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Gesundheitspolitik 24. April 2008

Die e-Card als elektronischer Impfpass

Die e-Card könnte als Schlüssel zu den in einer zentralen Datenbank gespeicherten Impfdaten der Versicherten genützt werden. Eine österreichweite Befragung hat gezeigt, dass die Akzeptanz für diese Lösung sehr groß ist.

Der jüngste Masernausbruch in Salzburg hat es gezeigt – über ihren Impfstatus sind sich die wenigsten im Klaren. Die Folge: Es fehlen Auffrischungsimpfungen, und im Fall des Falles kommt es trotz des vermeintlichen Impfschutzes zur Erkrankung.
Mit der Dokumentation der absolvierten Schutzimpfungen steht es nicht zum Besten – es fehlt der Überblick: Die alten (grauen) Impfpässe sind mit Eintragungen überfüllt, verloren gegangen oder in der hintersten Ecke der Schublade vergessen worden. Zudem sind die Pässe je nach Bundesland unterschiedlich gestaltet.
Die Lösung soll die e-Card als elektronischer Impfpass bringen. Das Einverständnis des „Kunden“ Patient vorausgesetzt, sollen die Impfdaten vom Arzt zentral dokumentiert werden und an einem Impf-Terminal in der Arztpraxis vom Patienten selbst ausgedruckt werden können. Ein erstes Pilotprojekt wird 2009 gestartet.
Dr. Erich Laminger, Vorsitzender des Verbandsvorstands im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: „Es ist das Ziel der Sozialversicherung, mit dem elektronischen Impfpass einen echten Mehrwert für die persönliche Gesundheit und Sicherheit unserer Versicherten zu bieten.“ Mit dem e-Card-System, so Laminger, bestünde die technologische Grundlage, um auf einen Blick sichtbar zu machen, welche Impfungen in nächster Zeit fällig werden.
Weitere Vorteile: Der e-Card-Impfpass schafft eine strukturierte einheitliche Impfdokumentation und somit Daten über Durchimpfungsraten. Die Sozialversicherung verspricht sich einen effizienteren Einkauf von Vakzinen für Kinderimpfungen. Durch eine einheitliche Impfdokumentation ist eine bessere Kontrolle von Interaktionen zwischen Impfungen und Medikamenten bzw. von unerwünschten Wirkungen durch Impfungen möglich.
Eine Machbarkeitsanalyse unter Leitung des Sozialmediziners Prof. Dr. Michael Kunze (AKH-Wien) hat nun einerseits die derzeitige Situation unter die Lupe genommen und andererseits die grundlegenden Anforderungen an einen elektronischen Impfpass ermittelt.

Aktuelle Impfsituation

Das Meinungsforschungsinstitut GfK Austria hat eine Repräsentativerhebung unter 4.000 Österreichern ab 15 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass 57 Prozent der Bevölkerung „manchmal“ bis „sehr oft“ auf die Auffrischung von Impfungen vergessen haben. Dr. Erich Laminger bringt es auf den Punkt, wenn er fragt: „Wer von uns weiß denn, welche seiner Impfungen noch wirksam sind?“ Jeder muss in seinem Impfpass nachsehen, wann er welche Impfung zuletzt in Anspruch genommen hat.
46 Prozent der Österreicher geben an, dass es schon vorgekommen ist, dass sie den Impfpass bei einem Arztbesuch nicht mitgehabt haben. 26 Prozent der Österreicher wissen davon, dass Vakzinationen nicht in den Impfpass eingetragen worden sind. Kunze resümiert: „In Summe ist die Erfassung der Impfdaten lückenhaft.“
Voraussetzung für den elektronischen Impfpass ist jedoch, dass eine verpflichtende elektronische Impfdokumentation durch Ärzte eingeführt wird. Die Erfassung und Speicherung der Impfdaten darf jedoch nur nach vorheriger freiwilliger Zustimmung des Patienten erfolgen (laut Umfrage würden dem 79 Prozent zustimmen, nur neun Prozent lehnen dies ab). Alle gespeicherten Daten müssen den Inhabern des elektronischen Impfpasses auch zugänglich und einsehbar gemacht werden.
Als Zusatznutzen soll ein Einladungs- und Recallsystem (per E-Mail, SMS oder Brief) eingeführt werden. Ein Service, das laut Umfrage auf große Akzeptanz stößt: 83 Prozent aller Österreicher halten es für „sehr“ bis „eher wichtig“, über anstehende Impfungen informiert zu werden (siehe Grafik).

 Grafik

Inge Smolek, Ärzte Woche 17/2008

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