zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 7. Mai 2008

Ärzte-Nein zu steirischem Strukturplan

Was nach gutem Plan klingt, enthält doch noch etliche Knackpunkte. Die Ärztevertreter der Steiermark lehnen den Regionalen Strukturplan Gesundheit deshalb ab.

„Bestmögliche Gesundheitsversorgung für alle Steirer, unabhängig von Alter, sozialer Stellung und Wohnort“, wird als Ziel des Regionalen Strukturplans Gesundheit (RSG) der Steiermark festgehalten. Damit ist das grüne Herz Österreichs das erste Bundesland, in dem konkrete Daten auf dem Tisch liegen. Geplant sind eine starke Erweiterung der Akutgeriatrie sowie ein Vollausbau im Hospiz- und Palliativbereich. Weiters soll die Zahl der Intensivbetten erhöht werden, im LKH Graz um 57 Betten, im LKH Bruck um zehn. Gleichzeitig wird der Bettenabbau in anderen Bereichen angekündigt. Bis zum Sommer soll der RSG von der Landesregierung beschlossen und bis 2015 umgesetzt sein.

Offene Fragen

„Der RSG enthält zahlreiche offene Fragen und unklare Formulierungen – daher war es nicht möglich, ihm zuzustimmen“, so Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer Steiermark. Das Problem würde schon damit beginnen, dass die Ärzteschaft in die Konzeption oder Detailplanungen des RSG bislang viel zu wenig einbezogen war. Ein wesentliches Manko des RSG aus Sicht der Ärztekammer sind die fehlenden Abgrenzungen der Aufgaben niedergelassener Ärztinnen und Ärzte von jenen der Spitalsambulanzen, sowie nicht nachvollziehbare Berechnungsgrundlagen für den künftigen Versorgungsbedarf. Hier müsse geklärt werden, dass „es eine abgestufte Versorgungsstruktur gibt, in der die Aufgabenverteilung klar definiert ist“, so Routil. Ebenso sei die Klarstellung wichtig, dass der zwischen Ärztekammer und GKK vereinbarte Stellenplan weiterhin Grundlage der Planung im niedergelassenen Bereich bleibe.
Deutlich mehr Klarheit brauche es aber auch in anderen Bereichen: „Die Einrichtungen der AUVA (UKH, Rehabilitationseinrichtungen, Anm. Redaktion) werden im RSG nicht berücksichtigt, womit dieser aus unserer Sicht grob unvollständig ist“, erläutert Routil. So positiv die geplante Ausweitung der Akutgeriatrie als generelles Ziel ist, es würde doch eine deutlich klarere Orientierung an Leitlinien und Standards in Bezug auf die Ausstattung, Zahl und Qualifikation des Personals sowie das Schnittstellenmanagement brauchen. Massiven Änderungsbedarf gäbe es etwa bei der Akutgeriatrie der Albert Schweitzer Klinik in Graz.

Nicht aktuell

Im RSG vorgesehen ist weiters, ohne irgendeine nähere Erläuterung, eine Reduktion der Betten von 84 auf 65 in der Grazer Universitätsklinik für Kinderchirurgie. „Der RSG basiert offensichtlich nicht auf den aktuellen Ambulanzfrequenzen und Belagszahlen“, betont Routil – denn die Frequenzen sind wie bei den meisten anderen Ambulanzen gerade im Kinderbereich sehr stark gestiegen, im konkreten Fall um 50 Prozent. An der Kinderchirurgie gibt es bereits jetzt Kapazitätsprobleme an Tagen mit hohen Patientenfrequenzen und hohem operativen Aufkommen. Durch Bettenreduktionen würde sich die ohnehin angespannte Situation drastisch verschlechtern.
Durch entsprechende Schwerpunktsetzung wird 2008 zudem die Zahl der pädiatrischen Patienten, die auf Grund eines Wirbelsäulen-Traumas oder einer Skoliose operiert werden, noch weiter ansteigen – ein Faktum, wie Routil betont, das im RSG ebenso unberücksichtigt bleibt. Das gelte auch für die starke Nutzung der kinderchirurgischen Ressourcen von Patienten aus dem Burgenland.

Vieles unberücksichtigt

Routil kritisiert weiters, dass „sich das komplexe Leistungsspektrum der Anästhesie- und Intensivmedizin nicht im RSG abbildet“. So würden die Betten im Aufwach- und Intensivbereich teils falsch zugeordnet bzw. fehlten überhaupt in den Planungen. Ebenso wie Rahmenbedingungen für eine multidisziplinär umzusetzende Schmerzmedizin. Unberücksichtig sei auch das Fach physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation.

Kein Psychiatrieplan

Ein zusätzliches Manko in Bezug auf den RSG sei das Fehlen eines umfassenden Psychiatrieplans, „obwohl im RSG ausdrücklich auf einen solchen Bezug genommen wird und der Strukturplan bereits einschneidende Maßnahmen im Bereich der stationären psychiatrischen Versorgung vorsieht.“ Eines der gravierendsten Probleme des RSG ist für Routil, dass das dreistufige Konzept einer Versorgungskette kaum berücksichtigt wird, „welches unter dem Prinzip der Subsidiarität zu sehen ist, also erst zum Hausarzt, dann zum Facharzt und erst dann in die Spezialambulanz“.
Der niedergelassene Bereich würde generell zu wenig in die Überlegungen einbezogen und auf eine völlig falsche Weise in die Berechnungen einfließen.
Nötig wären Instrumente zur Steuerung der Patientenströme, die den sensiblen Grenzgang zwischen Unter- und Überversorgung berücksichtigen. „Gerade hier wären gemeinsame Planungen notwendig, anstatt den RSG vom Grünen Tisch aus zu erlassen, ohne die regionalen Realitäten wahrzunehmen sowie einzubeziehen“, für Routil ist daher ein Beschluss des RSG vor dem Sommer völlig unvorstellbar.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 19/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben