zur Navigation zum Inhalt
Foto: Buenos Dias/photos.com
Angehende Ärzte werden weiterhin lange studieren müssen, um praktizieren zu dürfen. Medizin-Bachelors könnten in anderen Medizinbereichen arbeiten.
 
Gesundheitspolitik 1. September 2009

Stufenschema beim Studium

Ärzte halten nichts vom Medizin-Bachelor.

Mit einer bereits beschlossenen Novelle des Universitätsgesetzes könnte sich auch die Struktur des Medizinstudiums massiv verändern.

In Zukunft soll auch das österreichische Medizinstudium aus einem Bakkalaureat- und einem Masterteil bestehen, entsprechend dem Bologna-Prozess. Dessen Ziel ist, einen europäischen Hochschulraum mit vergleichbaren Abschlüssen auf unterschiedlichen Niveaustufen (Bachelor, Master, Doktorat) zu schaffen, um die Mobilität der Studierenden innerhalb Europas zu fördern.

Die Fortschritte des Bologna-Prozesses sind in Europa sehr unterschiedlich weit gediehen. Beim Medizinstudium ist er bereits in Belgien, Dänemark, Island, den Niederlanden, Portugal, der Schweiz und Armenien umgesetzt. Bosnien-Herzegowina, Tschechien, Finnland und Schweden überlassen die Entscheidung hingegen den jeweiligen Medizinuniversitäten.

Massive Kritik an den aktuellen Plänen im österreichischen Medizinbereich kommt sowohl von der Ärzteschaft als auch von den medizinischen Studentenvertretungen. Vergleichbare Debatten gibt es aber auch bei den heimischen Apothekern, die sich gegen die Einführung des Pharmazie-Bachelors wehren, ebenso wie bei den Juristen.

Die Medizinstudenten befürchten das Entstehen eines Zwei-Klassen-Systems, die Ärztekammer verweist auf einige europäische Staaten, in denen die Einführung des zweiphasigen Medizinstudiums sogar ausdrücklich gesetzlich untersagt sei.

Die grundlegende Frage ist, inwieweit jemand, der oder die weniger als sechs Jahre Medizin studiert hat, im Gesundheitsbereich tätig werden darf.

Die medizinischen Universitäten hingegen sehen in der Zweistufigkeit neue Chancen, medizinisches Grundwissen zu vermitteln und darauf andere Inhalte, etwa der Gesundheitswissenschaft, aufzusetzen.

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Mag. Friedrich Faulhammer, Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium: Wer Arzt sein will, muss weiterhin sechs Jahre lang studieren.

Von Dr. Arthur Wechselberger, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer: Neue Studienstruktur wäre Ressourcenverschwendung.

Von Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Vizerektor für Studium und Lehre an der Medizinischen Universität Wien: Bologna-Studienarchitektur würde mehr Möglichkeiten für die Medizin-Studierenden eröffnen.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 36 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben