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Gesundheitspolitik 30. April 2008

Blickdiagnose: Was Zusatzversicherungen bringen

Rund 800.000 Menschen in Österreich haben eine private Zusatzkrankenversicherung. Diese kann je nach Tarif nicht nur Leistungen abdecken, die von den öffentlichen Krankenversicherungen nicht bezahlt werden, sondern ermöglicht auch die freie Arztwahl im Spital, meist kürzere Wartezeiten und ein Sonderklassezimmer im Krankenhaus. Dennoch stellt sich grundsätzlich die Frage, warum es Zusatzversicherungen geben muss, wenn es auch eine öffentliche Pflichtversicherung gibt, die eigentlich alles abdecken sollte.

„Es gibt keine Zwei-Klassen-Medizin – und die Erde ist eine Scheibe.“ Mit diesem Slogan warb im Vorjahr die Wiener Städtische Versicherung um Kunden für ihre privaten Zusatzkrankenversicherungen. Bei Ärzten und Versicherten sind die Produkte durchaus beliebt. Doch warum gibt es sie überhaupt?

Eigentlich haben alle was davon: Krankenhausärzten bringen private Zusatzversicherungen ihrer Patienten zusätzliche Einkünfte – im Schnitt machen sie laut Ärztekammer bis zu 30 Prozent der Einkommen aus; den Krankenhäusern bringen sie ebenfalls zusätzliche Einkünfte und vor allem die Chance, den Ärzten niedrigere Grundgehälter zahlen zu müssen; den versicherten Patienten bringen sie je nach Tarif einige Vorteile; und den Versicherungen selbst bringen sie immerhin 800.000 zahlende Kunden.
Damit sich Krankenhäuser nicht nur auf privatversicherte Patienten konzentrieren, ist öffentlichen Kliniken nur ein Sonderklassebetten-Anteil von 25 Prozent erlaubt. Diese Situation führt aber dazu, dass Krankenhäuser gerne die Gesamtzahl der Betten hochhalten, um so auch viele Sonderklassebetten zu haben. Was grob eigentlich schon erklärt, was der Hintergrund privater Versicherungen ist: Sie decken Risiken ab, die öffentliche Versicherungen nicht zahlen, bringen zusätzliche Vorteile für die Versicherten und leisten einen Finanzierungsbeitrag für das Gesundheitswesen.
Die Krankenversicherung ist in Österreich von zwei ergänzenden Organisationsformen geprägt. Zum einen eben von der Sozialversicherung, einer gesetzlichen Pflichtversicherung, zum anderen von der privaten, freiwilligen Krankenversicherung. Die Sozialversicherung stellt für nahezu alle Berufsgruppen – unabhängig von deren Einkommen – eine Pflichtversicherung dar. Da kein Wahlrecht für den einzelnen Versicherungsnehmer besteht, eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zu wählen, werden in Österreich private Krankenversicherungen fast nur als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen.
Die private Krankenversicherung wird in den beiden Hauptformen der Krankenhauskostenversicherung und der Taggeldversicherung angeboten. Die Leistungen sind abhängig vom jeweils gewählten Tarif. Die Krankenversicherer verwenden viele differente Tarife und unterschiedliche Allgemeine Versicherungsbedingungen. Es gibt keine Musterbedingungen für den österreichischen Markt. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Annahmezwang für alle Erwerbstätigen besteht, werden private Krankenversicherungen aufgrund freier Vereinbarungen geschlossen. Im Wesentlichen gilt: je höher das Risiko, desto höher der Tarif. Werden Vorerkrankungen nicht angegeben, kann die Versicherung Leistungen verweigern. Allerdings darf sie nicht steigende Ausgaben im Alter übertragen. Der Krankenversicherer hat zwingend eine Alterungsrückstellung zu bilden, um zu verhindern, dass die höhere Krankheitsanfälligkeit der älteren Menschen, die meist über geringere Einkommen verfügen, dazu führt, dass die Prämie entsprechend dem Risiko ansteigt. Aus diesem Grund sind die Prämien jüngerer Versicherter höher, als es ihrem Risiko entspricht, heißt es beim Versicherungsverband.
Neben der Spitalskostenversicherung und der Taggeldversicherung gibt es Krankengeldversicherungen, Pflegegeldversicherungen, Reisekrankenversicherungen, Versicherungen der Kosten ambulanter ärztlicher Betreuung und für Zahnbehandlung und Zahnersatz.

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