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Foto: Buenos Dias/photos.com
Für Kinderspielzeug gelten besondere Qualitätsansprüche. Trotzdem erlaubt die EU bedenkliche Inhaltsstoffe von bis zu 0,1 Prozent.
Foto: www.bmgfj.gv.at

Alois Stöger Gesundheitsminister

 
Gesundheitspolitik 25. August 2009

Enttäuschung über neue EU-Spielzeugrichtlinie

Einige Grenzwerte wurden sogar erhöht.

Österreich und Deutschland setzten sich für wesentlich strengere Richtlinien für die Inhaltsstoffe von Spielzeug ein – aber leider nur mit sehr mäßigem Erfolg.

 

Schon im Dezember 2008 wurde vom Europäischen Parlament eine neue Richtlinie „zur chemischen Sicherheit von Spielzeug“ erlassen, die nun schrittweise von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss. Dazu gibt es allerdings in einigen Punkten mitunter heftige Kritik und die Forderung nach Nachbesserung.

Vor allem bei kanzerogenen, mutagenen und reproduktionsgefährdenden Stoffen (CMR), bei allergenen Duftstoffen und verschiedenen Schwermetallen hatte auch Österreich eine Verbesserung zum geltenden Recht verlangt, sich aber nicht durchgesetzt. Einige Grenzwerte wurden sogar erhöht sowie relativ laxe Mengen an nachweisbaren Restgehalten festgehalten – noch dazu verknüpft mit einer Übergangsphase von vier Jahren. Die CMR-Stoffe wurden zwar generell verboten, sie dürfen in Spielzeug aber weiterhin in Mengen von bis zu 0,1 Prozent (1 g/kg Spielzeugmaterial) enthalten sein. „Dem gesundheitlichen Verbraucherschutz für Kinder genügt dies nicht“, kritisiert auch Prof. DDr. Andreas Hensel, Präsident des renommierten deutschen Instituts für Risikobewertung. Besonders kritisch sei die Neuregelung in Bezug auf Materialien zu sehen, die Kinder abknabbern und verschlucken können. Die Richtlinie lässt zu, dass Kinder künftig deutlich größere Mengen an Blei, Quecksilber, Arsen, Antimon und Barium aus Spielzeug aufnehmen können als bisher.

Bislang durften sich maximal 90 Milligramm Blei pro Kilogramm Spielzeug lösen, der künftige Grenzwert ist bei 160 mg/kg angesetzt. Der bisher gültige Wert von 1.000 Milligramm Barium pro Kilogramm Spielzeug wurde sogar auf 56.000 mg/kg erhöht. Hensel: „Bei Blei ist dies besonders kritisch, denn das Schwermetall kann das Nervensystem schädigen und beeinflusst auch in kleinsten Mengen die Intelligenzentwicklung von Kindern nachgewiesenermaßen negativ.“

Die Entwicklung von Allergien könne nur verhindert werden, wenn der Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen in allen Lebensbereichen so weit wie möglich reduziert wird. „Die neue Spielzeugrichtlinie enthält zwar eine Liste von 55 verbotenen allergenen Substanzen. De facto wird dieses Verwendungsverbot durch die Einführung eines Grenzwertes von 0,01 Prozent (100 ppm) für zulässige Spurengehalte aber zum Teil wieder aufgehoben“, sagt Hensel. Außerdem wäre die Festsetzung eines Grenzwerts für Nickel wichtig gewesen, was aber nicht erfolgt ist.

Positiv bewertet werden von Hensel die neuen Höchstwerte von Nitrosaminen und nitrosierbaren Stoffen – allerdings müssten diese für Kinder unter 36 Monaten, die Spielzeug viel länger in den Mund stecken, deutlich gesenkt werden.

Zwei Jahre für die Umsetzung

Ebenso wenig Erfolg hatte Österreich bei der Forderung nach einer unabhängigen Prüfung von Spielzeug durch Drittstellen und bei jener nach einem generell höheren Sicherheitsstandard. Die Kontrolle setzt meist erst dann ein, wenn ein Produkt bereits am Markt ist. Viel zu spät, nicht nur aus der Sicht von Gesundheitsminister Diplomé Alois Stöger, der sich von der aktuellen Beschlusslage „sehr enttäuscht“ zeigte.

In Österreich wird die Sicherheit von Spielzeug im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz behandelt – es ist nun zwei Jahre Zeit, die EU-Vorgaben umzusetzen. Nationalen Umsetzungsspielraum gibt es dabei kaum. Damit könnte es auch hierzulande insgesamt zu einer Verschlechterung der Situation kommen. Ein Ausgangspunkt für die neue Richtlinie war ja die stark zunehmende Zahl von gesundheitsbedenklichem Spielzeug, das in vielen Fällen aus Ländern wie China stammt. Die Befürchtung ist: Mit den neuen Regelungen werde keine wirklich brauchbare Handhabe geschaffen, vielmehr würden nun auch in Europa die Standards insgesamt wieder gesenkt. Der Grundsatz, dass in Verkehr befindliches Spielzeug sicher sein muss, blieb freilich auch in der neuen Richtlinie erhalten – auf diese Generalklausel will sich Stöger nun bei der Umsetzung der Richtlinie berufen.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 35 /2009

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