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Zahnheilkunde 4. März 2008

Materialien mit Sorgfalt testen

Immer wieder rufen Patienten an und wollen kurz vorbeikommen, damit ich schnell teste, welche von vier Materialproben für die geplante Sanierung optimal wäre – das ist aber leider der unrealistische Ansatz von Laien mit kinesiologischen Crashkursen. Diejenigen, die die Kurse abhalten, machen sich das Leben auch nicht allzu schwer, sie beraten ja nur Kunden und tragen deshalb keine medizinische Verantwortung.
Wir Ärzte müssen die Problematik natürlich anders sehen, da wir schließlich zur Anamnese verpflichtet sind und daraus gefährdete Patienten erkennen und auf eventuelle Gefahren hinweisen müssen. Ergibt sich kein Verdacht auf mögliche Materialprobleme, genügt es natürlich, hoch qualitative Zahnheilkunde anzuwenden.Auch bei mir bekommt nicht jeder neue Patient ganzheitliche Tests aufgedrängt – dazu hätten wir auch gar nicht die Kapazität. Bestehen jedoch schon mehrere Unverträglichkeiten und Allergien, wäre eine Absicherung anzuraten. Viele Patienten sind auch durch Erfahrungen Bekannter oder Medienberichte verunsichert und wünschen sich vor einer aufwändigen Versorgung eine Austestung. Diese darf sich nicht auf die Testung von einigen Materialien beschränken, sondern muss den Gesamtzustand des Körpers erfassen. Zum einen kann ein stark belasteter Organismus Fehler im Test verursachen und wir bekommen dann falsche Antworten. Zum anderen ist solch ein Test eine Momentaufnahme und kann sich durch Zusatzbelastungen rasch ändern.
Was wir verantwortungsbewusst untersuchen können, sind eigentlich der Zustand und die Regulationsfähigkeit des Individuums.

 Composite Materialien
Composites sind chemisch sehr ähnlich, aber unterschiedlich verträglich.

Foto: Dr. Eva-Maria Höller

Welche Möglichkeiten liegen vor?

Bei einer mäßigen Gesamtbelastung des Patienten und einer ausreichenden Möglichkeit, zusätzliche Belastungen zu tolerieren, dürfen wir uns guten Gewissens der technischen Möglichkeiten funktionell und ästhetisch perfekter Zahnmedizin bedienen.
Bestehen schon diverse Unverträglichkeiten, könnte man theoretisch das gerade noch verträgliche Material auswählen. Allerdings besteht die Gefahr, dass dann noch etwas dazukommt – ein Infekt, eine psychische Belastung wie etwa eine Scheidung, eventuell das neue Material selbst. Dann reicht die Regulation plötzlich nicht mehr aus. Nichtmediziner und auch Allgemeinärzte neigen in einer solchen Situation dazu, alle Schuld den Zahnärzten zuzuweisen und ein neues Material zu empfehlen. Gab es ernsthafte Hinweise auf ein Materialproblem, die der zahnärztliche Kollege nicht beachtet hat, kann es nun zu zeit und kostenaufwändigen Verfahren kommen.Das Gegenargument, dass viele Patienten keine Probleme mit Amalgam oder Dentallegierungen haben, ist nicht stichhältig. Schließlich sind auch Erdbeeren oder Nüsse nicht an sich giftig, sondern werden bei genetisch oder durch Überlastung schlecht funktionierenden Enzymsystemen unverträglich.
Der richtige Weg kann daher nicht nur über die Auswahl der Dentalmaterialien führen. Wir kennen zahlreiche Fälle, wo nach einer (richtig durchgeführten) Amalgamsanierung erst Palladium, später Platin und auch Dualkleber zum Problem wurden. Manche Komplementärmediziner empfahlen Kunststoffkronen mit Phosphatzement, andere herausnehmbare Prothesen aus Vinylpolymerisaten. Dazu kommt, dass Patienten, die hochwertige Materialien nicht vertragen, immer auch Schwierigkeiten mit Nahrungsmitteln, Umweltgiften (Pflanzenschutzmittel, Möbelkleber, Lösungsmittel …) oder gar Duft und Farbstoffen haben.

Kinesiologische Methoden nicht immer Erfolg versprechend

Kinesiologen neigen dazu, bis zu 200 Nahrungsmittel zu testen, einen Diätplan zu erstellen und die „Allergien“ wegzuklopfen oder mit Bioresonanz zu löschen. Dies führt oft dazu, die Unverträglichkeiten zu verschieben und sich schwerwiegendere Probleme einzuhandeln. Solche Methoden in der Auswahl der Dentalmaterialien sind ebenfalls nicht Erfolg versprechend: Schwierige Bissverhältnisse durch materialtechnische Notlösungen verbessern weder die Lebensqualität noch die Ernährungsmöglichkeiten. Unter diesem Aspekt ist die Möglichkeit einer Toleranzerhöhung der einzig sinnvolle Weg.
Wir können davon ausgehen, dass ein bestimmtes Milieu die Anhäufung von Giften und das Anwachsen und Fortbestehen diverser Keime begünstigt. Stress jeder Art und chronische Entzündungen verschieben das Milieu in den sauren Bereich, Schlacken bleiben hängen, die Sauerstoffversorgung sinkt, eine ideale Umgebung für Krankheitserreger bildet sich. Die Stoffwechsellage verschlechtert sich weiter, ein Teufelskreis entsteht.
Biotests können die stärksten Belastungen herausfinden – und welche wir zur Entlastung des Patienten beseitigen können. Die Testverfahren können auch die Reihenfolge der Therapieschritte ermitteln. Meist stehen am Anfang die Beseitigung einer unphysiologischen Darmflora (oft mit Verpilzung) sowie die Wiederherstellug der Membransysteme im Körper und die Ankurbelung der körpereigenen Entgiftungssysteme (orthomolekular und homöopathisch). Aus unserem Fachbereich sind Zahnherde oder Amalgam große Brocken, die jede andere Therapie blockieren können und deren Sanierung daher manchmal auch am Anfang stehen muss. Chronische Infekte im HNO-Bereich sind ebenfalls sehr häufig (Viren, Bakterien, Parasiten, Pilze).

Reduktion von Allergien und Unverträglichkeiten

Hauptziel und doch Nebeneffekt dieses Behandlungspakets ist die Reduktion der Unverträglichkeiten und Allergien. Es dauert oft viele Monate, manchmal sogar Jahre, aber es gelingt, dass immer mehr und schließlich alle Nahrungsmittel und Dentalmaterialien verträglich werden und selbst Asthma (in anfänglichen Stadien) verschwindet.
Es ist sinnvoll, bekanntermaßen belastende Materialien wie Quecksilber und Palladium zu meiden – beide sind für viele Patienten nur durch wiederholte und langwierige Zusatztherapien zu tolerieren. Der Einsatz üblicher Composites und Hochgoldlegierungen soll und kann durch Zusatzbehandlungen ermöglicht werden. Treten durch neue Belastungen wieder Probleme auf, genügt meist eine kurze Behandlung für eine neuerliche Entlastung.
Falls Sie einen Test wünschen, soll der Patient von Ihnen Proben des geplanten Materials sowie ein Panoramaröntgen mitbringen. Laborbefunde und eine Liste bestehender Medikationen sind ebenfalls hilfreich. Als Testergebnis sind möglich: „Keine Bedenken gegen alle vorgeschlagenen Materialien“; „alle höherwertigen Materialien sind möglich“.
Wir empfehlen dringend eine Vorbehandlung, da derzeit eine nur sehr eingeschränkte Materialauswahl möglich ist und auch diese Werkstoffe jederzeit „zu viel“ werden können.

Dr. Eva-Maria Höller, Zahnarzt 3/2008

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