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Gesundheitspolitik 29. September 2008

Schwächen bei der Begleitung in der letzten Lebensphase

Der Umfang und die Qualität der palliativen Betreuung schwerstkranker Menschen sind häufig vom besonderen Engagement Einzelner abhängig.

„Das Recht auf Palliativversorgung im ambulanten Bereich darf nicht nur onkologischen Patienten vorbehalten sein“, sagt Dr. Katharina Pils, Chefärztin des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), und fügt hinzu: „Jeder Mensch müsste auch einen gesetzlich verankerten Anspruch auf eine Palliative Care haben.“ Außerdem dürfe diese einfühlsame und umfassende Form der Betreuung, die das Wohl des Menschen in seiner letzten Lebensphase in den Mittelpunkt stellt, auch nicht nur auf die letzten Lebenstage beschränken. Die Betreuung müsste angeboten werden, sobald klar ist, dass ein Patient unheilbar erkrankt ist. Angehörige sollten dabei ebenso von Beginn an unterstützt werden.
Palliative Betreuung brauche ein Team, das gut miteinander kommuniziert, ist Pils überzeugt: „Der Hausarzt übernimmt als medizinischer Entscheidungsträger, wenn er möchte, den Hauptanteil der Betreuung.“ Der Faktor Zeit für die palliative Betreuung wird niedergelassenen Ärzten jedoch praktisch nicht honoriert. Sich ausreichend Zeit nehmen zu können, ist aber wichtig für die Gespräche mit den Sterbenden, die Beratung der Angehörigen und für die Trauerarbeit der nahestehenden Personen. Die Begleitung dürfe keinesfalls abrupt enden.

Kosten und Nutzen

„Wir müssen wegkommen vom Denken in kleinen Kategorien: Welche Kosten verursacht der Arzt? Wie teuer sind die Medikamente und Therapien? Palliative Betreuung kann vermeiden, dass sterbende Menschen ins Krankenhaus gebracht werden, sagt Pils. „Die Lebensqualität der Betreuten bleibt möglichst erhalten, und es bringt nicht zuletzt Kostenvorteile.“ In einem Positionspapier des ÖRK zur palliativen Medizin wird deshalb eine Ausweitung der Finanzierung von Betreuungszeiten im mobilen Bereich eingefordert, außerdem mehr Mittel für die Aus- und Weiterbildung sowie die Supervision für Mitglieder der mobilen palliativen Teams. Nötig wäre zudem die Entwicklung arbeitsrechtlicher und finanzieller Modelle, die es erleichtern, auf die individuelle Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen einzugehen.
Ein weiteres Manko sei das mangelhafte Nahtstellenmanagement. So müsste etwa die Zusammenarbeit mit den Notärzten besser organisiert werden: „Es kommt vor, dass Betreuer keinen Zugang zu wesentlichen Informationen, wie beispielsweise Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten haben“, sagt Pils. „Mobile palliative Teams sind ein nicht wegzudenkender Teil einer guten Versorgung in der letzten Lebensphase. Die Erfahrungen in der Steiermark zeigen deutlich, dass sie für alle Beteiligten Vorteile bringen.“
Tatsächlich, betont Pils, gäbe es einen für ganz Österreich gültigen Ausbauplan für den Palliativ- und Hospizbereich, in dem detailliert festgehalten ist, wie viele Hospizbetten zu schaffen sind oder Strukturen wie Palliativkonsiliardienste und mobile palliative Teams. „Die Realität hinkt diesen Plänen leider teilweise um Jahre hinterher“, kritisiert Pils.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 39/2008

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