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Gesundheitspolitik 3. April 2008

Entlohnung nach Aufwand

Eine Novelle des Gebührenanspruchsgesetzes würde die Chance bieten, für die gutachterliche Tätigkeit von Ärzten endlich gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Vor vier Jahren gab es letztmalig eine Erhöhung der gutachterlichen Tarife um 17 Prozent – aber diese Tarife sind nach wie vor viel zu niedrig. So werden für eine körperliche Untersuchung etwa 25,40 Euro 40 gezahlt – das ist in den meisten Fällen überhaupt nicht kostendeckend, von einem Gewinn ganz zu schweigen“, kritisiert Dr. Hans Diemath, Leiter des Gutachterreferats der Österreichischen Ärztekammer. Die Gerichte wären ja auf ordentliche Gutachten angewiesen – „es wird zu Recht eine hohe Qualität erwartet, gleichzeitig soll das aber möglichst nichts kosten, eine Schere, die immer weiter auseinandergeht.“
Dies zeige sich etwa im Bereich der Unterbringung auf psychiatrischen Abteilungen – es sei immer schwieriger, Ärzte zu finden, die innerhalb kurzer Zeit zwei unabhängige Gutachten verfassen. „Es drohen der Republik Klagen, weil es hier immer öfter zu zeitlichen Verzögerungen kommt“, meint Diemath. Dabei geht es hier sowohl um den Bereich der höchstpersönlichen Rechte als auch um die Beurteilung der „Gefährlichkeit“ eines Menschen mit psychiatrischen Symptomen.
Derzeit wird über eine Novelle des Gebührenanspruchsgesetzes verhandelt – „das Justizministerium kennt und versteht unsere Position“, meint Diemath. Trotzdem könnten sich die Rahmenbedingungen noch erheblich verschlechtern: So wäre ein medizinischer Gutachter künftig auch in wenig aufwändigen Fällen verpflichtet, bereits im Vorfeld einzuschätzen, ob das Honorar für seine Tätigkeit eine bestimmte Höhe überschreiten wird – unterlässt er dies, könnte der Verlust der gesamten Gebühr drohen. Geplant ist, genauer festzulegen, welchen Umfang gutachterliche Schriftstücke haben müssen. Entsprechen sie nicht gewissen Vorgaben, droht dem Sachverständigen künftig eine Kürzung des Honorars oder eine Leistung zum „Privatvergnügen“. Mit dieser Novelle hätten Gerichte außerdem die Möglichkeit, getrennte neurologische und psychiatrische Gutachten als ein Gutachten zu honorieren – ebenfalls eine drohende Verschlechterung für einen sehr sensiblen Bereich der Medizin.
Diemath plädiert für eine ganz neue Lösung des Problems: die Bezahlung „auf Basis der tatsächlich erbrachten Leistung, also auch aufgrund der aufgewendeten Stunden“. Denn momentan macht es eigentlich keinen Unterschied, wie viel Arbeitszeit in einem konkreten Gutachten steckt – „jeder Installateur wird nach Stunden bezahlt – und hier geht es um einen sehr wichtigen Bereich der Medizin, in den auch dringend entsprechend investiert werden sollte“, fordert Diemath.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 14/2008

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