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Gesundheitspolitik 27. Juni 2009

Wie bitte?

Hörprobleme beginnen immer öfter schon in jungen Jahren. Deshalb steigt die Anzahl der Schwerhörigen ebenso wie die Probleme für deren Versorgung.

Es gibt in Österreich zu wenige Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung sowie Möglichkeiten der unabhängigen Beratung für Betroffene.

„Die Zahl der mit Hörbeeinträchtigungen in Österreich auf etwa 1,5 Millionen Betroffene geschätzt werden“, so Mag. Harald Tamegger, Generalsekretär des Österreichischen Schwerhörigenbundes ÖSB. Hörschäden treten immer früher auf. Er verweist auf aktuelle europäische Zahlen über Hörschädigungen, die oft auf das akustische Freizeitvergnügen wie MP3-Player, Discos oder Rockkonzerte zurückzuführen sind. „Dem Ohr werden keine Erholungsphasen gegönnt. Präventionsmaßnahmen wären hier sehr wichtig.“ Es vergehen bis zu zehn Jahre, bevor Betroffene die Beeinträchtigung merken und sich erstmals intensiver mit dem Hörverlust befasst.

Zu spät oder nicht erkannte Schwerhörigkeit würde aufgrund steigender Zahlen Betroffener künftig erhöhte volkswirtschaftliche Kosten verursachen, beispielsweise durch Arbeitsplatzverlust. Ganz abgesehen von den recht massiven Einschränkungen im sozialen Leben für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.

Die Akzeptanz von Hörgeräten ist für viele Betroffenen oft schwierig, weil mit diesen Umgebungsgeräusche verstärkt wahrnehmbar werden, die durch den Hörschaden vom Gehirn zunächst als „Lärm“ interpretiert werden. „Der Zugang zum Hören mit Hörsystemen ist sehr unbedarft – es gibt wenig Wissen und Bewusstsein und wenige Möglichkeiten zur neutralen Information“.

Mangel an Beratungsstellen

Tamegger verweist darauf, dass es in Österreich nur vier geförderte Schwerhörigenberatungsstellen gibt. Finanziert werden diese u. a. von den regionalen Büros des Bundessozialamtes. „Allein in Wien besteht die Zielgruppe aus etwa 350.000 Personen. Wir können im Jahr 700 Beratungen anbieten, nötig wären viel mehr, vor allem auch für Prävention und Früherkennung“, betont Tamegger. Diese Anlaufstellen für Personen mit Hörproblemen bieten umfassende Beratung über die schier unüberschaubare Vielfalt von Hörgeräten an. „Wir unterstützen Klientinnen und Klienten bei Behördenwegen, beim Weg zum Feststellungsbescheid und vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen. Ziele unser Arbeit sind die berufliche und soziale Integration sowie die Verbesserung der individuellen Lebensqualität.“

In jedem Bundesland sollte es nach Tameggers Vorstellung eine solche Stelle mit gesicherter Finanzierung geben. „Anders als in skandinavischen Ländern ist Barrierefreiheit in Hinblick auf Schwerhörigkeit in Österreich noch viel zu wenig thematisiert“. Problematisch erscheint aus Tameggers Sicht, dass generell zu wenig zwischen Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit differenziert wird. Oft wird auf die Gebärdensprache als Hilfsmittel verwiesen: „So wichtig diese ist, hat sie für Schwerhörige keine Relevanz, weil es bei diesen um die Optimierung der auditiv verbalen Kommunikation geht.“

Auch der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Prim. Dr. Wolfgang Elsässer, konstatiert Mankos bei der Versorgung: „Viele, die ein Hörgerät brauchen, kommen lange nicht zum Arzt“. Denn sie empfinden Hörgeräte als lästig und als sichtbares Zeichen einer Behinderung. Auch gibt es Ängste vor Diskriminierung.

Nicht zuletzt sind auch die von den Krankenkassen refundierten Beträge eher klein. Die damit erschwinglichen Geräte erfüllen oft nicht den Standard, der optimal wäre. Elsässer: „Die Anpassung eines Hörgeräts darf nicht mit dem Kauf einer Brille verglichen werden. Über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr ist eine kontinuierliche Betreuung notwendig mit regelmäßigen Kontrollen“, sonst, so betont Elsässer, „würde das Gerät schnell in der Schublade landen. Eine unabhängige Beratung, die nicht vom Verkaufsinteresse angetrieben ist, wäre sicher in mehr Regionen wünschenswert.“

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 26 /2009

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