zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 31. März 2008

Sparbuch versus Aktien

Historische Rückblicke haben es so an sich: Lange Zahlenreihen sehen spektakulär aus und schinden Eindruck, tragen aber oft zur Verwirrung bei. Beim ATX, speziell aber beim WBI, der mittlerweile eine Historie von 40 Jahren hat, ist es nicht anders. Angesicht einer derart langen Zeitreihe und der in den vergangenen Jahren ausgezeichneten Performance österreichischer Aktien drängt sich die Frage auf, wie die beiden Indizes im Vergleich zum klassischen Sparbuch abgeschnitten haben.
Gemessen am Austrian Traded Index (ATX) und am Wiener Börse Index (WBI) war im Jahr 2007 mit österreichischen Aktien „kein Blumentopf“ zu gewinnen. Der ATX schaffte gerade einmal ein zartes Plus von 1,1 Prozent, unter Berücksichtigung der Inflation von 3,1 Prozent gab es somit einen Verlust von zwei Prozent. Der WBI hat im vergangenen Jahr sogar um rund 1,4 Prozent nachgegeben, was einschließlich der Inflation zu einer Entwertung des angelegten Geldes von 4,5 Prozent geführt hat. Im Jänner 2008 kam es noch dicker: Der ATX verlor in nur einem Monat fast 15 Prozent und der WBI 12 Prozent.
So weit die „bad news“. Die Zahlen gelten natürlich für jenen Aktienkorb, den der jeweilige Index abbildet. Das sind im Falle des ATX in der Regel 20 Aktien und beim WBI alle amtlich notierten Aktien der Wiener Börse. Wer allerdings die richtige Nase hatte, konnte 2007 mit einzelnen österreichischen Aktien trotzdem gut verdienen. Längerfristig orientierte Anleger können sich ohnehin gemütlich zurücklehnen und den Erfolg genießen.

Dem Sparbuch weit überlegen

In Österreich ist das Sparbuchsparen traditionell weit verbreitet. Ein viel zu großer Teil der Spargelder liegt auf täglich fälligen Sparkonten, deren Verzinsung meist nicht einmal die jährliche Inflation ausgleicht. Damit sind wir auch schon beim Kern der Sache. Wer im Jahr 1991 1.000,– Euro auf ein täglich fälliges Sparbuch eingezahlt hat, musste trotz moderater Inflationsentwicklung in diesem Zeitraum effektiv eine Geldentwertung hinnehmen. Denn die vor 17 Jahren eingezahlten 1.000,– Euro sind heute nur noch 940,– Euro wert.
Demgegenüber konnte ein Anleger mit dem ATX seit 1991, dem Startjahr des heimischen Blue Chip Index, sein Kapital mehr als verdoppeln. Aus 1.000,– Euro wurden bis Ende Jänner 2008 genau 2.475,– Euro. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass in diesen 17 Jahren auch Dividenden bezogen wurden. Denn der ATX berücksichtigt keine Dividendenzahlungen. Der Vergleich mit dem Sparbuch würde dadurch noch günstiger für den ATX ausfallen. Dies um so mehr, als in diesem Vergleich bei der Sparbuch-Verzinsung die KESt nicht berücksichtigt ist. Die Sparbuch-Rendite ist real noch um die KESt erniedrigt und liegt dann bei zirka 860,– Euro.

40 Jahre Wiener Börse Index mit Höhen und Tiefen

In den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war mit Aktien nicht viel zu verdienen – der WBI dümpelte in dieser Zeit nur etwas über seinem Startwert von 100 Punkten. Trotzdem konnte er in den ersten Jahren nach seiner Erstberechnung (31.12.2007) mit der Sparbuchverzinsung nicht nur mithalten, sondern diese sogar outperformen. Aus 1.000,– Euro wurden in den ersten fünf Jahren 1.100,– Euro. Im gleichen Zeitraum hatte man mit dem Sparbuch real bereits rund 50,– Euro verloren.
Eine mehrjährige negative Entwicklung hatte der WBI Ende der 70er- bzw. Anfang der 80er-Jahre. Das Startkapital von 1.000,– Euro schrumpfte um 575,– auf 425,– Euro. Damals war das Sparbuch eindeutig „überlegen“, denn der Wertverlust betrug „nur“ 320 ,–Euro. Ab Mitte der 80er-Jahre drehte sich das Bild völlig zugunsten des WBI um, der fortan das Sparbuch outperformte.
Nach 40 Jahren konnte man sich beim WBI über eine knappe Vervierfachung seines eingesetzten Kapitals freuen – das vergangene dreiviertel Jahr verursachte allerdings eine Delle von 4.020,– Euro auf rund 3.260,– Euro. Demgegenüber sind in 40 Jahren aus 1.000,– Euro auf dem Sparbuch nur noch 590,– Euro Kaufkraft (inflationsbereinigt und abzüglich KESt.) übrig geblieben.
Über das Sparbuch braucht man nicht viele Worte zu verlieren, das kennt jeder. Bei Aktienindizes ist das schon etwas anderes. Der ATX wurde am 10. Mai 1991 erstmals veröffentlicht. Der Basiswert wurde mit 1.000 Punkten per 2. Jänner 1991 festgelegt. Der ATX wurde allerdings auch fünf Jahre zurückgerechnet, weshalb die historischen Tiefstwerte vor Beginn der offiziellen Berechnung liegen.

Fakten und Daten

Der ATX wird in „realtime“ berechnet, d. h. dass jede Kursveränderung berücksichtigt wird. Bei Kapitalerhöhungen bzw. -berichtigungen erfolgt die Anpassung am Tag vor dem Bezugsrechtsabschlag, die Ausschüttung von Dividenden bleibt unberücksichtigt. Die Zusammensetzung des ATX wird regelmäßig im März und September überprüft. Hauptkriterien für die Aufnahme bzw. Streichung sind kapitalisierter Streubesitz und Börsenumsatz. Bei der halbjährlichen Anpassung im März und September können höchstens drei Aktien aus dem Index gestrichen bzw. in den Index aufgenommen werden. Der ATX ist Basiswert der an der Wiener Börse gehandelten Options- und Futures-Kontrakte.
Der Wiener Börse Index (WBI) enthält alle österreichischen Aktien, die im amtlichen Handel und im geregelten Freiverkehr der Wiener Börse notieren. Damit unterscheidet er sich ganz wesentlich vom ATX und dem ATX Prime. Die einzelnen Aktien sind entsprechend ihrer Marktkapitalisierung (Anzahl der begebenen Aktien mal Kurs) unterschiedlich gewichtet. Werte mit einer hohen Marktkapitalisierung haben folglich einen stärkeren Einfluss auf den WBI als Werte mit geringerer Marktkapitalisierung. Die Berechnung erfolgt einmal pro Tag nach Börsenschluss.
Aktualisierungen erfolgen nicht regelmäßig, sondern aus gegebenem Anlass. Mit dem Stichtag 31. Dezember 1967 wurde der WBI gleich 100 gesetzt, Bezugsbasis für die weiteren Berechnungen des Index’ ist demnach der Ultimo 1967. Dieser Basiszeitpunkt wurde deshalb herangezogen, weil damals in Österreich die sogenannten „Wachstumsgesetze“ in Kraft getreten waren. Die Gewichtung im WBI erfolgt nach dem Grundkapital. Die Indexformel (Paasche) gewährleistet, dass jeder einzelne Kurs den Gesamtindex in dem Verhältnis beeinflusst, das dem an der Börse zum Handel zugelassenen Kapital dieser Gesellschaft entspricht.

 Sparen

Werner Szábo, Zahnarzt 3/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben