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Foto: Österreichische Ärztekammer
Dr. Arthur Wechselberger, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer
 
Gesundheitspolitik 1. September 2009

Neue Studienstruktur wäre Ressourcenverschwendung.

Das EU-Recht sieht ein einstufiges, sechs Jahre oder zumindest 5.500 Stunden dauerndes theoretisches und praktisches Medizinstudium vor – und genau das gibt es in Österreich. Wir Ärzte fordern die Beibehaltung des einheitlichen und einstufigen Medizinstudiums auf hohem Niveau. Zu befürchten ist, dass Anwärter für ein reguläres Medizinstudium angesichts längerer Wartezeiten ins Ausland abwandern.

Es kann jedenfalls keine Rede von einem „dringenden Handlungsbedarf“ sein. Dieser besteht wesentlich brennender für andere Felder wie etwa die Umsetzung der Pläne für den Facharzt für Allgemeinmedizin. Schon über zwei Jahre lang ist Österreich außerdem bei der Klärung der Frage des Zeitpunktes der Approbation säumig – auch hier gäbe es viel zu tun, ebenso mit Auswirkungen auf die Studienstruktur. Möglich wäre die Einführung eines praktischen Jahrs im sechsten Studienjahr, das etwa mit dem Gerichtsjahr beim Jusstudium vergleichbar wäre und noch mehr Praxisnähe bringen würde.

Seit 2002 wird ein völlig neues Curriculum für die Medizinstudenten umgesetzt, das deutlich mehr Praxisnähe bringt. Auch darum ist eine erneute Veränderung der gesamten Struktur zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht angezeigt. Noch dazu, wo ohnehin die Möglichkeit geschaffen wurde, durch ein wissenschaftlich orientiertes Zusatzstudium den Titel PhD zu erwerben.

Wie die deutsche Ärztekammer sehen auch wir durch die geplante Neuregelung Nachteile auf uns zukommen: Die Ressourcen an den Medizinuniversitäten sind ohnehin schon äußerst knapp, die leider viel zu wenig ernst genommene Problematik eines drohenden Ärztemangels würde sich durch das Bachelor-Studium der Medizin nur noch verstärken. Es würde zudem eine neue Berufsgruppe entstehen, für die es keinerlei Bedarf gibt – ein Bachelor-Abschluss führt zu keinerlei Berufsberechtigung. Es gibt also keinen Grund, hier Mittel zu verschwenden.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Stufenschema beim Studium.

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Mag. Friedrich Faulhammer, Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium: Wer Arzt sein will, muss weiterhin sechs Jahre lang studieren.

Von Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Vizerektor für Studium und Lehre an der Medizinischen Universität Wien: Bologna-Studienarchitektur würde mehr Möglichkeiten für die Medizin-Studierenden eröffnen.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 36 /2009

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