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Zahnheilkunde 3. Dezember 2007

Kostengünstig: Lückenfüller Amalgam

Weil die Krankenkassen sich so wertvolle Materialien wie Gold für das Stopfen von Zahnlöchern nicht leisten können, bleibt den österreichischen Zahnbehandlern und ihren Kassenpatienten keine andere Wahl als Amalgam.
„Wir sind vertragsmäßig an das Amalgam gebunden“, betont der Vizepräsident des Zahnärztlichen Interessenverbandes Österreichs (ZIV), der Wiener Zahnarzt DDr. Claudius Ratschew, „einer seit hundert Jahren verwendeten konservierenden Therapie, quasi aus der Steinzeit der Medizin“. Seither habe es große Fortschritte gegeben, aber die fänden im Kassenvertrag keine Berücksichtigung. Das beste Füllmaterial für lückenhafte Zähne ist nach wie vor Gold – aber Inlays aus dem Edelmetall sind sehr teuer. Moderne Kunststofffüllungen konnten bisher in punkto Haltbarkeit mit den rasch und einfach zu setzenden Amalgam-„Plomben“ nicht mithalten. Sie sind nicht nur weniger kaudruck- und abriebfest als Amalgam, sie sondern auch permanent Säure ab und schädigen den Zahnnerv.
Ratschew: „Sie sind medizinisch um nichts besser, sondern nur schöner, und sie enthalten kein Quecksilber.“
Nur selten machen Zahnärzte selbst auf das Problem des Materials und auf gesündere Alternativen aufmerksam – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie nicht in den Geruch der Geschäftemacherei kommen wollen. Eine öffentliche Debatte darüber existiert kaum, ebenso selten werden Patienten unabhängige Informationen geboten (etwa von Interessenvertretungen wie Konsumentenschutz oder Arbeiterkammer). Mitunter würden Patienten die Mehrkosten nicht scheuen, könnten sie sich Schmerzen und Folgekosten für Zahnersatz oder Implantate ersparen.
Auf die Frage, warum es nach so vielen Jahren kein ebenso haltbares, aber unbedenkliches Material zum Löcherstopfen gibt, sagt Ratschew: „Die Industrie ist daran nicht interessiert. Das große Geschäft sind Implantate – in diese Richtung wird viel geforscht.“

Inge Smolek, Zahnarzt 12/2007

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