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Zahnheilkunde 24. Mai 2007

Bleaching in Händen von Professionisten

„In meinem Heimatland hat das Bleaching die Zahnheilkunde in den vergangenen 15 Jahren grundlegend verändert“, so der bekannte amerikanische Zahnarzt Dr. Dan Fisher letztes Jahr in einem Gastkommentar in der „DZW“. Ende der 80er- beziehungsweise Anfang der 90er-Jahre sei die Zahnmedizin in den USA auf dem absteigenden Ast gewesen; nun kämen wieder mehr Patienten in die Praxen – aber nicht in erster Linie wegen Zahnschmerzen, sondern aus Gründen der Zahnästhetik. Fisher ist erstaunt, dass „in Deutschland oder Österreich weiterhin relativ wenige Zahnärzte die Aufhellung von Zähnen regelmäßig anbieten und durchführen“. Er befürchtet, dass „die immer älter werdenden Patienten lebenslänglich zu dunklen Zähnen verdammt sind“, obwohl es für das Bleichen der Zähne praktisch keine Altersgrenzen gäbe.
Fisher: „Die Zahnaufhellung ist eine der minimalinvasivsten zahnärztlichen Behandlungen. Unzählige Studien belegen, dass von ihr bei professioneller Anwendung und pH-neutralen Materialien keine Risiken für Schmelz und Dentin ausgehen.“ Allerdings bedeutet für den amerikanischen Zahnarzt – wie sich etwa im letzten Jahr bei seinem Vortrag in Wien zeigte – „Sicherheit“ etwas anderes als für die meisten Mitteleuropäer. Ein Produkt gilt für ihn nämlich dann als sicher, wenn das Nutzen-Risiko-Verhältnis angemessen (appropriate) ist.

Kariesanfälligkeit reduziert

Zusätzlich kann Bleaching sogar eine Kariesprävention bewirken, betont Fisher. Er bezieht sich dabei auf eine In-vitro-Studie aus Saudi-Arabien (Al-Qunaian T, Operative Dentistry 30, 2005, 265–270), in der 20 Prozent Carbamidperoxid mit FP (0,11 % Fluorid und Kaliumnitrat) die Kariesanfälligkeit reduzierte. Fisher zusammenfassend: „Eine Zahncreme mit hohem RDA-Faktor beeinträchtigt die Schmelzstruktur – Bleichen beim Zahnarzt nicht. Und jedes Glas Cola oder Apfelsaft hat mehr Auswirkungen auf den Schmelz als ein gutes, professionelles Material zur Zahnaufhellung.“

Zahnaufhellung anbieten

„Leben Sie das vor, was Sie Ihren Patienten empfehlen“, so Fisher weiter. „Es ist unglaubwürdig, wenn Sie Ihrem Patienten eine ästhetisch anspruchsvolle Restauration empfehlen und Sie oder auch eine Ihrer Helferinnen dunkle Zähne haben.“ Wichtig sei auch, Bleaching als zahnärztliches Thema zu sehen. Fisher: „Überlassen Sie das Thema nicht den Apotheken oder Drogeriemärkten. Sie werden staunen, wie interessiert und motiviert Patienten reagieren, wenn Sie den Zusammenhang von schönen und gesunden Zähnen ansprechen und die zahnärztlich geführte Zahnaufhellung aktiv erklären und anbieten.“
Als für Zahnarzt und Patient wirtschaftlichste Lösung (langfristig betrachtet) wird im Allgemeinen das Bleaching mit individuell angefertigtem Tray angesehen. Eine zahnärztliche Alternative zu Produkten aus Supermärkten, Drogerien oder Apotheken stellen vorgefertigte, preisgünstige Einmal-Kombitrays dar.
In einer Studie aus den USA war die Empfehlung des Zahnarztes das zweitwichtigste Motiv für eine Zahnaufhellung. An erster Stelle stand – wenig überraschend – der Wunsch, so gut wie möglich auszusehen und den Zeichen des Alterns entgegenzuwirken. Die Zufriedenheit mit der Zahnaufhellung war bei der Anwendung von professionellen, zahnärztlichen Methoden deutlich höher als bei frei verkäuflichen Bleachingprodukten. 67 Prozent der Patienten waren äußerst oder sehr zufrieden – gegenüber 35 Prozent bei den frei verkäuflichen Produkten. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass Patienten, die sich ihre Zähne bleichen lassen, deutlich häufiger zum Zahnarzt gehen: 80 Prozent derjenigen, die ihre Zähne beim Zahnarzt professionell aufhellen ließen, gaben an, mindestens alle sechs Monate den Zahnarzt aufzusuchen.

Home-Bleaching ist problematisch

Aus der kritischen Sicht von Prof. Dr. Johann Wernisch, Institut für Festkörperphysik der TU Wien, „werden die Zahnärzte und die Öffentlichkeit zu wenig über Bleaching aufgeklärt“. Bereits Kinder würden heute um die weißeren Zähne wetteifern – „dies muss wirklich nicht sein“, so Wernisch.
Korrekt durchgeführtes internes Bleichen hält der Experte für unproblematisch, von Home-Bleaching würde er abraten. Wernisch: „Besonders problematisch sind Bleachingprodukte mit niedrigem pH-Wert, da bei saurem pH-Wert Fluorapatit in wasserlösliches Kalziumhydrogenphosphat umgewandelt wird. Es gibt Bleachingprodukte mit einem pH-Wert von zwei oder drei, da ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Schmelz angegriffen wird. Generell zeigt sich in der Mehrzahl der Studien, dass externes Bleichen zu Schmelzveränderungen führt.“ Der Aussage, dass fluoridhaltige Bleachingprodukte vor Karies schützen können, steht Wernisch skeptisch gegenüber.
„Man sollte zunächst einmal bestimmen, welche Fluoridkonzentrationen dadurch überhaupt auftreten.“ Dies sei allerdings gar nicht so einfach, da „Fluor als leichtes Element schwer messbar ist“. Beim In-Office-Bleaching kann durch Energiezufuhr die Dauer der Einwirkung verkürzt werden. Wernisch: „Der Laser – Dioden, Nd:YAG oder KTP-Laser – besitzt hier deutliche Vorteile gegenüber anderen Energiequellen und ermöglicht es, sehr schnell und präzise Energie zuzuführen. Durch einen Absorber im Bleachinggel wird dabei eine zu starke Erwärmung des Zahnes und damit eine Schädigung vermieden.“
Wenig Energie (im Milliwatt-Bereich), keine Laserquelle und nur geringe Konzentrationen an Wasserstoffperoxid (3 bis 5 Prozent) benötige man, wenn man beim Bleichen einen von ihm entwickelten Katalysator – der auf Halbleiterbasis funktioniert – verwendet, so Wernisch. Eine Schädigung des Schmelzes konnte bei diesem „katalytischen Bleachen“ nicht beobachtet werden. Das Produkt werde wahrscheinlich noch heuer auf den Markt kommen und von der Fa. Metasys Medizintechnik GmbH vertrieben.

Zeitlicher Aufwand und Effektivität im Vergleich

Unterschiedliche Bleachingprodukte wurden in einer interessanten Studie von Auschill und Mitarbeitern der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verglichen (Operative Dentistry 30, 2005, 156–163). Es handelte sich dabei um drei Produkte, bei denen sich der Zeitaufwand für das Bleichen stark unterscheidet: White Strips als „Over-the-Counter“-Produkt, Opalescence PF 10 % (Home-Bleaching) und Opalescence Xtra-Boost (In-Office-Bleaching). Alle Produkte erweisen sich dabei als effektiv, die höchste Akzeptanz bei den Patienten erzielte Opalescence PF.

Dr. Peter Wallner, Zahnarzt 5/2007

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