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Gesundheitspolitik 10. April 2008

Heimärzte brauchen bessere Rahmenbedingungen

In Alters- und Pflegeheimen gibt es für Ärzte immer mehr zu tun. Umso wichtiger wäre es, die Arbeitsbedingungen für Heimärzte zu verbessern und das neue Berufsbild auch in der Ausbildung zu berücksichtigen.

Der Anteil an Menschen mit hohem Pflegebedarf, die in einem Alters- oder Pflegeheim leben, steigt weiter stark an. Es gibt inzwischen Heime, die eher an geriatrische Facheinrichtung erinnern, auch mit speziellen Abteilungen für Appalliker, Beatmungspflichtige und Hospizpatienten. Die Ausstattung der Heime hat sich in ähnlicher Weise verändert wie das Ausmaß der notwendigen medizinischen Versorgung. Diese kann auf Dauer – vor allem in der entsprechenden Intensität und Art der zeitlichen Verfügbarkeit – nicht mehr allein von niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten sinnvoll bewältigt werden.
In Niederösterreich gibt es bereits seit den 90er Jahren Heimärzte für die kurative Tätigkeit. Sie sind in unterschiedlichem Ausmaß in Form von Anstellung oder Werkverträge beschäftigt und haben sich 1998 in einer Arbeitsgemeinschaft organisiert. „Lange wurden wir als Gruppe auch von der Ärztekammer nicht wirklich ernst genommen bzw. ausreichend unterstützt“, blickt Dr. Eva Schütz zurück, selbst seit zehn Jahren angestellte Heimärztin.
„Die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit als Heimarzt sehen sehr unterschiedlich aus“, berichtet Schütz. Abhängig von der Größe des Heimes bzw. seinen Schwerpunkten gibt es unterschiedliche Lösungen. So macht es etwa Sinn, dass in einem großen Haus wie Mödling mit 230 Bewohnern und Bewohnerinnen die medizinische Versorgung der Pflegeabteilungen durch eine angestellte Heimärztin abgedeckt wird, während die mobileren Bewohner des Wohnbereichs durch niedergelassene Allgemeinmediziner behandelt werden.
„Es ist ziemlich kompliziert, wenn der angestellte Heimarzt die Versorgung sicherstellt, sich bei der Rezeptierung aber an die betreuenden niedergelassene Ärzte wenden muss – hier braucht es sicher noch Verbesserungen in der Kooperation. Klarere und einheitlichere Rahmenbedingungen für die Tätigkeit der Heimärzte würden dies unterstützen.“
Auch die niedergelassene Dermatologin Dr. Regina Lindlbauer, zuständige Referatsleiterin in der niederösterreichischen Ärztekammer, fordert Verbesserungen für die arbeitsrechtliche Situation der Heimärzte: „Dabei geht es auch um die Regelung und Bezahlung der Rufbereitschaft sowie die Honorierung von zusätzlich erworbenen Fähigkeiten – zum Beispiel in Palliative Care und Hospizarbeit.“

Verschlechterung durch Vertrag

Das Land Niederösterreich hatte kürzlich den Entwurf eines Dienstvertrages für Heimärzte präsentiert, der, wie Lindlbauer betont, „für viele eine deutliche Schlechterstellung vor allem gegenüber den länger tätigen Heimärzten bringen würde“. Positiv zu bemerken ist, dass im Gegensatz zu den bisherigen Verträgen im neuen Entwurf des Landes erstmalig Lohnvorrückungen vorgesehen sind, wie sie im öffentlichen Dienst selbstverständlich sind. „Wichtig wären einheitliche Mindeststandards für alle Heimärzte“, unterstreicht Lindlbauer.
Aber es geht nicht nur um Niederösterreich: „Eigentlich sollte in jedem Heim mit mehr als 100 Bewohnern und Bewohnerinnen ein Heimarzt angestellt sein“, findet Schütz. Es ist ein neues Berufsbild, auf das auch bereits in der Ausbildung Rücksicht genommen werden müsste – etwa durch Famulaturen oder Lehrpraxiszeiten in Pflegeheimen bzw. Schwerpunkte in der Turnusärzteausbildung.

Bessere Versorgungsqualität

„Wenn es einen Heimarzt gibt, verbessert das die Qualität und Kontinuität der medizinischen Versorgung“, betont Schütz. „Auch in den Pflegheimen mit angestellten Heimärzten haben die Bewohner die Möglichkeit der freien Arztwahl, die gute Zusammenarbeit mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten ist uns als Heimärzte wichtig. Es könnten neue Jobs für Mediziner entstehen, auch Teilzeitarbeitsplätze“, betont Schütz.
Damit sich ein Arzt aber auf eine solche Tätigkeit gut einlassen kann, werden eben entsprechend gute und sichere Rahmenbedingungen benötigt. „Daher sind die Verhandlungen mit dem Hauptverband zur Vereinbarung der Pauschalsätze für uns wichtig. Die Pflegeheime mit angestellten Heimärzten finanzieren ärztliche Versorgung und medikamentöse Therapie über diese Zahlungen. „Momentan sind die Sätze eindeutig zu niedrig und alles andere als eine Motivation für den Heimerhalter, sich für eine Ausweitung der Anstellungsverhältnisse zu engagieren“, so Schütz. Die Ärztekammer hat jedenfalls angekündigt, die Heimärzte in ihren Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen stärker zu unterstützen.
Von den Verhandlungen könnten sich auch Impulse für andere Bundesländer wie ergeben. So wird in Oberösterreich schon lange über die Einführung des Heimarztes diskutiert, die aber bisher im breiten Ausmaß auch an den oft ungünstigen Arbeitsbedingungen und unklaren rechtlichen Gegebenheiten scheiterte.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 15/2008

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