zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 26. Juni 2008

Innovative Vorsorge mit prophylaktischen Hausbesuchen

Jenseits des Arlbergs gibt es seit einigen Jahren sehr positive Erfahrungen mit präventiven Hausbesuchen durch Pflegepersonal.

Der Allgemeinmediziner Dr. Paul Gmeiner aus Hart ist gerne unterwegs, so hat er schon vor zehn Jahren das Modell der präventiven Hausbesuche in der Schweiz kennengelernt, „auch in anderen Ländern wie Deutschland oder den skandinavischen Regionen ist dieses bewährte Instrument seit langem mit sehr positiven Effekten im Einsatz“. Gmeiner brachte die Idee nach Hart, wo sich die Gemeinde von einem Pilotprojekt überzeugen ließ. „Das ist drei Jahre sehr, sehr gut gelaufen und das Interesse der Nachbargemeinden und auch des Landes wurde immer größer“, berichtet Gmeiner.
Alle Menschen über 70 bekommen im Rahmen dieses Projekts ein Informationsschreiben, mit der Einladung, einen „Vorsorgehausbesuch“ anzufordern. Wird dieses beantwortet, kommt eine diplomierte Pflegekraft nach Hause und führt mit dem älteren Menschen mit Hilfe eines umfassenden Fragebogens ein individuelles Assess­ment durch. „Dabei wird auch die Situation der Wohnung analysiert, wie sturzsicher oder behindertengerecht diese ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Vorhandensein bzw. die Tragfähigkeit des jeweiligen sozialen Netzwerks.“

Probleme früh sichtbar

Denn, so unterstreicht Gmeiner, sozialer Rückzug und Isolation sind in dieser Altersgruppe oft anzutreffen. Weiters wird der gesundheitlichen Status des älteren Menschen erhoben, „dabei geht es natürlich nicht um eine fundierte medizinische Analyse, sondern um die Abklärung, wie gut jemand medizinisch versorgt ist bzw. welche aktuellen gesundheitlichen Probleme in der letzten Zeit aufgetaucht sind.“ Wird hier etwas Auffälliges festgestellt, wird der Patient – mit entsprechenden Informationen ausgestattet – sofort an einen Allgemeinmediziner, im Idealfall den betreuenden Hausarzt, verwiesen, der die Weiterleitung an Fachärzte oder Ambulatorien übernimmt. Weiters wird über die Angebote im Gesundheits- und Sozialbereich in der konkreten Region informiert. Zentrale Themen sind außerdem der Bereich Ernährung sowie Rechtsfragen rund um Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten oder Sachwalterschaften.
„Kein Arzt braucht Sorge haben, dass ihm hier etwas weggenommen wird“, unterstreicht Gmeiner. „Im Gegenteil – diese Vorsorgehausbesuche machen eventuell vorhandene Probleme bereits in einem sehr frühen Stadium sichtbar.“ Betroffene kommen deutlich früher in medizinische Betreuung, dadurch sind effi­zientere Maßnahmen möglich. „Deutlich zeigt sich, dass die Zahl und Dauer der Aufenthalte im Krankenhaus sinkt. Außerdem ist es als Folge der frühzeitigen Hausbesuche länger nicht notwendig, dass Ältere in ein Alten-und/oder Pflegeheim aufgenommen werden.“ Gmeiner unterstreicht, dass bereits eine einzige Person, die ein Jahr lang in den eigenen vier Wänden betreut werden kann, „für eine Gemeinde die entstehenden Personalkosten hereinspielen kann, wenn dies mit den Kosten für einen Heimaufenthalt verglichen wird.“
Vor einem Jahr stieg das Land groß in das Projekt ein, insgesamt sind nun 15 Gemeinden bzw. deren Krankenpflegevereine in einem dreijährigen Pilotprojekt beteiligt. „Die Rücklaufquoten waren schon in Hart sehr gut – auch in den anderen Gemeinden läuft das ähnlich“, berichtet Gmeiner. Schon im ersten Projektjahr nutzten 742 Menschen das kostenlose Service. Als Gesamtbudget wurde für das Projekt 170.000 Euro für die gesamte Laufzeit veranschlagt, die Mittel dazu kommen vom Land, dem Fonds Gesundes Österreich sowie den beteiligten Gemeinden.

Einfache Maßnahme

„Es wird ja immer wieder darüber diskutiert, wie eine optimale Betreuung älterer Menschen möglich ist“, hier, so ist sich Gmeiner sicher, „wird mit einer vergleichsweisen sehr einfachen Maßnahme – sowohl im organisatorischen als auch im Personalaufwand – sehr viel erreicht.“ Denn gerade beim Hausarzt landen dann oft jene Fälle, bei denen Probleme lange übersehen wurden, oder wo es niemanden gab, der auf diese rechtzeitig hätte hinweisen können.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 26/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben