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Gesundheitspolitik 23. Mai 2008

Turbo-Doc

Seit Jahren gibt es Kritik an der Ausbildungssituation der Turnusärzte – so auch an den Häusern des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Ein neues Konzept soll Verbesserungen auch bei der Delegierung verschiedener Aufgaben bringen.

Bei einer Umfrage unter den Wiener Turnusärzten vor drei Jahren wurde an der Situation in den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes KAV herbe Kritik geübt – zwei Drittel der Turnusärzte klagten über schlechte Rahmenbedingungen. Nun sollen durch ein Konzept neue Akzente gesetzt werden, von der sämtliche 1.200 Ärzte, die im KAV ausgebildet werden und besonders die knapp 500 Turnusärzte profitieren sollen (die Ärzte Woche berichtete).
„Das neue System ermöglicht eine umfassende und objektive Evaluierung der Ausbildung“, meint Wiens Gesundheitsstadträtin, Mag. Sonja Wehsely. Die Ergebnisse dieser Evaluierung sollen laufend in die Ausbildungsstrategien eingearbeitet werden.

Auf schnellstem Weg

Vorgesehenen ist ein Benchmarking, an dem verschiedene Bereiche in der Turnusausbildung in den KAV-Häusern und deren Inanspruchnahme laufend gemessen werden. Deutlich reduziert bzw. vermieden werden sollen Stehzeiten in der Ausbildungszeit durch ein Rotationsprinzip, um, wie Wehsley betont, „den schnellsten Weg durch die Pflicht- und Wahlfächer und so einen Abschluss der Turnusausbildung innerhalb von drei Jahren sicherzustellen“. In allen Häusern sind Aus- und Fortbildungsbeauftragte installiert, die kontinuierliche Angebote umsetzen. Diese sind miteinander vernetzt, um von den gegenseitigen Erfahrungen zu profitieren.
Die ärztlichen Leiter aller Fachabteilungen haben akkordierte Ausbildungsinhalte vorgelegt, „die den vorgegebenen Raster der Ärztekammer verfeinern. Ein eigens eingerichteter Ausbildungs-Qualitätsausschuss überprüft zudem systematisch, an- und unangemeldet Ausbildungsqualität vor Ort“, so Wehsley weiter. Bed-Side-Teaching wird durch Bettenführung unter Supervision umgesetzt, die Turnusärzte berichten darüber in Fallbesprechungen. Ein eigener Erlass soll im neuen Turnusärztepaket die Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und Turnusärzten sicherstellen.
„Noch nie gab es so umfangreiche Bemühungen und detailierte Pläne zur Verbesserung der Situation der Turnusärzte in den Spitälern des KAV.“ Dr. Athanasios Kalliontzis, Obmann der Sektion Turnusärzte der Wiener Ärztekammer ist sich aber unsicher, ob die Umsetzung vom ambitionierten Papier in den Alltag auch gelingt. Skeptisch macht ihn vor allem das Paket in Bezug auf die Kooperation mit der Pflege: „In jeder Abteilung wird es andere Regelungen geben, welche Tätigkeiten zu welchen Zeiten in welchen Ausmaß delegierbar sein werden“, erklärt Kalliontzis. „Aber um alle andere Bereiche des Konzepts umsetzen zu können, braucht es vor allem Zeit, die nicht wie bisher in Routinetätigkeiten und administrative Aufgaben aufgeht.“ Es würde ein bunter Mosaikteppich an Realitäten beim Delegieren an das Pflegepersonal entstehen. Diese fordern teils zu recht mehr Personal ein, um die zusätzlichen Aufgaben bewältigen zu können. Die Frage ist zudem, welche Zeitressourcen dann ganz konkret zur Verfügung stehen für zentrale Bereiche die Bettenführung unter Supervision sowie die Organisation der kontinuierlichen Fortbildung. „Es ist bedauerlich, dass die Ärztekammer in der laufenden Evaluation des Projekts viel zu wenig einbezogen sein wird“, so Kalliontzis weiter.

Gemeinsamer Weg

„Wenn neue Regelungen eingeführt werden, bedarf es einer Entwicklungs- und Probezeit für die Betroffenen, also in jenen Pilotabteilungen, die die neuen Tätigkeitsfelder und Zusammenarbeitsformen ausprobieren wollen“, meint KAV-Spitälerdirektorin Dr. Susanne Herbek. „Bloß Arbeit an andere Berufsgruppen abzugeben würde nicht zum Erfolg dieses berufsgruppenübergreifenden Arbeitspaketes führen.“ Es ginge um einen gemeinsamen Weg „mit den Führungskräften der Krankenanstalten, den Mitarbeitern der Medizin und der Pflege –und, wie auch in der Entwicklung des Gesamtprojektes, mit der Ärztekammer.“ So habe es erst im April gemeinsame Begehungen der Stationen gegeben. Kalliontzis betont, dass die Vertreter der Ärztekammer sich immer weniger einbringen konnten, hofft aber auf Besserung.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 21/2008

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