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Gesundheitspolitik 17. April 2008

Krebspatienten oft benachteiligt

Mehr als 40.000 Menschen erkranken in Österreich Jahr für Jahr neu an Krebs. Die Krebshilfe fordert bessere Rahmenbedingungen zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen.

„Die Diagnose Krebs trifft meist wie ein Blitz ohne Vorwarnung und löst eine Art Schockzustand aus. Wichtig ist eine umfassende Begleitung, Beratung und Unterstützung“, betont Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe. Jährlich nehmen über 30.000 Menschen deren Angebote von den 40 Beratungsstellen in ganz Österreich in Anspruch.
Menschen mit Krebs zu motivieren, Unsicherheit, Scham und Angst zu überwinden und Unterstützung zu suchen, ist das Ziel einer neuen Kampagne der Krebshilfe mit dem Titel „Sie sind nicht allein“. Kiefhaber sieht die Notwendigkeit, das Beratungsangebot auszuweiten, aber auch „die Rahmenbedingungen zur Steigerung der Lebensqualität der Krebspatienten“ zu verbessern. Dazu sind freilich Geldmittel nötig, Investitionen, die sich bei langfristiger Rechnung nicht nur in menschlicher Hinsicht rechnen würden.

Neuregelung für Kuraufenthalte

Sinnvoll wäre zunächst eine Neuregelung bei den Anträgen für Kur- und Erholungsaufenthalte für Menschen mit Krebs. „Leider ist es nicht mehr möglich, aufgrund der Diagnose oder laufenden Behandlung eine Kur zu beantragen – dafür gibt es keine nachvollziehbaren Gründe“, ärgert sich Kiefhaber. In Österreich würde es zudem zu wenige spezifische Reha-Einrichtungen für Krebspatienten geben. Die meisten Angebote seien zu wenig auf deren Bedürfnisse und spezielle Situation abgestimmt, auch in fachlicher Hinsicht wäre eine schwerpunktmäßige Auseinandersetzung des Teams einer Reha-Einrichtung mit dem komplexen Thema aus verschiedenen Perspektiven wichtig.

Keine klaren Richtlinien

„In Deutschland gibt es klare Richtlinien, nach denen bei Krebsdiagnosen der Grad der Behinderung eingestuft und auch eine Invaliditätspension berechnet wird“, berichtet Kiefhaber. In Österreich würden solche transparenten und klaren Richtlinien fehlen. Zudem sollte es, so fordert die Krebshilfe, „für Krebspatienten während der Zeit des Krankenstandes und einer entsprechenden Nachfrist einen Kündigungsschutz nach dem Modell der ‚begünstigen Behinderten‘ geben.“ Muss ein Krankenstand immer wieder verlängert werden, sollten Entgeltfortzahlungen sichergestellt sein oder verschiedene Maßnahmen inklusive beruflicher Rehabilitation den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Eine Rückkehr ins Berufsleben müsste – nach geltenden Bestimmungen – sofort und in vollem Ausmaß geschehen, „in anderen europäischen Ländern ist vom Gesetz her ein stufenweiser Einstieg möglich mit einer schrittweisen Steigerung der prozentuellen Arbeitszeit“, betont Kiefhaber. Diese auch für andere chronische Krankheitsbilder wichtige Maßnahme würde die Gewöhnung an die Beanspruchung erleichtern sowie Krankenstände aufgrund von zu rascher Überlastung vermeiden.
In Österreich würde hier noch dringender Handlungsbedarf bestehen. Der Präsident der Krebshilfe Österreich, Prof. Dr. Paul Sevelda, ergänzt, „dass wir nach wie vor darum kämpfen, dass alle Krebspatienten Zugang zu den neuesten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen haben – unabhängig von sozialem Status, Einkommen, Religion oder Alter.“ Immer wieder würde es Hilferufe von Patienten geben, die einmal mehr einen abschlägigen Bescheid über die Finanzierung erhalten haben, obwohl die Wirksamkeit der Therapie wissenschaftlich erwiesen ist.
Für Sevelda ist völlig inakzeptabel, dass die Vorgangsweise bei Zustimmung oder Ablehnung von therapeutischen Maßnahmen in jedem Bundesland anders aussieht. Hier bräuchte es einheitliche Standards, die einen möglichst einfachen Zugang zu hochqualifizierter Versorgung und Betreuung sicher stellen. „Es ist immer wieder das Argument zu hören, dass wir uns solche Maßnahmen auch leisten können müssen. Das ist grundsätzlich richtig, aber man muss es sich auch leisten wollen!“ Sevelda fordert sofortige Weichenstellungen ein, damit dies auch so bleibt.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 16/2008

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