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Zahnheilkunde 21. Juli 2008

Psychische Veränderungen aus dem Kieferbereich

 Testpunkt
Testpunkte limbisches System ...

Klassischerweise kennen wir zwei Auswirkungen psychischer Probleme auf unser Fach: Mundbrennen und Speichelveränderungen können Folgen einer larvierten Depression sein. Antidepressiva führen oft zu Mundtrockenheit mit Zahnhalskaries. Weniger bekannt sind psychische Nebeneffekte aus unserem Bereich, sie sind eher selten, aber nicht harmlos.
Prinzipiell handelt es sich um chemische Prozesse, um Dysbalancen der Neurotransmitter, genetische Disposition spielt eine Rolle, aber eben auch Mediatorsubstanzen und Toxine. Natürlich helfen die üblichen Maßnahmen, aufbauende Maßnahmen von ausdauernder Bewegung in der Natur bis zu Streicheleinheiten, Einkaufstouren oder Gesprächen und verschiedenen Psychotherapien, aber eher langsam und oft nicht ausreichend.
Homöopathika sind schon erfolgreicher, sie können auch chemisch eingreifen, weil sie die enzymatische Umsetzung der genetischen Information beeinflussen können. Gerade bei Störungen aus dem Kieferbereich steht aber die Beseitigung der Ursache an oberster Stelle.

Depressive Verstimmung

Gleich vorweg: Ein Hauptstörfaktor ist die intestinale Mikroflora, die ja mit den resultierenden Resorptionsstörungen viele Folgen hat. Wird Tryptophan nicht resorbiert, entsteht nicht nur direkt ein Mangel am Glücksbotenstoff Serotonin, sondern als Abbauprodukt werden die Darmschadstoffe Indol und Scatol gebildet, die die Stimmung verschlechtern. Dazu kommen dann Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die biogene Amine und damit körperliche Symptome auslösen – die Patienten werden teils unruhig, teils müde und antriebslos, auch Burnout kann sich entwickeln.
Chronische Entzündungen haben ähnliche Wirkungen: Tryptophan wird zu Kynurenin abgebaut und ausgeschieden, es steht zu wenig für die Bildung von Serotonin und Melatonin zur Verfügung. Ein Zahnherd oder eine Kieferostitis kann also über eine Veränderung des Aminsäurestoffwechsels depressive Verstimmung und Müdigkeit auslösen. Langfristig hilft hier nur eine endodontische oder chirurgische Sanierung.
Amalgam ist bekannt für depressive Wirkung. Hier dürfte die Hauptwirkung eine Störung des tubulären Transportsystems sein, Quecksilber dockt an die Rezeptoren an und löst sich nur mehr extrem schwer. Bei der Amalgamsanierung kommt es manchmal zu starken Stimmungsschwankungen, auch emotionale Hochschaubahn genannt. Wörtliche Beschreibungen von Patienten lauten: die Welt wird bunter, als ob jemand einen Grauschleier weggezogen hätte, die Seite ohne Amalgam fühlt sich leichter an. Diese Schilderungen sind häufig, ziemlich gleichlautend und kommen von psychisch sehr unterschiedlich strukturierten Patienten.

Möglichkeiten zur Behandlung

Wegen der unterschiedlichen Ursachen lohnt es sich, den Zusammenhang mit der Stimmungslage im Biotest herzustellen. Dafür eignen sich die emotionalen neurovaskulären Punkte des Magens (Stirnhöcker), die Reflexpunkte für das limbische System (Hypothalamuspunkte) oder der Punkt Jerome aus der Ohrakupunktur.
Begleitend antidepressiv können auch Farben eingesetzt werden, wie z. B. Gelb und Orange (etwa bei Licht, Kleidung, Tapeten ...). Phytotherapeutika blühen meist gelb und wirken zudem antidepressiv, etwa Hypericum (Johanniskraut), das auch homöopathisch gut einsetzbar ist, oder die Bachblüte Mustard (Ackersenf). Bei Angstbeteiligung kommen homöopathisch Phosphor oder Phosphorsalze zum Einsatz. Serotoninfördernde Nahrungsmittel sind Schokolade und Bananen.
Orthomolekular kann man B-Vitamine, Magnesium, Zink oder die Aminosäure Tryptophan verordnen. Auch Lachsöl (Prostaglandinvorstufe) wirkt stabilisierend.
Manchmal ist es sinnvoll, schulmedizinische Mittel einzusetzen und nach einigen Monaten wieder zu reduzieren. Die größte Gefahr besteht darin, dass die Antriebssteigerung gelingt, die Depression aber bleibt, damit sind Patienten suizidgefährdet. Die Zusammenarbeit mit gut ausgebildeten Allgemeinärzten oder Psychiatern empfiehlt sich.

Manie

Die Manie wird am häufigsten als zyklische Erkrankung erfasst. Das Haupttherapeutikum hierfür ist Lithium.
Wesentlich häufiger sind Unruhe, Überdrehtheit, mangelnde Erholung. Hier spielen ungünstiger Lebensstil und Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine große Rolle, aber auch dentale Metalle, die über die Zytokinzusammensetzung die Entzündungsbereitschaft und die Erregungsschwelle senken (tolerierte Sensibilisierung). Ob tatsächlich eine Zytokinverschiebung durch Metalle ausgelöst wird, kann über einen Bluttest feststellt werden: Zytokinprofil (www.imd-berlin.de). Gold wirkt außerdem sympathikoton und entspricht homöopathisch dem Siegertyp, Palladium und Platin machen überheblich.
Therapieversuche, bevor man sich zum Materialwechsel entschließt, wären Entspannungsübungen, Akupunktur, Schmuck in der Nacht ablegen. Blaulicht. Homöopathisch kann Goldhochpotenzen, Mercurius eingesetzt werden. Immunmodulierende Kräuter sind Taigawurzel, Teufelskralle, Shiitake. Beim orthomolekularen Ansatz kommen Zink, Kalzium, Magnesium, Vitamine B und C sowie die Aminosäure Glutamin als Vorstufe des inhibitorischen Neurotransmitters Gamma-Amino-Buttersäure (GABA – kann die Überreaktionen bremsen) zum Einsatz.
Die Unruhe führt oft auch zu Bruxismus mit parodontalen und Kiefergelenksproblemen, zusätzlich zu den psychisch wirkenden Maßnahmen sollen hier Bindegewebsmittel und eventuell eine Schienentherapie erfolgen.

Dr. Eva-Maria Höller, Zahnarzt 7/2008

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