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Gesundheitspolitik 3. April 2008

Blickdiagnose: Was die Bürokratie kostet

Zu viele und zu teure Chefärzte, zu viele und zu teure Funktionäre und kein Geld für die Versicherten und Vertragspartner. Immer wieder wird den Krankenkassen vorgeworfen, dass sie zu viel für Verwaltung ausgeben. Doch was ist viel? Und was bringen Einsparungen? Vergleiche zeigen, dass die Kassen, gemessen an privaten Versicherungen und Unternehmen, gut im Rennen liegen. Dennoch fragt sich, ob neun Krankenkassen und vier Sonderversicherungsträger in einem kleinen Land wie Österreich sinnvoll sind. Und ob Fusionen nicht allen Betroffenen gut tun würden.

In Kürze wollen die Sozialpartner und die Regierung ihr Reformpaket zur Kassensanierung vorlegen. Davor haben zuletzt immer wieder – mehr oder weniger kompetente – Experten Vorschläge präsentiert. Dabei wurden oft die Kassen für den Verwaltungsaufwand kritisiert. Doch wie sieht es tatsächlich damit aus?

Es ist eine echte Überraschung –und dann doch auch wieder nicht. Sieht man sich die vorläufige Bilanz der Kassen im Vorjahr genauer an, so fällt eines auf: Nicht der Aufwand für ärztliche Honorare oder Arzneimittel ist – prozentuell – am stärksten gestiegen, sondern der Aufwand für die Verwaltung. Um satte 10,4 Prozent nahm der Verwaltungsaufwand zu, die – absolut wesentlich höheren – Ausgaben für Arzneimittel „nur“ um 8,2 Prozent und jene für ärztliche Hilfe um 5,6 Prozent. Beachtet werden muss dabei aber, dass nach Antritt der Regierung Schüssel 1 im Jahr 2000 die Verwaltungskosten der Kassen eingefroren worden sind. Es bestand also zwangsläufig auch ein gewisser Nachholbedarf.
Die zentrale Frage ist allerdings eine andere: Wie hoch ist der Verwaltungsaufwand der Kassen tatsächlich und ist das zu viel oder gerechtfertigt? Im Jahr 2006 – die offiziellen Daten für 2007 liegen noch nicht komplett vor – machten die Verwaltungsausgaben der Krankenversicherungen 345 Millionen Euro aus. Das sind 2,8 Prozent der gesamten Einnahmen. Und eine Steigerung in zehn Jahren von 6,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen in diesem Zeitraum um 123 Prozent, jene für ärztliche Hilfe um 45,4 Prozent. Auch insgesamt ist der Verwaltungsbereich jener Bereich mit den mit Abstand niedrigsten Zuwachsraten seit 1996.
Insgesamt kostete laut Statistik Austria die Verwaltung des öffentlichen Gesundheitswesens – also inklusive Länder und Kommunen – im Jahr 2005 rund 557 Millionen Euro. Vergleicht man dies mit den privaten Versicherungen, so wird rasch klar, dass es die Kassen recht günstig machen. Laut Statistik Austria gaben die privaten Versicherungen im Jahr 2005 nämlich 417 Millionen Euro für Verwaltung aus – also mehr als die öffentlichen Krankenkassen allein. Gleichzeitig verwalteten diese aber ein Volumen von mehr als zwölf Milliarden Euro, während die privaten gerade einmal auf 5,4 Milliarden gekommen sind. Bleibt die Frage, ob eine Zusammenführung von Versicherungsströmen zwischen Ländern und Krankenkassen oder ein Zusammenlegen von Krankenversicherungen nicht helfen würde, weiter Kosten zu senken. Letzteres wird im aktuellen Regierungsprogramm auch angedacht.
Gerade im Bereich der Gebietskrankenkassen wäre eine Finanzierung aus einer Hand und damit auch nur eine Kasse durchaus sinnvoll im Hinblick auf eine Reduktion der Verwaltungskosten und mehr Effizienz. Gegner kritisieren allerdings, dass dies auch Nachteile hätte. Zum einen würden alle Leistungsanbieter plötzlich einem noch übermächtigeren Zahler gegenüber stehen als bisher. Zum anderen würde dann der Vergleich der einzelnen Kassen und damit auch ein Benchmark fehlen. Gerade dieser hat aber, wie der jüngste Rechnungshofbericht über den Vergleich der Oberösterreichischen und der Wiener Gebietskrankenkasse gezeigt hat, durchaus das Potenzial, als natürlich geltende Dinge in Frage zu stellen.
Es ist also sicher genau zu prüfen, welche möglichen Folgen mit der Einsparung von ein paar Millionen beim vergleichsweise geringen Verwaltungsaufwand der Kassen verbunden sind.

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