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Gesundheitspolitik 7. Mai 2008

Diskussion um Kosten

In einer Aussendung monierte die Pharmig, der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, dass nicht nachvollziehbare Zahlen hinsichtlich der Medikamentenausgaben das Gebarungsergebnis des Hauptverbandes verfälschten. Der Hauptverband gibt den sogenannten Finanzierungssicherungsbeitrag als Ursache für die Differenz an. Bleibt immer noch ein Unterschied von sechs Millionen.

Im Jahr 2006 wurden 2,6345 Milliarden Euro für Medikamente über die Krankenkassen abgerechnet. 2007 waren es 2,820084 Milliarden – „das entspricht einer Steigerung von 8,2 Prozent“, erklärt Dieter Holzweber, Pressesprecher des Hauptverbandes der Sozialversicherungen. Und er legt weitere Zahlen nach: Werden die Ausgaben vom ersten Quartal 2008 mit jenen aus dem ersten Quartal 2007 ver­glichen, ergibt sich eine Steigerung um 36,8 Millionen Euro.
„Ich frage mich, wie der Hauptverband auf diese Zahlen kommt“, so Pharmig-Generalsekretär Dr. Jan Oliver Huber, „laut Abrechnung der Apotheker mit den Krankenkassen macht die Steigerung für 2007 lediglich 6,9 Prozent aus.“ Nach Angaben des Hauptverbandes wären 214 Millionen Euro mehr für Medikamente ausgegeben worden. Das wäre eine Differenz von 35 Millionen Euro oder von 20 Prozent zu den Daten der Pharmig.

Brutto? Netto?

„Offensichtlich kann man Kosten bei Bedarf auch in die Höhe rechnen“, kritisiert Huber. Noch dazu handele es sich bei den Werten um Bruttowerte, in denen auch die Mehrwertsteuer und die Einnahmen der Krankenkassen aus der Rezeptgebühr enthalten seien.
„Bei einer fairen Nettorechnung würde das statt 179 Millionen Euro effektiv nur 127 Millionen Euro Ausgabensteigerung bedeuten.“ Für Huber wären „seriöse Informationen und verlässliches Zahlenmaterial die Grundlage jedes sachgerechten Dialogs“. Holzweber weist diese Anschuldigung zurück: „In den Zahlen nicht enthalten ist ein einmaliger Finanzierungssicherungsbeitrag, der 2005 und 2006 von der Pharmawirtschaft an den Hauptverband gezahlt wurde und der 29 Millionen ausmachte – das erklärt die Differenz.“
Letztlich ginge es um die Botschaft eines weiter stetigen Anstiegs der Kosten für Medikamente, der von der Gesundheitspolitik nicht einfach ignoriert werden dürfte. Das heimische Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie Fopi ergänzt zu diesem Thema: „Österreich liegt bei den Arzneimittelausgaben unter dem europäischen Durchschnitt!“

Europäischer Trend

In Irland wird mit 137 Euro ein ähnlich hoher Pro-Kopf-Betrag wie in Österreich ausgegeben, weit höher ist der in Deutschland (234 Euro) oder in den Niederlanden (217 Euro). Auch wenn sich die Kosten für Arzneimittel in Österreich in den vergangenen zehn Jahren in absoluten Zahlen verdoppelt haben, würde das durchaus dem europäischen Trend entsprechen. Die Erhöhung der reinen Ausgaben für Medikamente erkläre sich sowohl aus der Einführung vieler neuer innovativer Medikamente als auch aus der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 19/2008

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