arthur Wechselberger, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer: Neue Studienstruktur wäre Ressourcenverschwendung.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 36 /2009

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