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Gesundheitspolitik 10. April 2008

Komplementärmedizin in der Ausbildung

Wer Komplementärmedizin anbietet, sollte eine möglichst breite Ausbildung dazu haben, die bereits im Studium beginnt.

„Es fehlen Qualitätskriterien für Komplementärmedizin. Egal ob ein Arzt eine Ausbildung in Akupunktur oder Homöopathie absolviert hat – er kann Nadeln stechen oder Globuli verordnen“, meint Dr. Walter Glück, Leiter des Referats für Komplementärmedizin der niederösterreichischen Ärztekammer. Aus seiner Sicht wäre es aber wichtig, dass „Prophylaxe und Therapie mit Komplementärmedizin stärker in das Repertoire ärztlichen Handelns integriert werden. Und zwar mit gesicherter Qualität in Ausbildung und Ausübung.“

Qualitätskriterien sind wichtig

Dr. Bettina Reiter, Geschäftsführerin der Wiener internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin (Gamed), verweist in diesem Zusammenhang auf die ausführlichen Qualitätskriterien der Gesellschaften z. B. für Akupunktur oder Homöopathie: „Es ist sicher nicht so, dass es hier eine grenzenlose Beliebigkeit gibt. Es wird sehr genau dokumentiert – und auch nach außen hin kommuniziert –, wer welche Ausbildungen und Fortbildungen absolviert. Und es gibt auch Qualitätskriterien für die konkrete ärztliche Arbeit.“ Dazu entgegnet Glück, dass es zwar Qualitätskriterien gebe, aber die Realität in der Praxis eine andere Angelegenheit sei: „Diese Kriterien sind keine Muss-Bestimmung.“

Integration ins Medizinstudium

Eine Ausbildung in einer einzelnen Methode sei für eine stärkere Integration der Komplementärmedizin in das ärztliche Handeln jedenfalls zu wenig, findet Glück. Aber der hohen Zeitaufwand für die einzelnen Lehrgänge mache es schwierig, mehrere Diplome zu erwerben. Glück: „Die Vermittlung von Komplementärmedizin im Medizinstudium ist längst überfällig.“ Ein breites und fundiertes Basiswissen sei nötig, um Vorteile und Stärken der verschiedenen Methoden besser nutzen und verknüpfen zu können.
Dem stimmt Reiter grundsätzlich zu: „Ein erster Ansatz in der universitären Ausbildung ist etwa eine in Wien angebotene Ringvorlesung, die einen breiten Überblick zur Komplementärmedizin gewährt.“ Die Gamed bietet außerdem den Lehrgang „integrative Medizin“ für Ärzte und Pflegepersonal der Spitäler des Krankenanstaltenverbundes an, den Turnusärzte gerne besuchen“, berichtet Reiter. Die Ganzheitsmedizinerin ist aber überzeugt, dass es noch deutlich mehr Möglichkeiten braucht, damit das Wissen über Komplementärmedizin strukturiert und institutionalisiert in die ärztliche Aus- und Fortbildung mit aufgenommen werden kann. Beispielsweise post-graduate-Angebote, wie ein von der niederösterreichischen Ärztekammer unterstützter Lehrgang an der Donau Universität Krems. Der „Master of Science – natural medicine“ kann in zwei Stufen innerhalb von sechs Semestern berufsbegleitend erworben werden. Inhalte sind u. a. Homöopathie, Phytotherapie, manuelle Methoden sowie Regulationstherapie und ebenso Traditionelle Europäische Medizin (also etwa Klostermedizin und altes regionales Heilwissen).
Auch die Gamed bietet Lehrgänge und Seminare an, ein neuer Lehrgang für Ärzte und Gesundheitsberufe ist an der Fachhochschule Burgenland geplant. Fortbildungen gibt es zudem zum neuen Spezialdiplom der Ärztekammer orthomolekulare Medizin, zur Ayurveda-Medizin sowie zu integrativen Ansätzen in der Kurmedizin.
„Wichtig ist, dass es bei sicher noch auszubauenden Angeboten im post-graduate Bereich nicht nur um einen bestimmten Titel geht, der auf einem Diplom steht, sondern um die gesicherte Qualität der Angebote“, betont Reiter.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 15/2008

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