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Gesundheitspolitik 21. Februar 2008

Wie sinnvoll sind Gesundheitstage?

Fast täglich gibt es irgendwo eine Veranstaltung, die einer bestimmten Krankheit gewidmet ist. Um gesundheitspolitisch sinnvolle Resultate zu erzielen, ist ein starker Bezug zum extramuralen Bereich notwendig.

In Salzburg gibt es seit acht Jahren die „Vorsorgetage“ – im vergangenen November beteiligten sich daran mehr als 200 Ärzte. „Wir haben eigentlich sehr klein angefangen. Aufgrund des starken Zulaufs wurde das Programm rasch ausgebaut, wofür wir uns auch verschiedene Kooperationspartner ins Boot holen mussten“, berichtet Dr. Peter Kowatsch, Vorsorgereferent der Salzburger Ärztekammer. In den letzten drei Jahren waren diese Vorsorgetage Programmteil der großen Messe Gesund & Wellness im Salzburger Messezentrum.

Was haben Ärzte mit Whirlpools zu tun?

„Am Anfang waren ausschließlich niedergelassene Ärzte beteiligt, dann ergab sich eine intensive Kooperation mit den Ärzten der Salzburger Landeskliniken“, so Kowatsch. Von den beteiligten Ärzten kamen zuletzt kritische Rückmeldungen in Bezug auf den Rahmen: Was haben Ärzte mit Anbietern von Whirlpools oder Wellnesshotels zu tun?
Für Kowatsch ergeben sich einige weitere wichtige Fragen: „Wer profitiert eigentlich von den kostenlosen Beratungen und Leistungen der Salzburger Ärzte? Wirkt die Veranstaltung quasi als zusätzlicher Magnet auf die ohnehin überrannten Angebote der Ambulanzen der Landeskliniken? Wie wirkt sich das Angebot auf die Position des Hausarztes und der niedergelassenen Fachärzte vor Ort durch solche Angebote aus?“ Fakt ist: Bei dergleichen Gesundheitstagen werden durch die Möglichkeiten der Beratung und Untersuchung bestimmter Werte auch verschiedene Diagnosen gestellt bzw. ein Verdacht geäußert: etwa Diabetes, abklärungsbedürftige Befunde in den Bereichen der Hepatologie und Nephrologie, erhöhte PSA- und Cholesterinwerte, pathologische Kreatinin-Befunde, Glaucome und andere Augenerkrankungen. Die Frage ist nur: Lassen sich diese Patienten dann tatsächlich weiter untersuchen und behandeln?
Dazu sagt Dr. Thomas Diller, Geschäftsführer des Salzburger Arbeitskreises für Vorsorgemedizin (AVOS): „Angebote wie die ‚Gesundheitstage‘ haben zunächst sicher große Effekte auf die Bewusstseinsbildung, Gesundheit und gesunder Lebensstil bleiben ein Thema. Viele Menschen gehen dorthin nach dem Motto: ‚Ich lasse mir bestätigen, dass ich ohnehin gesund bin‘ – kritische Diagnosen wirken dann wie ein Schuss vor dem Bug und rütteln durchaus auf.“
AVOS hat auch viele Erfahrungen mit dem Einsatz von sogenannten Gesundheitsstraßen bei regionalen Gesundheitstagen gesammelt: „Es ist dort sehr wichtig, dass vor allem auch niedergelassene Ärzte aus der Region präsent sind.“ Denn dies sind ja dann die Ansprechpartner, an die sich ein Mensch mit ‚auffälligen‘ Werten wenden kann. „Die Schwelle zum Krankenhaus kann jedenfalls sehr hoch sein und der leichtere Zugang zum Allgemeinmediziner oder niedergelassenen Facharzt ist sehr wichtig. Sie sind es, die Ängste abbauen, Vertrauen schaffen sowie die optimalen Behandlungs- und Betreuungspfade organisieren.“

Probleme früh erkennen

Für Kowatsch problematisch ist, „dass die niedergelassenen Ärzte bei solchen Gesundheitstagen meist gratis ihre Zeit zur Verfügung stellen, wohingegen Spitalsärzte dies in ihrer Arbeitszeit machen können.“ Es wäre im Sinn einer ernstgemeinten Politik einer niederschwelligen Gesundheitsförderung, dass auch niedergelassene Ärzte für diese Tätigkeit Honorare bekommen können.
„Hier geht es ja wirklich darum, Probleme in einem sehr frühen Stadium zu erkennen – oft können schon Änderungen des Lebensstils eine ausreichende Intervention darstellen. Dies erspart kurz- und langfristig gesehen viele Behandlungskosten sowie entlastet auch das soziale System“, betont Diller.
Grundsätzlich also ein deutliches Ja zu Großveranstaltungen wie den Salzburger Gesundheitstagen – aber „mit maßgeblicher Einbeziehung der ärztlichen Anbieter vor Ort, die eine langfristige wohnortnahe Betreuung sicherstellen können“, so Diller.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 8/2008

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