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Foto: MSW
Dr. Dan Seidler Facharzt für Innere Medizin, Wien
 
Gesundheitspolitik 14. Juli 2009

Patientendaten: Eine Frage der Sensibilität

Briefpapier verursachte Irritationen bei Teilnehmern eines Disease- Managementprogramms.

Eigentlich war der 25. Februar ein Tag wie jeder andere im österreichischen Gesundheitswesen: Die Kassen bereiteten sich auf die ersten Gespräche zum Kassensanierungsprogramm vor, in Kärnten beschäftigte sich ein Journalist mit den Schulden des Spitalsbetreibers Kabeg in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Und in den Büros der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien entstand ein Brief mit speziellem Inhalt …

 

Auf WU-Briefpapier gedruckt hieß es (auszugsweise):

„Sehr geehrter Herr Mustermann! Sie sind Diabetiker und nehmen bereits am Programm ‚Therapie aktiv – Diabetes im Griff’ teil. Das Programm ‚Therapie aktiv’ trägt zur Erhaltung und Verbesserung Ihrer Gesundheit bei: wir möchten es aber für Sie noch verbessern ... Daher ist es wichtig, dass wir Ihre Wünsche und Meinungen zu diesem Thema kennen ... Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Wirtschaftsuniversität Wien wurde ein Fragebogen erstellt, der dazu dient, Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die zur Verbesserung der Angebote Ihrer Sozialversicherung … beitragen ... Die Umfrage wird anonym behandelt und im Rahmen der Diplomarbeit ausgewertet, um wertvolle Impulse für das österreichische Gesundheitswesen gewinnen zu können …“

Unglückliche Optik

Wer sich mit Datenschutz beschäftigt, dem könnte die Verbindung Krankenkasse-Wirtschaftsuni seltsam vorkommen. Wie kam die Universität zu den Daten aus dem Kassenprogramm „Therapie aktiv“? Sie kam gar nicht dazu, erklärt Dr. Leo Chini, Professor an der WU und Betreuer der Diplomarbeit. Die WU stellte der Kasse lediglich das Briefpapier zur Verfügung, die Kasse bedruckte es mit den Namen der Versicherten – und ab die Post. Für die Adressaten war dieser Vorgang jedoch nicht ersichtlich. Sie sahen ihren Namen auf dem Briefpapier der Wirtschaftsuniversität. Mehrere Patienten waren darüber sehr irritiert.

Einer der Adressaten (sein Name bleibt aus Datenschutzgründen ungenannt) wandte sich – empört über die Vorgehensweise – an die Ärzte Woche-Redaktion. Begründung: Er vermute eine Verletzung des Datenschutzrechts. Auf seine Anfrage wurde dies jedoch von der Krankenkasse zurückgewiesen. Eine Mitarbeiterin der Ärzte Woche fragte nach und erhielt von Karin Eger, bei der WGKK verantwortlich für die Abteilung Gesundheitspolitik und Prävention, folgende Stellungnahme: „Die Wiener Gebietskrankenkasse hat keine Datenschutzrechtsverletzung begangen, die Personen wurden direkt von uns angeschrieben.“

Unterschiedliche Wahrnehmung

Der Arzt des verärgerten Patienten, Dr. Dan Seidler, hält die Sache von der Krankenkasse für unglücklich gelöst: „Das Kernproblem ist: Die Sensibilität im Umgang mit Daten ist nicht vorhanden. Es ist nicht wahrgenommen worden, was das für Patienten heißt. Beispielsweise ist einer meiner Patienten Pilot, der Privatflüge anbietet und um sein Geschäft gezittert hat.“

Um bei den angeschriebenen Patienten – absolut verständliche – Irritationen von vornherein zu vermeiden, hätte Kasse oder Universität die Teilnehmer des Disease-Management-Programms darauf hinweisen können, wie die Verantwortlichen mit den Daten umgehen – dass sie nämlich die Archive der Sozialversicherung nicht verlassen. „In der Darstellung der Kasse war es keine Datenschutzverletzung“, sagt Seidler, „in der Wahrnehmung der Patienten schon.“

Von Bettina Benesch, Ärzte Woche 28 /2009

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