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Foto: Privat
Dr. Gustav Kamenski Leiter des Karl Landsteiner Institutes für Systematik in der Allgemeinmedizin
 
Gesundheitspolitik 20. August 2009

Hausbesuche bleiben wichtig.

Das Verhältnis von Hausbesuchen zu Sprechstundenfällen hat sich in Österreich von vier zu fünf in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf etwa gegenwärtig eins zu 15 bis 20 verändert. In Niederösterreich und Bundesländern wie der Steiermark hat das mit dem verbesserten Angebot an organisierten Bereitschaftsdiensten ab 19 Uhr zu tun. Ein weiterer Grund ist die deutlich erhöhte Mobilität – so werden oft Notfallpatienten gleich in die Spitalsambulanzen gebracht, obwohl das nicht immer sinnvoll und angebracht ist.

Hausbesuche sind grundsätzlich ein wesentliches Instrument der Tätigkeit von Allgemeinärzten, vor allem im Hinblick auf die Versorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten oder Pflegebedarf. Regelmäßige Visiten können zur Vermeidung von Einweisungen ins Krankenhaus beitragen, sie dienen aber auch dazu, diese zeitgerecht zu planen und ihre Durchführung zu koordinieren.

Andererseits sind manche Untersuchungen besser im Setting einer personell und strukturell gut ausgestatteten Arztordination möglich. So kann ich etwa die Wirkung von Infusionen besser beobachten. Eine ungenügende Beleuchtung in einer Wohnung kann unter Umständen dazu führen, dass z. B. diskrete Exantheme oder eine anämische oder subikterische Hautfarbe übersehen werden – ein zu wenig geheizter Raum macht zudem viele Untersuchungen schwierig oder sogar unmöglich.

Immer mehr Patienten werden von Mitarbeitern mobiler Hilfsdienste in die Ordination gebracht, wodurch die Belastung für die pflegenden Angehörigen in dieser Hinsicht vermindert wird.

So gewinnt die Kooperation mit mobilen pflegerischen, therapeutischen und sozialen Diensten zunehmend an Bedeutung, die regelmäßige Kommunikation mit diesen Organisationen ist deshalb sehr wichtig. Völlig ersetzbar sind die Hausbesuche des Arztes jedoch dadurch nicht.

Dass Angehörige über einen längeren Zeitraum lediglich die Medikamentenrezepte für Patienten abholen, ohne dass ich den Patienten selbst untersuche, sollte durch interne Alarmsysteme bei der Abgabe von Medikamenten oder beim Ausstellen von Verordnungen verhindert werden. Weniger Visiten bedeuten aber auch einen höheren Patientenstrom in die Praxis und damit eher volle Wartezimmer.

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