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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel, ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 20. August 2009

News aus Brüssel

EU verstärkt Maßnahmen gegen Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen.

Mehr als sieben Millionen Menschen in Europa leiden an Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen, und laut einer Untersuchung der EU wird sich diese Zahl in den kommenden 20 Jahren noch verdoppeln. Und geht man davon aus, dass in jeder Familie, in der ein Mitglied an Alzheimer erkrankt ist, durchschnittlich drei Personen mit dieser Belastung direkt konfrontiert sind, bedeutet dies, dass schätzungsweise 19 Millionen Europäer unmittelbar durch Demenz belastet werden. Die finanziellen Folgen sind beträchtlich: Im Jahr 2005 erreichten die Kosten bei Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen einen geschätzten Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro, das entspricht 21.000 Euro pro Patient. Ebenfalls beunruhigend ist die Tatsache, dass die Alzheimer-Krankheit in der EU weiterhin unterdiagnostiziert und derzeit nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen erkannt wird, wie eine Mitteilung der Kommission zur „Europäischen Initiative zur Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzerkrankungen“ betont.

Vier Zielrichtungen

Ein gemeinschaftliches Vorgehen der EU-Länder soll vor allem vier Hauptprobleme angehen: Erstens mangelt es in der EU am Bewusstsein für die Bedeutung einer Prävention und frühzeitigen Behandlung der Demenz, zweitens werden ein besseres Verständnis der Krankheiten, neuere epidemiologische Daten und damit auch eine bessere Forschungskoordinierung benötigt, drittens wird derzeit das vorhandene Wissen über bewährte Verfahren in Bezug auf die Diagnose, Behandlung und auch Finanzierung der Therapien nicht ausreichend EU-weit ausgetauscht, und viertens wird den Rechten von Patienten zu wenig Beachtung geschenkt; damit verbunden ist oftmals auch eine Stigmatisierung in Zusammenhang mit Demenzen, die ebenfalls bekämpft werden muss. Die Europäische Kommission hat daher am 22. Juli konkrete Vorschläge zur Bekämpfung von Alzheimer, (vaskulärer) Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen verabschiedet. Entsprechend den oben angeführten Themen wurden vier Hauptbereiche für die Maßnahmen erwählt:

  • Früherkennung von Demenzerkrankungen und vor allem Verringerung des Risikos für Demenzerkrankungen
  • Verbesserung der Forschungskoordinierung zwischen EU-Ländern
  • Austausch der besten Praktiken und
  • Einrichtung eines Forums für Überlegungen zu Rechten, Selbständigkeit und Würde der Patienten.

Alternde Bevölkerung

20 europäische Länder haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, Ressourcen zu bündeln und Forschungsarbeiten gemeinsam durchzuführen. Der EU-Wissenschafts- und Forschungskommissar Janez Potocˇnik sieht darin eine „Antwort auf eine der großen Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft“, und EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou kommentiert: „Der Verlust geistiger Fähigkeiten durch Demenz ist mehr als nur eine normale Begleiterscheinung des Alterns. Und da die europäische Bevölkerung insgesamt altert, müssen wir zusammenarbeiten, um diese Phänomene besser zu verstehen und zu bekämpfen. Den Demenzkranken ist jedenfalls unsere Solidarität zu zeigen.“

 

 Mitteilung der Kommission zu Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen:

http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/diseases/alzheimer_de.htm

EU-Gesundheitsstrategie – Gemeinsam für die Gesundheit:

http://ec.europa.eu/health/ph_overview/strategy/health_strategy_de.htm

Website „Europa für Patienten“:

http://ec.europa.eu/health-eu/europe_for_patients/index_de.htm

„Dementia Yearbook 2008“ (auf Englisch):

http://ec.europa.eu/health/ph_information/reporting/docs/2008_dementiayearbook_en.pdf

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