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Foto: Archiv
Dr. Jörg Pruckner Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte auf Österreichebene
 
Gesundheitspolitik 20. August 2009

Dringender Handlungsbedarf bei Hauskrankenpflege.

Auch ältere Menschen sind heute zunehmend mobil und kommen selbständig in die Ordinationen. Es stimmt, dass sich dadurch die Wartezeiten verlängern. Den Hauptgrund dafür sehe ich allerdings darin, dass wir viele Tätigkeiten im präklinischen Bereich leisten und die Medizin insgesamt anspruchsvoller und komplizierter geworden ist. Um einen MRT-Befund zu erklären, braucht es einfach mehr Zeit. Dazu kommen die vielen Fragen der Patienten – diese informieren sich immer öfter zuerst im Internet und kommen dann mit vielen Halbwahrheiten und falschen Informationen. Gleichzeitig steigt auch die Erwartung, dass gegebene Medikamente möglichst sofort wirken – höhere Mobilität heißt auch, dass die Patienten häufiger die Ordination aufsuchen, bis sich der erhoffte Erfolg zeigt.

Ich glaube nicht, dass Hausärzte nun plötzlich mehr Freizeit haben, denn die administrativen Anforderungen an sie werden immer höher. Dazu kommen Disease-Management-Programme wie „Therapie aktiv“ (Diabetes) oder in der Steiermark „herz.leben“ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ebensoviel Zeit in Anspruch nehmen.

Generell sind Visiten auch eher zu schlecht bezahlt. Vor allem deswegen, da die einzelnen Visiten immer zeitaufwändiger werden. Schließlich geht es dabei um vielfältige Themen, die auch teilweise stark in den sozialen Bereich hineinreichen oder zusätzliche organisatorische Aufgaben mit sich bringen.

Wo sich sicher etwas ändern muss, ist der Bereich der Hauskrankenpflege: Einerseits ist es wichtig, als Arzt auch Einblicke in das Wohnumfeld eines Patienten zu haben. Zum anderen bräuchte es eine viel bessere Koordination mit dem Pflegebereich sowie anderen mobilen sozialen Diensten und Therapieangeboten. Leider gibt es hier nach wie vor keine vertraglichen Vereinbarungen, und die Bezahlung ist sehr uneinheitlich und eigentlich für alle unbefriedigend.

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