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Gesundheitspolitik 30. April 2008

Mütterseelen allein

So groß die Freude über den Nachwuchs auch sein mag: Fürs Muttersein gibt es keine Vorbereitung. Viele Frauen fühlen sich mit der neuen Situation alleingelassen und vermissen sinnvolle Informationen.

Das Grazer Frauengesundheitszentrum setzt mit dem Projekt „MIA – Mütter in Aktion“ Akzente für eine Zielgruppe, deren Rahmenbedingungen sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert haben. „Wir haben inzwischen mit mehr als 200 Frauen – Schwangeren und jungen Müttern – Gespräche und Interviews geführt“, berichtet Dr. Brigitte Steingruber, Projektleiterin von MIA.
„Dabei zeigt sich, dass es die ländlichen sozialen Netze schon lange nicht mehr im selben Ausmaß gibt wie früher. Die Frauen sind oft ganz allein auf sich gestellt und häufig mit der neuen Lebenssituation überfordert, für die eine Vorbereitung nur in einem gewissen Ausmaß möglich ist.“ Die Befragten betonen vor allem auch fehlende Orte zum Erfahrungsaustausch mit anderen Schwangeren oder jungen Müttern. Und beklagen, wie schwierig es teilweise ist, an gute, profunde Informationen zu kommen – gerade auch in Gesundheitsfragen. Wichtige Themen sind dabei etwa die Ernährung der Kinder, der Umgang mit scheinbar banalen Erkrankungen, wie mit „Schreikindern“ umgegangen werden kann und besonders auch das Themenfeld der Belastung als Mutter neben allen anderen Anforderungen.

Frauen als Multiplikatorinnen

MIA wird in den Bezirken Liezen sowie Leibnitz umgesetzt und für die nächsten drei Jahre durch Mittel des Fonds Gesundes Österreich und der Gesundheitsplattform Steiermark finanziert. Das Projekt ist auf zwei Ebenen angesiedelt: Auf der Bezirksebene werden von sich aus aktive Frauen als Multiplikatorinnen geschult, beim Organisieren einer Aktionswoche (Mai/Juni 2009) begleitet und bei der Entwicklung eigener Angebote unterstützt. Sie treffen sich einmal pro Monat. Auf dieser Ebene werden auch Vernetzungstreffen mit vorhandenen Initiativen und Angeboten aus dem Bezirk organisiert.
In das Projekt sollen auf dieser Ebene auch Hebammen, Ärzte und andere Experten in der Begleitung von Schwangeren aktiv einbezogen werden. Zu diesen Treffen sind auch Ärzte eingeladen, sich mit verschiedenen Informationen zu Gesundheitsthemen einzubringen. Gleichzeitig wird es in ausgewählten Gemeinden wöchentliche Treffpunkte und persönliche Sprechstunden für schwangere Frauen und Mütter von Babys geben. Bei monatlichen Foren soll zudem die Vernetzung von vorhandenen Initiativen und Angeboten der Region gefördert werden.

Das Gefühl des Verlassenseins kann krank machen

„Der Zugang zu Information und wie die Bewältigung der aktuellen Lebenssituation gelingt, haben massive Auswirkungen auf die Gesundheit“, betont Steingruber. Gerade niedergelassene Hausärzte haben als Anlaufstellen für Schwangere und junge Mütter eine große Bedeutung. „Je besser sich Frauen selbst organisieren können, je vielfältiger das Unterstützungs- und Beratungsangebot vor Ort ist – desto besser und einfacher gelingt die gesundheitliche Begleitung der Frauen und ihrer Kinder.“ Eigeninitiative und gute soziale Netzwerke in Zusammenarbeit mit medizinischer Unterstützung wären eine gute Basis dafür, kommenden Generationen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Ein wichtiges Ziel des Projekts sei, dass „die Frauen dabei unterstützt werden, Bedürfnisse in Hinblick auf medizinische und soziale Unterstützung zu äußern“. Diese Wünsche sollen, so hofft Steingruber, auf einen fruchtbaren Boden fallen und so auch neue Angebote entstehen.
Frauen sollen unterstützt werden, sich für eine bessere Versorgung und gute Infrastruktur zu engagieren, etwa für flexible Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe oder regelmäßige Mütter-Treffen. Auch Hilfe zur Selbsthilfe sei ein Thema. Denn es wachse die Zahl jener jungen Mütter, die schon mit gesundheitlichen Lappalien ihres Babys überfordert sind, weil das Wissen aus den vergangenen Generationen nicht mehr zur Verfügung stehe: Aktuelle Daten zeigen einen starken Zulauf zu Ambulanzen, besonders in Regionen, wo ärztliche Nachtdienste keine Selbstverständlichkeit sind.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 18/2008

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