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Gesundheitspolitik 10. April 2008

Arzneimittel-Sicherheitsgurt

Nach guten Erfahrungen beim einjährigen Pilotprojekt Arzneimittel-Sicherheitsgurt in Salzburg soll das System Ende des Jahres auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Auch die Ärzteschaft soll mit ins Boot geholt werden.

Die Vermeidung von Leid durch falsche Mediamenteneinnahmen und mögliche Einsparungen von 150 Millionen Euro für das Gesundheitssystem sind die Ziele der Initiative der Österreichischen Apothekerkammer. Es wird geschätzt, dass jährlich mehr als tausend Patienten an den Folgen falscher Arzneimitteleinnahmen sterben. Jedes fünfte Medikament wird falsch, doppelt oder bei mangelnder Compliance gar nicht eingenommen. In der Pilotphase des Projekts wurden 383 schwere Wechselwirkungen – oft in Verbindung mit rezeptfreien Medikamenten – aufgedeckt. Am häufigsten warnte das Datenbanksystem bei Marcoumar in Kombination mit Aspirin, Multivitaminpräparaten und Mitteln gegen Osteoporose, sowie bei gewissen Antibiotika bei Patienten, die Cholesterinsenker einnehmen.
Im Zuge der drei bis vier Millionen Euro teuren Einführung des Arzneimittel-Sicherheitsgurts sollen alle 1.220 öffentlichen und 50 Krankenhaus-Apotheken ins System integriert werden. Auch für ärztliche Ordinationen wird eine Schnittstelle geschaffen. Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky betonte bei der Pressekonferenz vorigen Donnerstag: „Der Arzt bleibt bei verschreibungspflichtigen Arzneien erste Ansprechstelle für den Patienten.“
Der Arzneimittel-Sicherheitsgurt zieht die Daten der Pharmazeutischen Gehaltskasse für die Überprüfung von Medikamentenwechselwirkungen heran, die für die Verrechnung aller Rezepte im Rechenzentrum vorhanden sind. Der Schlüssel ins System ist unter Wahrung des Datenschutzes die
e-Card. Dr. Wolfgang Gerold, Obmann der Pharmazeutischen Gehaltskasse, meinte: „Damit bauen wir das erste Stück Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) und finanzieren die modernste übergreifende Gesundheitsdokumentation in Europa.“ Und er forderte von der Gesundheitsministerin eine Unterstützung durch die öffentliche Hand ein.

Inge Smolek, Ärzte Woche 15/2008

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