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Gesundheitspolitik 10. Oktober 2008

Dringend gesucht: Medizinphysiker

Medizinphysiker sind für den Bereich der Strahlentherapie gesetzlich vorgeschrieben. Ihre Honorierung ist mittelmäßig, verpflichtende Fortbildungen sollen in der Freizeit absolviert werden.

14 heimische Krankenhäuser haben ein strahlentherapeutisches Angebot. Knapp 70 Medizinphysiker tragen zur fachgerechten Bestrahlung gegen Krebs oder Schmerzen bei. „Gemeinsam mit den behandelnden Radioonkologen legen sie fest, welche Strahlendosis in welchen Zeitintervallen angewendet werden soll. Der Medizinphysiker ist für die exakte Einstellung der Geräte und deren optimale Funktion verantwortlich“, erklärt DI Bernhard Gruy, Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für medizinische Physik (ÖGMP) und Medizinphysiker an der Abteilung Nuklearmedizin und Endokrinologie des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz. Weiters sind Medizinphysiker, neben dem Strahlenschutz, für die Bereiche der Qualitätssicherung und Konstanzprüfung in der Strahlentherapie verantwortlich.
Ohne Medizinphysiker darf Strahlentherapie laut geltendem heimischem und europäischem Recht nicht durchgeführt werden. Für den ersten Linearbeschleuniger müssen in einem Krankenhaus zwei Physiker angestellt sein sowie je einer für jeden weiteren Linearbeschleuniger. Im Normalfall handelt es sich um Vollzeitstellen.

Herausforderung Ausbildung

Für den Beruf des Medizinphysikers und der -physikerin wird ein absolviertes Physikstudium verlangt. Die akademische Ausbildung allein reicht allerdings als Qualifikation für den Dienst in der Klinik nicht aus, vielmehr muss eine entsprechende Fortbildung und die Fachanerkennung als Medizinphysiker nachgewiesen werden. Bis 2001 reichten entsprechende Kurse nach dem Studium dafür aus. Heute ist eine sechssemestrige postgraduale universitäre Ausbildung verpflichtend vom Gesundheitsministerium vorgeschrieben.
„Laut eines aktuellen Entwurfs einer Novelle zum Strahlenschutzgesetz müssen zudem innerhalb von jeweils fünf Jahren verpflichtend 120 Stunden Fortbildung nachgewiesen werden“, sagt Gruy. „Die Kurse sollen in der Freizeit und teils auf eigene Kosten absolviert werden“, kritisiert Dr. Werner Schmidt von der Radioonkologie im Wiener SMZ-Ost und designierter Präsident der ÖGMP ab 2009.
Das Problem: Selbst lang gediente Medizinphysiker können an diesen Hürden noch scheitern und müssen den Dienst quittieren, wenn sie die neuen, vom Gesundheitsministerium erlassenen Kriterien nicht erfüllen. Erst kürzlich warfen zwei das Handtuch. Wenn von drei Medizinphysikerstellen nur eine besetzt ist, wie zurzeit in einer Krankenanstalt des KAV, bleibt das trotz aller Bemühungen der entsprechenden Abteilung, den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, nicht ohne Folgen.
Neues Personal ist freilich kaum zu finden. Denn zu den hohen Anforderungen bei der Qualifikation für den Beruf des Medizinphysikers gesellt sich das Problem einer vergleichsweise geringen Bezahlung. „Im industriellen Bereich können medizinische Physiker mindestens zweimal so viel verdienen wie in den Spitälern“, sagt Schmidt. „Wir wünschen uns Verbesserungen bei der Bezahlung oder zumindest eine deutliche Förderung bei der Absolvierung von Zusatzqualifikationen.“ Weiters mehr Flexibilität bei der Anerkennung bestehender Qualifikationen, auch wenn diese in anderen Ländern erworben wurden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 41/2008

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