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Foto: Archiv
Monika Maier Sprecherin der Arge Selbsthilfe Österreich
 
Gesundheitspolitik 20. August 2009

Weniger Visiten heißt auch eher volle Wartezimmer.

Hausbesuche sind ein wichtiger Teil der ärztlichen Tätigkeit. Was manchen nicht bewusst ist oder teilweise leider zuwenig erfolgt: Sie sind auch eine wichtige Rückendeckung für pflegende Angehörige, die oft viele Ängste und Unsicherheiten haben. Durch die Unterstützung des Arztes gemeinsam mit mobilen pflegerischen und sozialen Diensten kann es Patienten oft ermöglicht werden, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben. Außerdem geht es auch darum, Überforderungen von Angehörigen zu sehen und rechtzeitig zu erkennen. Visiten sind zudem ein wesentlicher Aspekt, um die Person in ihrer Ganzheit wahrzunehmen, auch in ihrer psychosozialen Dimension – da gehören eben Einblicke in das Lebensumfeld dazu.

Es stimmt: Auch Menschen mit chronischen Krankheiten sind mobiler als früher, fahren öfters selber zum Arzt. Das bringt auch ein Stück mehr an Selbstständigkeit. Weniger Visiten bedeuten in vielen Regionen aber gleichzeitig vollere Wartezimmer und damit auch längere Wartezeiten. Der Trend zur sinkenden Visitenhäufigkeit müsste eigentlich zur Folge haben, dass die Ordinationszeiten ausgeweitet werden. Dazu ein Beispiel: Das Programm „Therapie aktiv“ zu Diabetes wird zum Teil auch deswegen schlecht angenommen, weil Beratungen und Behandlungen vorwiegend am Vormittag stattfinden. Der Druck des Arbeitsmarkts ist auf Menschen mit chronischen Krankheiten besonders hoch – sie wollen und können nicht so oft am Arbeitsplatz fehlen. Als Lösung sind Schwerpunktangebote am Abend denkbar, und es könnte ein Angebot für pflegende Angehörige einmal im Monat geben. Beides sind Ausgangspunkte für die Tätigkeit lokaler Selbsthilfegruppen, weil damit die Vernetzung mit Personen in vergleichbaren Lebenssituationen aktiv gefördert wird.

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