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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel und ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 27. Juni 2009

News aus Brüssel

Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der EU: gut – aber noch verbesserungsfähig.

Seit 1980 ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind vor dem fünften Lebensjahr stirbt, um zwei Drittel gesunken – von damals 1,5 Prozent auf heute weniger als 0,5 Prozent, und allgemein sind die Krankheitsraten besser als noch vor 25 Jahren. Andrerseits stirbt jede halbe Stunde ein junger Mensch zwischen 15 und 24 Jahren an einer Verletzung, das sind rein statistisch gesehen doppelt so viele junge Menschen, die an Verletzungen sterben, wie an allen anderen Todesursachen zusammen (Krebs, Krankheiten des kardiovaskulären, respiratorischen und Nervensystems). Zwei Drittel der fatalen Verletzungen junger Leute (etwa 13.500 pro Jahr) sind auf Unfälle im Verkehr oder am Arbeitsplatz, auf Vergiftungen, Ertrinken und Stürze zurückzuführen. Es gibt aber auch beunruhigende Trends, dass zu viele junge Menschen Lebensstile annehmen, die einem gesunden und produktiven Leben eher abträglich sind: Bis zu 30 Prozent der Buben und 36 Prozent der Mädchen im Alter von 15 Jahren rauchen mindestens einmal pro Woche und jeweils 39 und 51 Prozent der 15-jährigen Mädchen und Buben trinken zumindest einmal pro Woche Alkohol (der Geschlechterunterschied verkleinert sich, wenn Trunkenheit zwei- oder mehrmals pro Woche erfragt wird, dann sind es 56 und 59 Prozent). Und jeweils zwischen 28 Prozent und 32 Prozent der 15-jährigen Mädchen und Buben geben an, übergewichtig oder adipös zu sein.

Es ist daher ein Priorität der Europäischen Kommission, die Gesundheit von jungen Menschen zu verbessern. Bereits im Oktober 2007 wurde eine neue „Gesundheitsstrategie 2008 – 2013“ angenommen, mit einem Fokus auf die Förderung eines gesunden Lebensstils vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Beispiele für diesen neuen Ansatz sind ein Dokumentationszentrum im Rahmen des Europäischen Alkohol und Gesundheitsforums, das Aktivitäten und Projekte der „good practice“ vernetzen soll; zusätzlich ist ein „Alcohol Policy Youth Network“ geplant. In Bezug auf Nikotinabhängigkeit wurde die HELP-Kampagne gestartet (siehe Ärzte Woche Ausgabe 24), und hinsichtlich mentaler Gesundheit findet im September 2009 die Konferenz „Mentale Gesundheit von Kindern und jungen Menschen“ während der schwedischen Präsidentschaft statt.

„Wir können darauf aufbauen, was bereits mit Jugendorganisationen erreicht wurde, speziell in den Bereichen Raucher-Prävention, Alkohol oder sexuelle Gesundheit und AIDS“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou, „doch in einigen Bereichen sollten wir etwas mehr Ehrgeiz zeigen – beispielsweise müssen wir verstärkt Migranten und Minderheiten in die Debatte einbinden und mehr Augenmerk auf die Tatsache lenken, dass Kinder ärmerer Eltern durchgehend schlechtere Gesundheitsdaten aufweisen. Was sich übrigens ins Erwachsenenalter durchzieht, denn Erwachsene, die als Kinder arm waren, haben eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, frühzeitig an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben, und sie weisen höhere Krebs- und Diabetesraten auf.“ Im Juli widmet sich eine hochrangige Konferenz über Jugend und Gesundheit diesen Fragen, mit dem Ziel, neue und wirksame Aktionen sowohl auf Landes- als auch auf EU-Ebene durchzusetzen, um die Gesundheit junger Menschen zu verbessern.

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