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Zahnheilkunde 24. Mai 2007

Verschläft Österreich Europa?

Vor über einem Jahr wurde vom internationalen und europäischen Verband selbstständiger Zahntechniker (FEPPD) das DOSAM-Projekt gestartet. DOSAM ist die Abkürzung für Development of generic occupational standards and the promotion of mobility for dental technicians, also die Entwicklung allgemeiner Ausbildungsrichtlinien und Förderung der Mobilität von Zahntechnikern.

 Zahntechniker

Foto: Snizek/Buenos Dias

Einheitliche qualitative Standards

In der europäischen Zahntechnik sind derzeit etwa 42.000 zahntechnische Labors mit 210.000 Mitarbeitern tätig. Auf Grund der unterschiedlichen Ausbildungen ist es zurzeit schwer möglich, das Wissen und das Qualitätsniveau der Zahntechniker in den jeweiligen Ländern auszuwerten und zu vergleichen. Das stellt einerseits die Behörden vor große Probleme, die der Bevölkerung auch bei zahntechnischen Produkten eine qualitative und sichere Versorgung garantieren müssen. Andererseits werden dadurch auch die Mobilität der Zahntechniker innerhalb Europas und die Harmonisierung der europäischen Gesetzgebung sehr erschwert. DOSAM soll dieses Problem beseitigen, weswegen dieses Projekt auch massiv von der EU über das Leonardo-da-Vinci-Programm gefördert wird und im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein soll.
Schon seit langem hat die FEPPD das so genannte „Globalprofil“ als zukünftige Ausbildungsrichtlinie definiert. Dieses war ähnlich der österreichischen und deutschen zahntechnischen Ausbildung aufgebaut und sollte nach Möglichkeit in allen europäischen Staaten umgesetzt werden. Im Laufe der Zeit war jedoch klar abzusehen, dass dieser Ansatz aus den unterschiedlichsten Gründen nicht umsetzbar war. Insbesondere war es unmöglich, bereits vorhandene historisch gewachsene Ausbildungsstrukturen zu eliminieren und durch die Vorgaben des Globalprofils zu ersetzen.

Inhalte der Ausbildung werden definiert

Aus diesem Grund wird mit DOSAM nicht der Ausbildungsweg, sondern der Ausbildungsinhalt definiert. Unter Leitung der FEPPD wurden vorerst alle Ausbildungsinhalte der beteiligten Länder ins Englische übersetzt, auf kleine Einheiten heruntergebrochen, um vergleichbar und abgleichbar zu werden und als Gesamtprojekt dann wieder zurückübersetzt. Insbesondere der Abgleich zwischen den Beteiligten und die Debatten über notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten gehen natürlich nicht ganz reibungslos vor sich.
Im Rahmen der IDS in Köln präsentierte die FEPPD am 2. Internationalen Zahntechniker-Forum die bereits vorhandenen Ergebnisse. Diese zeigen, dass der Termin Ende des Jahres wahrscheinlich gehalten werden kann, wenngleich noch etliche Diskussionen geführt werden müssen.
Marc Devlieger, der Zuständige für Leonardo, ist jedenfalls begeistert vom Projekt, da er beim Zahntechniker-Forum indirekt bereits eine Geldzusage für die nächste Stufe, die nachhaltige Umsetzung von DOSAM in der europäischen Zahntechnik, gemacht hat. Was letztlich die beteiligten zahntechnischen Verbände von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Rumänien und der Slowakei beschließen, wird jedenfalls zur Richtschnur für die Zukunft der europäischen zahntechnischen Ausbildung werden.
Unterstützt werden die Verbände dabei von Experten diverser französischer, italienischer, englischer und holländischer Ausbildungszentren, die als stille Teilnehmer beim Projekt mitmachen. Um mit der Ausbildung auf Europaebene anerkannt zu sein, wird DOSAM wohl oder übel von allen anderen Verbänden übernommen werden müssen. Es ist wirklich schade, dass die österreichische Bundesinnung untätig zusieht und die Chance vertan hat, eines der wahrscheinlich wichtigsten Projekte der europäischen Zahntechnik mit zu gestalten.

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