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Gesundheitspolitik 20. August 2009

AIDS wird zu wenig ernst genommen

Zahl der HIV-Neuinfektionen hat sich auf hohem Niveau eingependelt.

Die Nachricht eines positiven HIV-Befunds wird nach wie vor von den Betroffenen als massiver Schock erlebt. Vorher ist aber oft Sorglosigkeit angesagt …

 

„Pro Jahr gibt es zwischen 500 und 550 Neuinfektionen, vor der Jahrtausendwende waren es noch etwa um die 300“, erzählt DSA Maritta Teufl-Bruckbauer, Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Salzburg. Und es werden rund eine Million HIV-Tests jährlich durchgeführt – nach wie vor wird die Infektion aber bei über einem Drittel der Patienten erst in einem sehr späten Stadium festgestellt.

Es dauert zwischen acht und zehn Jahre, bis die Krankheit zum Ausbruch kommt. Wer regelmäßige Untersuchungen macht, kann den Zeitpunkt gut voraussehen und frühzeitig mit therapeutischen Maßnahmen beginnen. „Was viel zu wenig im Bewusstsein der Bevölkerung ist: AIDS ist trotz allen medizinischen Fortschritts eine chronische Krankheit, die regelmäßige Besuche beim niedergelassenen Arzt und in spezialisierten Zentren erfordert.“

Probleme im Job

Als massives Problem komme die gesellschaftliche Diskriminierung hinzu, wenn die Infektion publik wird. Teufl-Bruckbauer verweist auf einen Diskriminierungsreport, den die österreichischen AIDS-Hilfen im Vorjahr publizierten. Demnach kann es zu großen Problemen am Arbeitsplatz kommen. Auch im medizinischen Bereich würden Menschen, die HIV-positiv sind, oft unfreundlich, wenn nicht gar mit Verachtung behandelt. Bei einer Umfrage in Oberösterreich erklärte sich nicht einmal ein Viertel der Zahnärzte bereit, Patienten mit einer HIV-Infektion zu behandeln. Die Kranken würden zudem oft bei Operationen oder medizinischen Eingriffen wie Gastroskopie und Bronchoskopie an die letzte Stelle gereiht. Zwei Erfahrungsberichte dokumentieren das: In einem Physikalischen Institut wird die HIV-Infektion in den Unterlagen hervorgehoben, Massagen werden nur mit Handschuhen durchgeführt. Bei einem Patienten findet sich sein HIV-Befund sowohl am Armband als auch an der Zimmertür … „Das Bewusstsein, dass Menschen mit HIV oder AIDS unter den standardisierten medizinischen und hygienischen Bedingungen kein Risiko darstellen, muss verankert und umgesetzt werden“, heißt es dazu im Diskriminierungsreport. Außerdem könne oft keine Rede von einer „eingehenden persönlichen Aufklärung und Beratung“ im Zuge der Mitteilung eines positiven Befundes sein, wie es das Gesetz eigentlich vorschreibt.

Wer denkt noch an AIDS?

„Leider gibt es auch bei Handelnden im Gesundheitswesen wenig Bewusstsein für AIDS. So haben manche oft lange Diagnose- und Betreuungsversuche hinter sich, bis endlich an die Möglichkeit gedacht wird, einen HIV-Test zu machen“, bedauert Teufl-Bruckbauer.

Große Kampagnen zum Thema AIDS gibt es schon länger nicht mehr, „auch wird es immer schwieriger, Mittel für die Arbeit der AIDS-Hilfe zu bekommen, Aufklärungsarbeit ist nur noch mithilfe von Sponsoren durchführbar.“ Dabei verursacht die Betreuung von Menschen mit HIV-Infektion hohe Kosten zwischen 500.000 und 600.000 Euro pro Patient.

Was auch wenig bekannt ist: Mit dem deutlichen Sinken der Verkaufszahlen bei Kondomen steigt die Zahl der diagnostizierten sexuell übertragbaren Krankheiten. Im Jahr 2008 wurden 551 Syphilis-Fälle gemeldet, mit steigender Tendenz. Ein Thema, dem sich auch die Österreichische Gesellschaft der Schulärzte angenommen hat. „Es muss bei den Jugendlichen im schulischen und außerschulischen Kontext angesetzt werden, sowie in sozialen Bereichen, in denen ständiger Partnerwechsel oder Homosexualität starke Themen sind“, betont Teufl-Bruckbauer.

 

 www.aidshilfen.at

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 30 /2009

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