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Gesundheitspolitik 26. Juni 2008

Alternative Niederlassungsformen für Ärzte

Angesichts mancher Entwicklungen in Deutschland fordern viele Mediziner genaue Über­legungen zu den Rahmenbedingungen für Zusammenschlüsse von Ärzten ein.

Im deutschen Bundesland Nord­rhein-Westfalen schlossen sich jüngst die meisten niedergelassenen Urologen in einer GmbH zusammen. Das erklärte Ziel: eine schlagkräftige Interessenvertretung – geplant sind direkte Verhandlungen mit den Krankenkassen, denn die Interessen der kleinen Fachgruppen würden von der Standesvertretung nicht mehr ausreichend wahrgenommen.
„In Österreich haben wir eine andere Ausgangslage“, meint Dr. Karl Dorfinger, Bundesfachgruppenobmann der österreichischen Urologen. „Die aktuellen Probleme betreffen nicht nur eine Gruppe, sondern alle Ärzte. Zum Glück gibt es derzeit eine geschlossene Solidarität innerhalb der Ärztekammer quer durch alle Fachdisziplinen in der Unterstützung der Protestmaßnahmen und den gemeinsamen Verhandlungen.“

Andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen

Lange wurde die Möglichkeit der Gründung von Ärzte-GmbH auch von Medizinern eingefordert, doch „es bräuchte Rahmenbedingungen, um die Zusammenarbeit von Ärzten zu ermöglichen. Die freie Ausübung des ärztlichen Berufes und die Wahrung des Arzt-Patientengeheimnisses dürfen davon nicht berührt werden“, betont Dorfinger. „Es sollte und könnte sicher mehr Gruppenpraxen oder Ärztehäuser geben – auch um lange Wartezeiten im Facharztbereich zu verkürzen und interdisziplinäre Zusammenarbeit stärker zu fördern.“ Möglich wäre eine Ausweitung der Öffnungszeiten, zudem würden sich Syn­ergieeffekte beim Umgang mit der überbordenden Bürokratie ergeben.
Dorfinger glaubt nicht, dass ärztliche GmbH die alleinige Antwort sein können. „Jeder Arzt solcher Gruppenpraxen oder Ärztehäuser sollte einen eigenen Kassenvertrag haben. So bleibt er allein für seine Tätigkeit verantwortlich und die Patienten könnten ‚ihren’ Arzt behalten. So wären auch Einsparungen für die Kassen umsetzbar.“
Gerade Deutschland sei ein Beispiel für einen besorgniserregenden Trend: „Die dortigen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ, siehe Kasten), in denen Ärzte aller Fachgruppen tätig sind, werden großen Krankenhausbetriebsgesellschaften einverleibt.“ Diese befinden sich immer seltener in öffentlicher Hand und werden an private Träger verkauft. Dabei würden sich bedenkliche Konzen­trationsprozesse abspielen, etwa in Form eines Käufers, der im Besitz einer großen deutschen Mediengruppe ist und sich nun in vielen Spitälern engagiert.
„GmbH könnten dem Einstieg von Großunternehmen im Gesundheitsbereich Tür und Tor öffnen. Aber es geht nicht um irgendein Produkt oder eine Dienstleistung wie in einer KFZ-Werkstätte – es geht um Lebensqualität und Gesundheit der Menschen, die sich uns anvertrauen.“ Und dabei, so Dorfinger weiter, dürfe es nicht allein um marktwirtschaftliche Prämissen und Gewinnmaximierung gehen.

Ein Trend

Auch in Österreich nimmt er den Trend wahr, dass Berater aus der Wirtschaft versuchen, auf die österreichische Gesetzgebung Einfluss zu nehmen und Privatisierungsbestrebungen im Gesundheitsbereich zu fördern.

 Medizinische Versorungszentren

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 26/2008

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