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Gesundheitspolitik 19. März 2008

Verhandlungen über steirisches Bereitschaftsmodell

In immer mehr Regionen der Steiermark finden sich keine Ärzte mehr, die bereit sind, kostenlos Bereitschaftsdienste zu leisten. Mit dem Land wird über ein neues Modell verhandelt.

In den steirischen Medien wird in der letzten Zeit immer wieder auf Lücken und Probleme in den ärztlichen Bereitschaftsdiensten unter der Woche hingewiesen. Dazu der Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Steiermark, Dr. Jörg Garzarolli: „Viele Jahrzehnte hat der freiwillige, unbezahlte Bereitschaftsdienst meist klaglos funktioniert. Aber inzwischen sind die Belastungen zu groß geworden, die Ärzte können einfach nicht mehr.“ Ursachen seien der stark gestiegene und weiter zunehmende administrative Aufwand und „dass Patienten vermehrt die späten Abendstunden nutzen, um sich Wartezeiten während der normalen Ordinationszeiten zu ersparen“, analysiert Garzarolli.
„Patienten kommen vermehrt am Abend, um sich Wartezeiten zu ersparen.“
Aufgrund der wachsenden Probleme bei den Bereitschaftsdiensten unter der Woche hat inzwischen auch das Land Interesse an der Etablierung eines bezahlten Bereitschaftsdienstes bekundet, wie er in den anderen Bundesländern – mit Ausnahme von Tirol, wo, wie die Ärzte Woche berichtete, derzeit ebenfalls verhandelt wird – längst Realität ist. Auf eine rasche Lösung des Problems drängen vor allem auch die Gemeinden. Diese haben – ebenfalls ähnlich wie in Tirol – zunehmend Schwierigkeiten mit dem Auslaufen des Modells des Distriktsarztes und müssen sich Leistungen wie die Totenbeschau und viele andere Bereiche oft selbst organisieren.
Ende des Vorjahres hat eine ärztliche Arbeitsgruppe ein Modell präsentiert, das von der Kurie beschlossen wurde. „Wir fordern eine entsprechend hohe Bereitschaftsdienstpauschale, die es den Ärzten ermöglicht, im Bedarfsfall auch eine Vertretung zu organisieren und zu bezahlen“, unterstreicht Garzarolli. Weiters soll die Zahl der Sprengel deutlich reduziert werden, womit auch die Häufigkeit der Nachtdienste sinken würde. Für die größeren Gebiete soll das etablierte Modell des Grazer Ärztenotdienstes als Vorbild dienen: Ein Arzt macht in seiner Ordination Dienst, betreut dort Patienten und kann im Bedarfsfall auch eine Visite eines anderen Kollegen telefonisch organisieren. Für die Hausbesuche wünscht sich die Ärztekammer wie in Graz einen eigenen Fahrer.

Grazer Ärztenotdienst-Lösung als Modell

Auch die Finanzierung des neuen Modells des Bereitschaftsdienstes unter der Woche soll sich an der Grazer Lösung orientieren: Dort werden die Grundkosten vom Land übernommen, die Kassen zahlen die einzelnen Leistungen. Für die Totenbeschau würden dann die einzelnen Gemeinden das Honorar tragen. Die Standesvertretung rechnet mit „überschaubaren Mehrkosten in der Höhe eines einstelligen Millionenbetrags“ durch das Modell.

Bei den Sprengeln

soll die geografische Situation berücksichtigt werden.
Verhandelt wird derzeit, wie konkret die Sprengel aussehen sollen, „dabei wird auch die jeweilige geografische Situation und Verkehrsinfrastruktur berücksichtigt und nicht nur die Zahl der potenziell zu versorgenden Patienten“. Garzarolli kündigt an, dass das gesamte Modell im Laufe des März mit allen Bezirksärztevertretern nochmals analysiert und diskutiert wird. Die Ärzte sollen selbst entscheiden, ob sie sich am Bereitschaftsdienstrad beteiligen, wobei sich auch Wahlärzte einbringen können sollen. Sicher nicht involviert werden Spitalsärzte, denn, so erklärt Garzarolli, „aktuelle Umfragen haben gezeigt, dass diese durch ihre Dienste in den Krankenhäusern ohnehin sehr stark ausgelastet sind“.
Das neue Modell soll spätestens Mitte des Jahres stehen – die Gespräche mit dem Land würden sich sehr konstruktiv und vielversprechend gestalten.
Parallel laufen Bemühungen zu einer besseren Koordination der fachärztlichen Versorgung, vor allem in den klassischen Urlaubsperioden. Die Schließungszeiten der Ordinationen sollen auf freiwilliger Basis besser aufeinander abgestimmt werden – umgesetzt wird dies hauptsächlich in den Ballungsräumen, wo es mehrere fachärztliche Praxen in relativer Nähe zueinander gibt.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 12/2008

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