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Zahnheilkunde 25. Oktober 2007

Panorama- versus Zahnröntgen

Falls am Panoramaröntgenbild ein pathologischer Prozess zu sehen ist, ist es in der Regel nicht notwendig, weitere Zahnröntgenbilder anzufertigen. Ist aber auf dem Panoramaröntgenbild keine pathologische Veränderung zu erkennen, wie im folgenden Fall, und ist der Patient trotz positivem Vitalitätstest nicht schmerzfrei, so sind weitere detaillierte Untersuchungen erforderlich. Zunächst sollten in der zahnärztlichen Praxis die Zähne einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Kann kein Befund erhoben werden, so ist zumindest eine Ausschlussdiagnose möglich. Danach sind weitere Untersuchungen zu veranlassen, z. B. in Richtung Nasennebenhöhlen oder Kiefergelenk etc.

Dafür spricht folgender Fall ...

... Ein Patient suchte wegen Schmerzen im Bereich der linken Gesichtsseite seine Zahnärztin auf. Diese fertigte ein Panoramaröntgenbild an und führte einen Vitalitätstest durch. Das OPTG war o. B. Der Vitalitätstest der Zähne auf der betreffenden Gesichtsseite war positiv. Daraufhin wurde der Patient zur Abklärung von Kiefergelenksbeschwerden an die Universitätsklinik geschickt. Dort wurden weitere Untersuchungen durchgeführt und auch ein Kiefergelenks-CT vorgenommen. Eine empfohlene MRT-Untersuchung lehnte der Patient ab.
In der Annahme, dass das Diagnosespektrum bereits von der zuweisenden Zahnärztin ausgeschöpft war, wurden keine weiteren Untersuchungen wie Einzelzahnröntgenbilder durchgeführt. Die Folge war, dass der Patient weiterhin unter Schmerzen litt und Analgetika einnehmen musste. Ein anderer Zahnarzt konnte schließlich nach eingehender Untersuchung inklusive Zahnröntgen, den schmerzverursachenden Zahn im UK links feststellen. Nach der Extraktion war der Patient von seinen Schmerzen befreit.

Resümee

Unter Berücksichtigung des Vertrauensgrundsatzes, der für bereits durchgeführte Untersuchungen, Behandlungen und Befunde gilt, ist es nicht erforderlich, Untersuchungen, von denen angenommen werden kann, dass sie bereits vom zuweisenden Arzt zum Ausschluss einer bestimmten Diagnose durchgeführt wurden, neuerlich vorzunehmen.
In diesem Fall sind sowohl die Klinik wie auch weitere medizinische Institutionen davon ausgegangen, dass das Diagnosespektrum von der zuweisenden Zahnärztin in vollem Ausmaß ausgeschöpft worden war. Wäre dieser Fall von der Zahnärztin voll ausdiagnostiziert worden und nicht schon vor Ausnützung des gesamten Diagnosespektrums an die Klinik überwiesen worden, wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit der Leidensweg des Patienten kürzer gewesen. Die Lehre daraus: Sieht man auf dem Panoramaröntgenbild einen pathologischen Prozess, so ist er vorhanden. Sieht man einen solchen nicht und ist der Patient nicht beschwerdefrei, so ist im Detail die weitere Fahndung nach der Beschwerdeursache mit dem Hilfsmittel von Zahnröntgenbildern durchzuführen. Dies auch dann, wenn der Vitalitätstest positiv war, da dieser ein subjektiver Test ist. Was für den einen Patienten gerade noch fühlbar ist, kann für einen anderen Patienten unbemerkt bleiben. Wenn uns von Fachkollegen Patienten zur weiteren Untersuchung zugewiesen werden, gehen wir davon aus, dass die betreffenden Kollegen ihre diagnostischen Möglichkeiten bereits allumfassend genützt haben und vertrauen darauf, dass die mitgelieferten Befunde stimmen. Eine Wiederholung von voraussetzbaren Untersuchungen und Überprüfung von Befunden können im Regelfall nicht erwartet werden und wären auch aus ökonomischer Sicht nicht vertretbar.

Prim. Prof. MR, DDr. H. Porteder, Zahnarzt 11/2007

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