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Gesundheitspolitik 29. September 2008

Netzwerke für eine lückenlose Patientenbetreuung

Die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind hinlänglich bekannt, trotzdem steigt die Zahl der Betroffenen. Haus­ärzte könnten sich stärker bei der Prävention und Vorsorge von Herzkrankheiten einsetzen, wenn sie dafür besser entlohnt würden und die multidisziplinäre Zusammenarbeit in Netzwerken besser wäre.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind das mit Abstand wichtigste Gesundheitsproblem in Österreich. Sie sind fast für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich. „Der niedergelassene Hausarzt spielt eine wichtige Rolle bei der Prävention und bei der Früherkennung von koronaren Erkrankungen“, unterstreicht Prof. Dr. Peter Siostrzonek, Leiter der kardiologischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz.

Über Risikofaktoren aufklären

„Wichtig ist dabei einerseits die regelmäßige Information der Patienten über die bekannten Risikofaktoren und andererseits das Heraus­filtern von Patienten mit besonderem Risiko.“ Die wichtigsten Faktoren, die zur Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems führen können, sind starkes Übergewicht, das Metabolische Syndrom, erhöhte Blutfettwerte sowie alle mit einem Prädiabetes einhergehenden Stoffwechselprobleme.
Das Wissen ist vorhanden. Der Zeitaufwand, der für eine Lebensstilberatung nötig wäre, wird aber für niedergelassene Ärzte zum Problem in der täglichen Arbeit, vor allem weil, wie Siostrzonek sagt, „der Zeitaufwand für ausführliche Informationen kaum bis gar nicht honoriert wird“. Mit einem Erstkontakt ist es meist nicht getan, sondern es geht auch darum, Patienten über einen längeren Zeitraum zu begleiten und mithilfe eines Recall-Systems bei der Stange zu halten.
Siostrzonek kritisiert, dass die Reparaturmedizin immer noch im Vordergrund des ärztlichen Tuns stünde und der präventive Ansatz allen Bekundungen zum Trotz zu kurz komme. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen würde der notwendige therapeutische Aufwand immer größer, je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist.

Medizinisches Networking

Für die Prävention und die Zuwendung zum Patienten wäre es wichtig, meint der Linzer Kardiologe, dass Hausärzte sich als Teil eines Netzwerks begreifen. „Es geht hier um die Zusammenarbeit mit Fachärzten und Spezialambulanzen, mit Diätologen, Psychologen und vielen anderen therapeutischen Berufsgruppen.“ Diese Patientengruppe langfristig im Alleingang zu betreuen, sei schwierig, betont Siostrzonek. Der Wert solcher Betreuungs-Netzwerke ist in europäischen Untersuchungen gezeigt worden. Es bestehe der Bedarf, und Politik wie Sozialversicherung sollten die Etablierung von Netzwerken aktiv unterstützen, meint Siostrzonek.
Ein Beispiel für dringenden Reformbedarf ist, dass nach einem Spitals­aufenthalt noch immer Betreuungslücken entstehen. Dabei wäre eine möglichst unmittelbar sich anschließende Rehabilitation wichtig. Angebote wie ambulante koronare Rehabilitation sind zwar wichtige Schritte, aber auch hier wäre eine engere Zusammenarbeit zwischen Spital und den entsprechenden Strukturen wichtig.

Rasche Hilfe rettet Leben

Pro Jahr erleiden in Österreich etwa 15.000 Menschen einen Herzinfarkt. „Wenn akute Herzschmer­zen auftreten oder ein Engegefühl in der Brust besteht, hat der Hausarzt bei den akut nötigen Maßnahmen einen weniger großen Stellenwert.“ Wichtig sei aber, die Bevölkerung besser aufzuklären, dass in einem solchen Fall der Zeitfaktor für die Überlebenschancen essenziell ist und möglichst schnell der Notarzt gerufen werden sollte. „Manche Menschen, oft sind es Frauen, wollen nicht ‚lästig‘ sein oder ,zur Last fallen‘. Sie warten bis zum nächsten Tag und setzen sich dann in das Wartezimmer des betreuenden Arztes – kostbare Zeit geht verloren.“
Zur aktuell wieder auflebenden Diskussion, welche Krankenhäuser über einen Herzkatheter verfügen sollen, stellt Siostrzonek seinen Standpunkt klar, der auf aktuellen Analysen beruht: „Es braucht einen Mindestdurchsatz von 400 interventionell behandelten Patienten pro Jahr, damit die nötige Routine vorhanden ist.“

„Wie halte ich mein Herz ­gesund?“

Mit einem Tag der offenen Tür beteiligt sich das Linzer Krankenhaus der Barmherzgen Schwestern am 11. Oktober an der Vorsorgeaktion „Wie halte ich mein Herz gesund?“. Siostrzonek: „Damit es dem Einzelnen weniger leicht fällt, die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Adipositas und mangelnder körperlicher Bewegung zu verdrängen.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 39/2008

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